Im Januar zeigte der Preispfeil eigentlich deutlich nach oben; das Statistikamt kalkulierte etwas anderes. Foto: BZ/ Jan Mainka

Inflation

Unter vier Prozent

Die Inflationsrate ist wegen Basiseffekten im Januar weiter kräftig gesunken; erstmals seit drei Jahren liegt die Rate wieder im Zielbereich der Notenbank.

Die Verbraucherpreise lagen im Januar durchschnittlich um 3,8% höher als vor einem Jahr, teilte das Zentralamt für Statistik (KSH) am Freitag mit. Im Januar 2023 hatte die Inflationsrate mit 25,7% ein Jahrtausendhoch erreicht. Damals waren Haushaltsenergie, Lebensmittel und Kraftstoffe die großen Preistreiber, die sich im Jahresvergleich um ein Viertel bis um die Hälfte verteuerten. Diese Rolle hat ein Jahr später der Dienstleistungssektor übernommen (+10,4%); insbesondere Mieten, Kosten rund ums Auto sowie Kultur und Sport haben zweistellig im Preis angezogen. Der Preisanstieg bei den Lebensmitteln hat sich derweil auf +3,6% reduziert, das Auto lässt sich günstiger betanken und bei der Energierechnung profitieren die Bürger von einem neuen Sparbewusstsein.

Verbraucherpreise legen weiter zu

Dessen ungeachtet ist die Inflation noch längst nicht besiegt: Die Kerninflation lag im Januar im Vergleich zum Vorjahr bei 6,1%, gegenüber dem Dezember legten die Verbraucherpreise um 0,7% zu. Lebensmittel wurden zu Jahresbeginn vor allem saisonal bedingt (frisches Obst und Gemüse) teurer (+1,2%), witterungsbedingt verteuerte sich auch Energie (Leitungsgas +1,7%, Brennholz +1,3%). Bekleidung wiederum war wegen des Saisonschlussverkaufs um gut 2% günstiger zu haben. Der Anstieg bei Dienstleistungen um 0,5% wirkt eher bescheiden, denn viele Anbieter nutzten den Jahreswechsel für Preiskorrekturen, ob Post, Vermieter oder Reparaturbetriebe. Hier kam offenbar zur Geltung, dass viele Firmen die auf Dezember vorgezogene Anhebung des Mindestlohns noch im gleichen Monat für die Korrektur ihrer Endkundenpreise nutzten.

Die MTI-Graphik zeigt die Entwicklung der Inflation im Nachwende-Ungarn (Veränderung zum Vorjahr in %).

Wo hat das KSH seine Preise getankt?

Für reichlich Aufmerksamkeit in den Medien und bei Analysten sorgte die Darstellung des KSH, die Preise an den Zapfsäulen seien im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,5% (und im Jahresvergleich um 12%) gefallen. Dabei hatte die Regierung die Verbrauchsteuer zum Jahreswechsel kräftig angehoben. Zwar versuchte der Großhändler MOL, diesen Effekt ein wenig abzufedern, indem die Anhebung um insgesamt 41 Forint in zwei Schritten – zu Monatsbeginn und Monatsmitte – vollzogen wurde. Experten betrachteten die KSH-Zahl dennoch überaus skeptisch.

Das Fachportal holtankoljak.hu verfolgt die Preisentwicklung an den Tankstellen systematisch: Demnach kam es beim Benzin innerhalb eines Monats zu einem Anstieg des Literpreises um 20 Forint, bei Dieselkraftstoff eher sogar um 30-40 Forint. Tatsächlich lag der Benzinpreis Ende Januar wieder ungefähr auf dem Niveau von Anfang Dezember, doch im letzten Monat des Jahres war der Preis laufend gesunken, im Januar setzte eine umgekehrte Bewegung ein. Der Dieselpreis wiederum lag im Dezember mit Ausnahme der ersten Woche regelmäßig und deutlich unter 600 Forint, im Januar aber zunehmend darüber (in der letzten Woche bereits bei durchschnittlich 625 Forint).

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