Hydrogen Open 2024
Der Energieträger der Zukunft?
Auf der internationalen Konferenz „Hydrogen Open“ des Ungarischen Verbandes für Wasserstofftechnologien in Budapest betonte Energieminister Csaba Lantos, Wasserstoff könne als Energieträger der Zukunft eine Schlüsselrolle spielen. Ungarn setze sich für einen Energiemix aus Nuklearenergie und erneuerbaren Energien ein. Die Solarenergie erfahre rasante Verbreitung im Land, die Kapazitäten beliefen sich Ende 2023 bereits auf 5.600 MW.
Hohe Kosten und Speicherpotenzial
Bei der Produktion von grünem Wasserstoff sind Kosten und Speichermöglichkeiten zentrale Themen, meinte der Minister. Dieser Bereich werde derzeit erst noch erforscht und entwickelt, es sei jedoch notwendig, sich auf die inländische Anwendung der neuen Technologien vorzubereiten. In Kardoskút wurde im vergangenen Jahr Ungarns erste Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff in Betrieb genommen. Bei der MOL in Százhalombatta sowie in Bükkábrány entstehen weitere Anlagen. Damit kann Ungarn ein Vorreiter bei der Produktion von grünem Wasserstoff werden.
Die PV-Anlagen werden ab dem Frühjahr imstande sein, den kompletten Energiebedarf des Landes aus Sonnenenergie zu decken. Der Überschuss geht entweder in den Export oder wird gespeichert, wofür sich Energiespeicher oder eben die Wasserstofftechnologien anbieten. Der Minister erinnerte daran, dass derzeit in Energiespeichern der Industrie nur 20 MW Elektroenergie „aufbewahrt“ werden können – diese Kapazität soll mit Hilfe einer aktuell laufenden Ausschreibung auf 440 MW erhöht werden. Derweil wollen mehr als 20.000 Haushalte am neuen Förderprogramm für die Installation von Solartechnik kombiniert mit dem Einbau kleiner Speicher teilnehmen. Mittlerweile erzeugen 250.000 Haushalte einen Teil ihres Stroms mit PV-Dachanlagen; das sind ca. 10% der Einfamilienhäuser.
Verband bittet um gezielte Beihilfen
Der Verband für Wasserstofftechnologie unterzeichnete im Rahmen der „Hydrogen Open 2024“ eine Kooperationsvereinbarung mit dem Energieministerium über die professionelle Unterstützung heimischer, technologischer Entwicklungen und die Erneuerung der Branchenstrategie. Verbandspräsident István Lepsényi betonte, dass die Verwirklichung der Wasserstofftechnologie weiterhin mit großen Herausforderungen, einem enormen F+E-Aufwand und hohen Investitionssummen verbunden ist. Damit die einheimische Industrie hier mitmischen kann, seien in jedem Fall gezielte staatliche Beihilfen erforderlich.
Chancen von modernen Technologien erkennen
Der Minister für Bau und Verkehr, János Lázár, betonte auf der Konferenz, dass die Veränderungen in der Welt nicht nur Schwierigkeiten bringen und wirtschaftliche Herausforderungen darstellen, sondern auch Chancen bieten. Logistik und Mobilität sind für Ungarn von entscheidender Bedeutung, das Land müsse seine geopolitische Lage nutzen, um als Brücke zwischen West und Ost zu fungieren. Es sei eine strategische Aufgabe, auf die Herausforderungen der Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts zu reagieren, um sich weiterhin als ihr Zentrum zu positionieren. Die Öffnung gegenüber modernen Technologien und für neue Zukunftsbranchen sei ein Wettbewerbsvorteil für Ungarn, der Ausbau der Logistikinfrastruktur und des Fuhrparks für den ordnungsgemäßen Fluss des Personen- und Güterverkehrs im ganzen Land von entscheidender Bedeutung.

Im Rahmen des zehnjährigen Entwicklungsplans der MÁV-Volán-Gruppe mit einem Gesamtvolumen von 6.500 Mrd. Forint (17 Mrd. Euro) haben sich die MÁV-Staatsbahn und die Volán-Überlandbusgesellschaft zum Ziel gesetzt, schon innerhalb von drei Jahren wasserstoffbetriebene Züge und Busse einzuführen. Der Minister betonte, dass dazu die Erneuerung des Fuhrparks unerlässlich ist – die Regierung sei offen für den Dialog über neue Energieträger.
Vier starke Partner
Die zweitägige internationale Konferenz wurde auf dem MOL-Campus ausgerichtet. Der Downstream-Direktor der MOL Nyrt., Gabriel Szabó, sagte, sein Unternehmen sehe die Beschleunigung der grünen Energiewende in der Region Mittelosteuropa als vorrangiges Ziel an; Wasserstoff spiele in diesem Prozess eine besondere Rolle. Grüner Wasserstoff könne dazu beitragen, die Schadstoffemissionen der Raffinerien um bis zu einem Drittel zu reduzieren.
MOL-Gruppe, Volánbusz Zrt., MÁV Zrt. und der Spediteur Waberer’s Nyrt. unterzeichneten am Freitag auf der Konferenz „Hydrogen Open 2024“ eine strategische Kooperationsvereinbarung über den Einsatz von Wasserstoff in Transport und Logistik. Ziel der Vereinbarung ist es, die Verbreitung des emissionsfreien Personen- und Gütertransports auf der Straße zwischen den vier großen ungarischen Unternehmensgruppen zu fördern sowie die Zusammenarbeit im Bereich Wasserstofftransport und Logistikeinsatz zu stärken. Die beteiligten Unternehmen wollen dafür möglichst viele ihrer Partner in die gemeinsame Arbeit einbinden, um den von MOL produzierten Wasserstoff effizient im heimischen Markt zu nutzen. „Wasserstoffbetriebene Fahrzeuge können eine kompromisslose Alternative zu herkömmlichen dieselbetriebenen Schwerfahrzeugen sein“, erklärte Zsolt Barna, CEO der Waberer’s International Nyrt.
Erste Wasserstofftankstelle eröffnet
Die Linde Gáz Magyarország Zrt. hat in Budapest, an der Illatos út, die erste Wasserstofftankstelle eröffnet. Nach Anmeldung können dort 4.000 Kilogramm Wasserstoff getankt werden, gab die Staatssekretärin des Energieministeriums, Zsófia Koncz, am Freitag bekannt. Die Mobilitätsagentur HUMDA Zrt. stellt für den Testbetrieb Wasserstoffbusse in der Agglomeration von Budapest, in Debrecen, Győr, Kecskemét, Kaposvár, Miskolc und Zalaegerszeg bereit. Im Zuge der schrittweisen Umsetzung des Programms „Grüne Busse“ sind mittlerweile 140 e-Busse auf den Straßen des Landes unterwegs, für die auch die benötigte Infrastruktur zur Verfügung steht.
