Budapest, der Balaton und Győr versprechen derzeit die meisten Aufträge im Wohnungsbau. Foto: BZT/ Jan Mainka

Baugewerbe

Zu wenig neuer Wohnraum entsteht

Wegen der drohenden Rezession hat die Regierung die Regelung der vergünstigten Mehrwertsteuer (ÁFA) auf Neubauwohnungen verlängert.

Tatsächlich litt der Wohnungsneubau bereits im I. Halbjahr. Laut Zentralamt für Statistik (KSH) wurden kaum mehr 9.150 Neubauwohnungen übergeben, 7% weniger, als im I. Halbjahr 2021.

In Budapest war der Rückgang besonders augenfällig, denn 3.620 übergebene Wohnungen sind ein Fünftel weniger, als vor einem Jahr. Im ländlichen Raum hielt der Bauboom derweil noch an: In Kleinstädten wurden 2.270 Wohnungen bezugsfertig (+7%), in den Dörfern 1.450 Wohnungen (+10%), in den Komitatsstädten stagnierte der Wohnungsbau (bei 1.800 Einheiten). Erstmals seit anderthalb Jahren sank die Baulust privater Bauherrn nicht weiter, die Zahl der Auftragsbauten ging derweil um ein Siebtel zurück. Noch bleiben Wohnungen in Mehrfamilienhäusern dominant, mit der steigenden Zahl neuer Einfamilienhäuser auf dem Lande nimmt aber auch die durchschnittliche Quadratmeterfläche wieder zu: im Jahresvergleich um 5,5 auf 88,5 m2.

Positiver Trend bei Baugenehmigungen

Bei der Ausgabe von Baugenehmigungen setzt sich der Aufschwung seit dem Tiefpunkt vom Corona-Sommer 2020 fort. Ende 2018 wurden letztmalig binnen drei Monaten mehr als 10.000 Genehmigungen erteilt, im II. Quartal 2022 näherte sich die Zahl wieder diesem Schwellenwert an. Im I. Halbjahr kamen 17.700 Baugenehmigungen zusammen, was natürlich immer noch zu wenig ist, nachdem bis zu einem Drittel der Vorhaben nie realisiert wird.

 

Die MTI-Graphik zeigt die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen (lila) und der übergebenen Wohnungen (rot) im I. Halbjahr 2022/21, gegliedert nach Budapest, Komitatsstädten, sonstigen Städten und Gemeinden.

Immobilienentwickler haben ein Interesse an möglichst vielen auf den Weg gebrachten Projekten, weil im Verkaufspreis noch bis 2026 die vergünstigte ÁFA von 5% angesetzt werden darf. Obendrein läuft in der Hauptstadt die Bebauung rehabilitierter Industriebrachen an – auch bei solchen Projekten gilt die ÁFA von 5%, die aber unter den jetzigen Umständen keinen Wettbewerbsvorteil bringt.

Wohnungsbau kurbelt Konjunktur an

Das Wirtschaftsministerium geht aktuell davon aus, dass 10.000 zusätzlich gebaute Neubauwohnungen das BIP um 1 Prozentpunkt anheben und für 25.-30.000 Arbeitsplätze sorgen. Für das Baugewerbe bedeutet der Wohnungsbau eine Art Rettungsanker, sinkt die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien im Krisenumfeld doch rapide. Von den seit Jahresbeginn ausgegebenen Baugenehmigungen ausgehend haben Baufirmen in naher Zukunft am meisten im Umland von Budapest, am Balaton und rund um Győr zu tun.

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