Die letzten Tage der Preisdeckelung: Panikkäufe führten im November zur Schließung von hunderten Tankstellen. Foto: BZ/ Jan Mainka

Einzelhandel

Verbraucher sparen bereits an Lebensmitteln

Das Drama nimmt seinen Lauf: Die Leute haben schlicht kein Geld mehr für den täglichen Einkauf. Die Entwicklung erinnert an die Jahre der Weltwirtschaftskrise 2008/09.

Nach dem Oktober war der November bereits der zweite Monat in Folge, in dem allein der Verkauf der Tankstellen den Einzelhandel noch über Wasser hielt. Im Lebensmittelhandel, also bei den Waren des täglichen Bedarfs, wies das Zentralamt für Statistik (KSH) einen Rückgang zum Vorjahr um 6,7% nach. Bereits seit dem Juni erreicht das Handelsvolumen in diesem lebensnotwendigen Segment nicht mehr die Basiswerte von 2021, was bei einer Lebensmittel-Inflation von annähernd 50% nicht verwundern muss. Wenn man die Trafik-Läden herausrechnet, nähert sich das Minus bereits 10% an!

Verzicht auf Bekleidung und Schuhe

Aber auch im Nonfood-Segment ist die Krise allgegenwärtig: Nach drei Monaten der Stagnation lag das spezifische Volumen dieser Sparte im November um 2,3% unter Vorjahresniveau. Bekleidungs- und Schuhgeschäfte klagen über Verkaufszahlen, die um ein Achtel (!) niedriger als vor einem Jahr sind, und selbst der jahrelang boomende Onlinehandel ist um ein Zehntel eingebrochen. Im krassen Gegensatz hierzu stehen die Tankstellen, deren Vertriebsvolumen im elften Monat um sage und schreibe 27,7% über dem Vorjahreswert rangierte.

Das ist die höchste Dynamik seit Mai, wofür es eine Erklärung gibt: Im November mehrten sich die Anzeichen, dass die Regierung die Preisdeckelung von 480 Forint für den Liter Benzin oder Diesel nicht auf Dauer halten kann. Großhändler MOL nahm unter Berufung auf Logistikengpässe die Freien Tankstellen aus der wöchentlichen Lieferkette, weshalb hunderte Tankstellen (die wegen des Preisdiktats ohne alternative Importpartner geblieben waren) zwangsläufig schließen mussten. Es kam zu Panikkäufen, weil die Leute eine Rückkehr zu Marktpreisen über Nacht befürchteten. Zu dieser Maßnahme griff die Regierung schließlich am Nikolaustag, als sie den Bürgern symbolisch gesprochen ein faules Ei in den Stiefel legte. Die KSH-Einzelhandelsstatistik für den Dezember wird diesen Eingriff bereits abbilden: Wegen der plötzlichen Teuerung um 30-45% darf man hohe Wetten abschließen, dass nun auch der Kraftstoffhandel eingebrochen ist.

Pleitewelle unter kleinen Geschäften droht

Einschließlich dieser Anomalien erreichte das Einzelhandelsvolumen im Monat November zu laufenden Preisen 1.540 Mrd. Forint. Das ist zwar wieder knapp ein neuer absoluter Höchstwert, inflationsbereinigt bewegt sich das Einzelhandelsniveau jedoch schon seit dem Boom vom März und April über lange Monate wieder auf dem Ausgangsniveau vom Februar. Dass der Einzelhandel statistisch über den Zeitraum Januar-November um 6,4% zulegen konnte, ist dem Nonfood-Segment zu verdanken (+6,6%), während sich der dominante Lebensmittelhandel (-0,8%) und der eigentlich marginale Kraftstoffhandel (+26,2%) in der Wirkung auslöschten. Die seit der Corona-Pandemie präsente Pleitewelle insbesondere unter kleineren Geschäften wird in den nächsten Monaten sehr wahrscheinlich an Fahrt aufnehmen.

Die MTI-Graphik zeigt die Entwicklung des Einzelhandelsvolumens seit 2020 (identischer Vorjahresmonat = 100).

76 Antworten auf “Verbraucher sparen bereits an Lebensmitteln

  1. ‘Ungarn ist eine einsame Insel’ … nein, ist es nicht.

    In Deutschland ist es ein ständiges und unbestrittenes Phänomen, dass Rentner Flaschen sammeln, um mit dem Pfandgeld Lebensmittel zu kaufen.
    Um dies zu vermeiden und den Bürgern in Ungarn ein respektables Leben zu ermöglichen, tut die Politik einiges. Vielleicht macht sie nicht sofort alles richtig, aber sie bemüht sich offensichtlich.

    Meist wird in solchen Lagen viel gemeckert. Was machen denn die umliegenden Staaten ? In den Zeitungen bloß Katastrophenstimmung. Wie man da raus kommt wird nicht gesagt.

    Ungarn macht auf mich immer noch den Eindruck ein Land im Aufbruch zu sein, und ich glaube das wird auch gelingen. Der Forint gewinnt jedenfalls an Stärke.

    1. So bitter das ist, aber steigende Preise müssen zu sinkender Nachfrage führen.
      So wird Inflation begegnet, wenn nicht das Angebot steigt.

