Technologieminister László Palkovics sieht alle Voraussetzungen für eine neuerliche Laufzeitverlängerung gegeben. Foto: MTI/ Dániel Kiss

AKW Paks

Zwanzig Jahre länger am Netz?

Die Regierung ist entschlossen, die Laufzeit des Atomkraftwerks Paks zu verlängern.

Technologieminister László Palkovics erklärte dies am Freitag in Paks, nachdem er sich vor Ort mit dem Vorstandschef der staatlichen Betreibergesellschaft des AKW, MVM Paksi Atomerőmű (PA) Zrt., konsultiert hatte. Géza Pekárik habe bestätigt, dass alle Bedingungen gegeben sind, um die Lebensdauer noch einmal, um 10-20 Jahre zu verlängern. Der Minister kündigte Anschlussinvestitionen zur Steigerung des Wirkungsgrades und für den Einsatz moderner Lösungen der Energiespeicherung an. Pekárik erhielt zwei Wochen, um die Dokumentation für den Projektstart zusammenzustellen. Es werden Arbeitsgruppen für technische, wirtschaftliche und juristische Belange sowie für Schulungsfragen eingerichtet. Palkovics versprach vollständige Transparenz für den gesamten Prozess.

Der CEO der PA Zrt., Géza Pekárik, erhielt zwei Wochen, um die Dokumentation vorzulegen. Foto: MTI/ Dániel Kiss

Kontrollierte Abschaltung war ab 2032 vorgesehen

Die vier Reaktorblöcke des AKW Paks mit heute jeweils 500 MW energetischer Nettoleistung gingen zwischen 1982 und 1987 ans Netz. Die ursprünglich vorgesehene Betriebsdauer von 30 Jahren wurde schon einmal um 20 Jahre verlängert. Zwischen 2032 und 2037 sollten die alten Blöcke endgültig vom Netz genommen werden – dafür war als Ersatz das Projekt AKW Paks 2. mit zwei Blöcken á 1.000 MW vorgesehen. Der Ukraine-Krieg und die Sanktionspakete gegen Russland stellen dieses Projekt ernsthaft in Frage, wenngleich Budapest einen offiziellen Rückzug (anders als die Finnen) bislang nicht erklären möchte.

Einer Laufzeitverlängerung des bestehenden AKW muss Brüssel zwar erst zustimmen. Weil Energie in Europa nach der Abkopplung von den russischen Lieferungen aber allgemein und nicht nur auf kurze Sicht knapp werden dürfte, sollten berechtigte Chancen bestehen. Zumal die ohnehin schleppende Umsetzung des Projekts AKW Paks 2. gerade wieder auf ein schwerwiegendes Hindernis gestoßen ist: Möglicherweise muss der Standort an der Donau neu geplant werden, um eine tektonische Gefährdung auszuschließen.

Parallellauf nicht auszuschließen

Palkovics erinnerte daran, dass der europäische sog. „Grüne Deal“ auch von Ungarn bis 2050 Klimaneutralität verlangt. Das Land wolle dieses Ziel erreichen, während man als Investitionsstandort für energieintensive High-Tech-Branchen, Elektromobilität und Maschinenbau attraktiv bleiben möchte. Außerdem müsse das Problem der Energiespeicherung gelöst werden, nachdem die Kapazitäten in PV-Anlagen von heute 6 GW schon bis 2030 auf schätzungsweise 12-14 GW ausgebaut werden. Der Minister brachte zum ersten Mal einen vorstellbaren Parallellauf von Paks 1 und Paks 2 ins Spiel, wenn Ungarn Energieunabhängigkeit erreichen wolle.

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