Lohnstatistik
Unnatürlicher Zick-Zack-Kurs
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So geht es aus den aktuellen Zahlen hervor, die das Zentralamt für Statistik (KSH) am Freitag vorstellte. Auch der Reallohnanstieg existiert nur noch in den Pressemitteilungen des zuständigen Technologieministeriums.
Für den Monat Juli ermittelte das Amt Bruttodurchschnittslöhne von exakt 500.000 Forint für Vollzeitbeschäftigte. Der unnatürliche Zick-Zack-Kurs in der Lohnstatistik findet damit eine Fortsetzung. Die in die Bruttolöhne einfließenden Prämien, Einmal- und Sonderzahlungen hoben die Löhne, die im Jahresverlauf 2021 durchschnittlich rund 450.000 Forint erreichten, im vergangenen Dezember schon einmal auf knapp 500.000 Forint an. Im Januar brach dieser Wert – ohne die besagten Sondereffekte – wieder um 25.000 Forint ein, woraufhin im Februar die Sonderausschüttungen der Orbán-Regierung mit Blick auf die Parlamentswahlen griffen. Plötzlich sollte eine 40 Wochenstunden beschäftigte Person brutto 550.000 Forint im Schnitt pro Monat verdient haben! Dabei schlug das sog. „Waffengeld“ für die Angehörigen der Ordnungsorgane durch, eines der üppigen Wahlgeschenke, um Polizisten und Soldaten bei Laune zu halten. Die Statistik korrigierte in den drei Folgemonaten um insgesamt 50.000 Forint nach unten. Seit April schwankt der Monatslohn ganz offiziell um 500.000 Forint.
Medianwert bei brutto 400.000 Forint
Netto blieben von diesem kalkulierten Wert im Juli 335.000 Forint übrig, immerhin 15,3% mehr, als vor einem Jahr. Ohne jegliche Sonderzahlungen schätzt das KSH den Bruttolohn auf 465.000 Forint, der für die Massen von Lohnempfängern maßgebliche Medianwert erreichte derweil 400.000 Forint. Davon verbleiben netto aber nur 265.000 Forint, also schon mal 70.000 Forint weniger auf die Hand, als das KSH dem „Durchschnitts-Ungarn“ zugesteht. Dieser Wert liegt nur noch um 14,5% höher, als vor einem Jahr. Angesichts des zu Jahresbeginn um 20% angehobenen Mindestlohns eine interessante Größe.
Nur noch Schall und Rauch
Im Juli kletterte die Inflationsrate auf 13,7%. Das KSH ermittelt daraus einen Anstieg der Reallöhne um nur noch 1,4% – vor einem Monat waren es noch 3,3%. Vom realen Zuwachs der Löhne blieben im Sommer nur noch Schall und Rauch – im August kletterte die Inflation bekanntlich weiter auf 15,6%, deren Scheitelpunkt immer mehr Analysten derweil oberhalb von 20% erwarten. Freundlicher schaut die Statistik der Reallöhne aus, wenn man die ersten sieben Monate im Querschnitt betrachtet. Für den Zeitraum Januar-Juli ergab sich eine durchschnittliche Teuerungsrate von 10,0%, so dass in diesem Umfeld noch ein reales Plus bei den Löhnen von 6,9% drin war. Auch hier ging freilich gegenüber dem Monat Juni (8,0%) mehr als ein Prozentpunkt verloren.
Bestbezahlter Nonprofit-Sektor
Die Bruttolöhne für Vollzeitbeschäftigte bewegten sich in diesen sieben Monaten im Gastgewerbe um 315.000 Forint, im führenden Finanzsektor um 855.000 Forint. Männer verdienten im Durchschnitt 555.000 Forint (+18,3%), Frauen 455.000 Forint (+16,3%). Die „regelmäßigen“ Einkommen beliefen sich bei Unternehmen der Wettbewerbssphäre auf brutto 460.000 Forint im Monat, im öffentlichen Dienst auf 440.000 Forint und im Nonprofit-Sektor auf 490.000 Forint. Damit räumt das KSH zumindest ein, dass die Bruttolöhne in der Wettbewerbssphäre abseits aller Prämien und Sonderzahlungen im Jahresvergleich nur um 13,2% zunehmen konnten, im Nonprofit-Sektor (Hochschulen!) aber um ein Drittel. Der Medianlohn in der Volkswirtschaft soll brutto 395.000 Forint erreicht haben, der mit Steuervergünstigungen kalkulierte Netto-Medianlohn 275.000 Forint.
