Die MTI-Graphik zeigt die Entwicklung der Erwerbslosenquote seit 2019 (in %) und die aktuelle Beschäftigtenzahl (Kreisdiagramm, in Tsd. Personen).

Arbeitsmarkt

Wieder Auslandsjobs im Visier

Die Beschäftigtenzahl stagniert bei 4,7 Mio. Personen, die Erwerbslosenquote bei 3,6%. Das Zentralamt für Statistik (KSH) präsentierte am Donnerstag die frischen Arbeitsmarktdaten für den Monat April.

Um die Fehler der groben Schätzwerte auszutarieren, wendet das Statistikamt seit längerer Zeit dreimonatige Zahlenreihen an. Demnach arbeiteten in den Monaten Februar bis April insgesamt 110.000 Ungarn mehr, als vor einem Jahr, unter denen aber auch 15.000 mehr ihr Geld lieber im Ausland verdienten. Während die Zahl der ABM-Kräfte unter 80.000 gefallen ist, steuert die geschätzte Zahl der Ungarn mit Auslandsjob schnurstracks auf 100.000 zu. Unmittelbar vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte das KSH diese Zahl mit rund 120.000 Personen angesetzt – Experten zufolge dürfte dieser Stand im Sommer wieder erreicht sein. In der Realität sichern sich mehrere hunderttausend Ungarn ihre Existenz im Ausland, vor allem in Großbritannien und EU-Staaten Westeuropas, darunter Deutschland und Österreich. Diese Abwanderung verschärft den Arbeitskräftemangel hierzulande, ob auf dem Bau, bei Informatikern oder im Gesundheitswesen, ja selbst in den Fabriken.

Die offizielle Beschäftigungsquote ist in der Altersgruppe der 15-64-Jährigen (die für den EU-Vergleich relevant ist) auf dem Höchststand von 74,1% angelangt. Ebenfalls für den Zeitraum Februar-April wies das KSH zugleich eine Erwerbslosenquote von 3,5% aus. Diese Quote besserte sich im Jahresvergleich um 0,8 Prozentpunkte, bei Frauen sogar um mehr als einen Punkt. Dass sich der Arbeitsmarkt wieder nahe am Zustand der Vollbeschäftigung befindet, zeigt die deutlich abnehmende Erwerbslosenquote bei Berufsanfängern: Diese steht nun wieder bei 10,0%, 2,5 Prozentpunkte günstiger, als vor einem Jahr inmitten der 3. Corona-Welle. Für Beschäftigte im besten Arbeitsalter (zwischen 25 und 55 Jahren) gilt eine Quote von 3,1%. Während all diesen Quoten Schätzungen zugrunde liegen, werden die Zahlen der Arbeitsämter amtlich erfasst. Demnach galten Ende April 242.000 Menschen als arbeitslos, wieder 16% weniger, als vor zwölf Monaten registriert.

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