Foto: MTI/ Tamás Purger

Wirtschaftsminister Nagy in Bayern

Verhandlungen über E-Auto-Aktionsplan

Nach seinem Besuch in Berlin im April reiste Wirtschaftsminister Márton Nagy nun nach Bayern.

Auch dort traf er sich mit führenden Vertretern der deutschen Automobilindustrie. Am Montag und Dienstag führten er und eine Delegation des Wirtschaftsministeriums Gespräche mit Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender von Audi, Frank Weber, Vorstandsmitglied von BMW, und Eckart von Klaeden, Vizepräsident von Mercedes.

Neben der Vorbereitung der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft waren die Hauptthemen der Diskussionen die aktuellen Fragen der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Automobilindustrie sowie die zukünftigen Herausforderungen und Chancen für den Sektor besonders mit Blick auf die E-Fahrzeugindustrie.

Fehlende Ladeinfrastruktur

Erörtert wurde die Notwendigkeit eines gesamteuropäischen Aktionsplans zur Forcierung der E-Mobilität. Die Seiten waren sich einig, dass Elektroautos die Zukunft Europas sind. Dabei werde die Zusammenarbeit zwischen Ungarn und der deutschen Automobilindustrie eine entscheidende Rolle spielen.

Die größte Herausforderung in dieser Hinsicht ist derzeit der Mangel an Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Momentan fehlt ein zusammenhängendes europäisches Netz für schnelle und problemlose Langstreckenfahrten. Es solle durch gemeinschaftliche und private Investitionen ausgebaut werden.

Zudem müsse auch das regulatorische Umfeld umstrukturiert werden. Einerseits sollte die zu erwartende Dichte von Schnellladepunkten im transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V) erhöht werden, z.B. auf einen Abstand von 50 km. Andererseits sollte darauf hingewirkt werden, dass in einem möglichst großen Teil des Tankstellennetzes Schnellladestationen vorhanden sind.

Mehr Anreize für E-Autokauf

Darüber hinaus ist ein neues EU-weites Anreizsystem für den Autokauf erforderlich, um die Verbreitung der Elektromobilität als Teil des Aktionsplans zu fördern. Dieses solle sich sowohl an Hersteller als auch an Käufer richten. Auch eine Änderung der Vorschriften für staatliche Beihilfen könnte in Betracht gezogen werden, um den Absatz anzukurbeln.

In diesem Zusammenhang betonte Nagy, dass neben dem Kauf von Neufahrzeugen auch der Handel mit gebrauchten E-Autos gefördert werden sollte, u. a. durch die Entwicklung neuer Normen. Dies ist auch das Ziel des Aktionsplans zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Elektroauto-Sektors, dessen Entwurf den Mitgliedstaaten während der ungarischen Ratspräsidentschaft auf der Tagung des Rates „Wettbewerbsfähigkeit“ am 8. und 9. Juli als „Weißbuch“ vorgelegt werden solle.

Enge Zusammenarbeit mit Bayern

Im Rahmen des Besuchs in Deutschland führte Nagy auch Gespräche mit Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident des Freistaats Bayern und Minister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, sowie Eric Beisswenger, bayerischer Staatsminister für europäische und internationale Angelegenheiten.

Im Mittelpunkt der Gespräche standen die ungarisch-deutsche und ungarisch-bayerische wirtschaftliche Zusammenarbeit, die wirtschaftlichen Perspektiven und die Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.

Deutsche Unternehmen beschäftigen in Ungarn mehr als 220.000 Mitarbeiter, wovon ein erheblicher Teil auf die Automobilindustrie entfällt. Deutschland ist Ungarns wichtigster Handelspartner, wobei Bayern der bedeutendste ist.

Verhandlungen mit NIO Europe

Nagy und die Delegation des Wirtschaftsministeriums führten auf Einladung des chinesischen Unternehmens NIO außerdem noch Gespräche mit Hui Zhang, Vizepräsident von NIO Europe, und besuchten das NIO Global Design Center in Bayern.

Das 2014 gegründete Unternehmen NIO ist ein Pionier und führend auf dem Markt für intelligente Premium-Elektrofahrzeuge. Im vergangenen Jahr hat es mehr als 160.000 E-Autos verkauft. NIO hat ein F+E-System für die Entwicklung von Batterien, elektrischen Antriebssystemen, intelligenten Systemen und Fahrwerksreglern eingerichtet. Das Vorzeigeprojekt von NIO ist die Einrichtung von Batteriewechselstationen.

Östliches und westliches Kapital zusammenbringen

Nagy betonte, dass Ungarn eine auf gegenseitigem Respekt basierende Zusammenarbeit und Partnerschaft mit allen anstrebe, was auch für deutsche und chinesische Unternehmen gelte. Ungarns Ziel sei es, seine Rolle als wirtschaftlicher Treffpunkt weiter zu stärken, d.h. östliches und westliches Kapital und Hightech-Technologie in Ungarn zusammenzubringen.

In der E-Auto-Industrie wird dies in Ungarn beispielhaft vorgeführt. Führende deutsche Automobilhersteller und die fortschrittlichsten chinesischen Automobilunternehmen arbeiten hier zusammen. Seiner Auffassung nach seien Strafzölle auf chinesische Elektroautos nicht die Lösung für die Probleme der europäischen Autoindustrie.

Foto: Sozialmedien

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