Medikamentenforschung

Seien Sie vorsichtig mit Schmerzmitteln!

Schmerzmittel können bei regelmäßiger Einnahme die Symptome bestimmter Erkrankungen verschlimmern. Das belegt eine langjährige Studie der Semmelweis-Universität.

Die am häufigsten verwendeten nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamente sind die sogenannten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure enthaltende Präparate. Diese können bei regelmäßiger Einnahme die Symptome bestimmter Erkrankungen verschlimmern. Diese Arzneimittel gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Medikamenten und können die Zusammensetzung der im Darmtrakt lebenden Mikroorganismen beeinflussen, was sich negativ auf die Grunderkrankung auswirken kann.

Im Rahmen eines mehrjährigen Projekts (2021-2025) untersucht die Gastrointestinale Arbeitsgruppe am Institut für Pharmakologie und Pharmakotherapie der Semmelweis-Universität, warum und wie diese Schmerzmittel die Störung des Gleichgewichts der Darmmikrobiota, die als Dysbiose bezeichnet wird, verursachen können.

Im Darmtrakt leben mehr als 100 Mrd. Mikroorganismen, z. B. Bakterien, Viren und Pilze. Zusammen werden diese als Darmmikrobiota (oder Darmflora) bezeichnet. Ihre Rolle ist für das Funktionieren des Körpers von wesentlicher Bedeutung. Bei chronischer Arthritis und rheumatischen Erkrankungen wird ein Ungleichgewicht der Darmmikrobiota festgestellt, das mit der Entstehung dieser Erkrankungen bzw. der Verschlimmerung ihrer Symptome einhergeht. Diese bakteriellen Anomalien ähneln denen, die durch NSAR verursacht werden.

Auf dieser Grundlage scheint es, dass eine medikamenteninduzierte Dysbiose zur Verschlimmerung dieser Krankheiten beiträgt und dies die therapeutische Wirkung nichtsteroidaler entzündungshemmender Medikamente langfristig einschränken kann, betonte der Leiter der Forschungsgruppe, Dr. Zoltán Zádori. Die Ärzte gehen davon aus, dass Entzündungen der Darmschleimhaut, Veränderungen des pH-Wertes, motorische Aktivität des Darms, die Gallensäurezusammensetzung und die direkten antibakteriellen Eigenschaften von NSAR, das Gleichgewicht der Darmflora stören. Diese Prozesse sind eng miteinander verbunden und oft bidirektional.

Durch NSAR verursachte Darmschäden entwickeln sich meist im Dünndarm und verursachen eine leichte Entzündung. Die Symptome sind Bauchschmerzen, Durchfall und möglicherweise Anämie. In seltenen Fällen kann es auch zu einem Darmdurchbruch kommen. Eine Störung des Gleichgewichts der Darmflora kann zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen. Dazu gehören auch das Reizdarmsyndrom, hormonelle Störungen, Herz-Kreislauf-, Autoimmun- und psychiatrische Erkrankungen. Der Zustand der Darmmikrobiota kann durch einen gesunden Lebensstil, etwa richtige Ernährung und Bewegung, verbessert werden. Forscher untersuchen derzeit, wie man die schädlichen Auswirkungen von NSAR verhindern oder ihnen entgegenwirken kann. Sie experimentieren u. a. mit Cannabinoiden, die bei der Behandlung bestimmter Darmprobleme wie dem Reizdarmsyndrom wirksam sind.

 

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