Das Foto zeigt Finanzminister Mihály Varga bei der Bekanntgabe der Investition einer ungarischen Firma Mitte der Woche in Nyíregyháza. (Foto: MTI/ Attila Balázs)

Konjunkturaussichten

Varga: „Eher minus fünf Prozent“

Die Rezession dürfte deutlich stärker ausfallen, als bisher angenommen. Finanzminister Mihály Varga sagte am Donnerstag, die Prognose von -3% für das Gesamtjahr sei zu optimistisch gewesen.

„Im Juni hat sich die Wirtschaft bereits ein bisschen erholt, doch im II. Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung insgesamt um 10% geschrumpft sein“, sagte der Minister dem staatlichen Kossuth-Radio. Für das Gesamtjahr rechnet Varga nun mit „eher minus 5%“ und damit gemessen an den bisherigen Verlautbarungen mit einer erstaunlich schlechteren Entwicklung, ohne Hoffnung auf die V-Kurve. Den größten Rückschlag in der Corona-Krise musste das Land im Monat April hinnehmen, als die Wirtschaftsleistung um ein Fünftel einbrach. Im Mai fiel der Rückfall geringer aus, im Juni kehrte sich der Trend wieder um, als sich erste Anzeichen einer Erholung zeigten. Der Finanzminister hob erneut hervor, dass Ungarn in einem guten wirtschaftlichen Zustand von der Seuche erfasst wurde: Nach 5% Wirtschaftswachstum in 2019 ergab sich für das I. Quartal ein BIP-Zuwachs von mehr als 2%.

Was das Haushaltsdefizit anbelangt, sollte die Neuverschuldung ursprünglich bei 1% am BIP (488 Mrd. Forint) gehalten werden. Tatsächlich kam zur Jahresmitte ein Defizit von 1.800 Mrd. Forint zustande, das 3,8-4% am BIP entspricht. Für die Abwehr der Corona-Epidemie mussten rund 600 Mrd. Forint, zum Schutz der Wirtschaft annähernd 1.200 Mrd. Forint abgezweigt werden. Das Defizit dürfte bis Jahresende weiter zunehmen, fügte Varga hinzu, denn die Wirtschaft müsse für einen effizienten Neustart angekurbelt und auch eine zweite Corona-Welle einkalkuliert werden. (Da die Regierung derzeit offiziell ein Defizit von 3,8% am BIP angesetzt hat, welche Zahl den Worten des Ministers folgend überholt ist, darf demnächst mit einem neuen, bereits dem vierten, Defizitziel für 2020 gerechnet werden.)

Die Ungarische Nationalbank (MNB) hatte im Kommentar zur neuerlichen Zinssenkung vom Dienstag auf 0,6% an ihrer geradezu unglaublichen Prognose eines „bescheidenen Wachstums“ von 0,3-2% festgehalten. Das steht im krassen Widerspruch zur Erwartungshaltung der durch das Finanzministerium repräsentierten Regierung, die von Beginn der Corona-Krise an das Eintreten einer Rezession befürchtete. Nach der jetzigen Ansage von Mihály Varga gelten einzig die Voraussagen der EU-Kommission und der OECD (mit -7-10%) noch als pessimistischer.

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