      Kaufzurückhaltung und preisbewußter Konsum werden die Inflation dämpfen.

      Aktuell sehen die Unternehmen, dass die Kunden bei einem Preis von 1,20€ ebenso kaufen, wie bei 1,00€. Also versuchen sie es mit 1,40€. Dann mit 1,50€. …
      Erst wenn die Kunden nicht mehr bzw. weniger kaufen, werden die Unternehmen nicht mehr an der Preisschraube drehen.

      1. Das haben Sie auch nicht geschrieben, Herr Ackermann.
        Um diesen Gedanken voranzustellen wurden die kleinen seltenen Häkchen eingesetzt , denn Ungarn ist aus meiner Sicht gut mit Europa vernetzt. Wer jetzt seufzt und ächzt, weil die Lebensmittel so teuer sind, muss dennoch über den berühmte Tellerrand hinausblicken.
        Das war der Grundgedanke für meinen kleinen Beitrag.
        Entschuldigung Sie bitte, wenn das falsch rübergekommen ist.
        Das war nicht meine Absicht.
        Ich bin trotzdem ein Fan Ihrer Artikel und lese hier häufig mit.

        1. Oh Entschuldigung, dann habe ich das falsch verstanden.
          Die Orbán-Regierung versucht, der Armut auf dem Wege entgegenzuwirken, Arbeit statt Sozialhilfe zu bieten. Das ist sicher ein guter Ansatz. Die Ausbreitung der Energiearmut wird mit den amtlich fixierten Tarifen für Gas, Strom und Fernwärme verhindert. Bei der Lebensmittel-Inflation waren die Preisdeckel für ausgesuchte Produkte aber ziemlich offenkundig der falsche Weg, was neben weiteren negativen Nebeneffekten die Teuerung noch anheizte. Teure Lebensmittel und eine im europäischen Maßstab extrem hohe Inflation sind für Menschen mit geringen Einkünften eine Katastrophe.

          1. Es ist ungerecht Ungarn mit Deutschland zu vergleichen. Ungar hat hinter sich Sozialismus, alles, was irgendwie möglich war, wurde abgebaut und als Reparation an die SU geschickt. Dann Wildprivatisierung. Ungarn hat seine Schulden bezahlt, nicht, wie zum Beispiel Polen, dem wurden die Schulden erlassen. Und vieles mehr.
            Die Kommunisten in den anderen sozialistischen Ländern waren nicht in solchen Maßen Heimatfeindlich, wie die in Ungarn. Sie sich auch jetzt noch.

            1. Vergleiche sollen immer helfen, Dinge einzuordnen. Der Bezug zu Deutschland, Österreich und der Schweiz ergibt sich nun mal aus der Deutschsprachigkeit der Zeitung.
              Übrigens, was Sie beschreiben, trifft teilweise auf Ostdeutschland (im Falle Reparationen und Wildprivatisierung) ebenso zu.

              1. PS. Leider in der Zeit der Wildprivatisierung viele Leute ließen sich auf auf Invalide Rente schicken. Oder auf Frührente. Ärtze haben mitgespielt. So wurde die Arbeitslosigkeit niedrig gehalten. Die Arbeitgeber Beschäftigten die Arbeitnehmer bei Niedriglohn oder auch schwarz.
                Ich wollte damit NUR sagen, daß das System schon vor Jahrzehnte sein Problem hatte. Welche Handwerker oder Geschäfte auf dem Markt haben vor 20-30 Jahr Rechnung ausgestellt?

      2. Lieber Herr Ackermann, gibt es Europa, in der EU 1 Land, wo die Bürger NICHT sparen, auch mit Lebensmittel? Wohl nicht. Oder?
        In den früheren Jahren, mit Fidesz Bürgermeister in Budapest,bekamen die Rentner Lebensmittel Pakete mit Kartoffeln, Öl, Reis, Mehl, Konserven und so weiter. Seit Karacsony der Bürgermeister, 00.
        PS. In dem Kriegsgewinner USA kostet 1 Gallon Benzin 3-3,3 Dollar.

        1. Liebe Frau Westermann,
          es ist ja nicht die Frage, ob das in anderen Ländern anders ist. Es ist halt nicht gut aus dem Blickwinkel des Sozialprodukts, wenn der Konsum einbricht.
          Die Lebensmittelpakete waren im ländlichen Raum auch sehr weit verbreitet, und da haben nicht Parteien das Sagen. Aber im Moment wissen die Kommunen gerade nicht, woher sie noch Geld nehmen sollen, wegen der exorbitanten Energierechnungen.

          1. Bin einverstanden.
            Also: der Krieg darf nicht länger dauern, auch wenn mich dafür kreuzigt.
            Ukraine hat in 1990 51 Million Einwohner. Jetzt um 35. Wer soll Ukraine überhapt bewirtschaften?
            Nach UNO Fluchtlingswerk die meiste Migranten gingen nach Russland. 2. Polen, 3. Deutschland. Gehen sie alle zurück, wenn der Krieg noch lange dauert? Egal, wer gewinnt. Irgendwann gibt es ein dead Punkt.

    2. Die Sorte Rentner die in Deutschland Flaschen sammeln gab es auch schon vor 50 Jahren.
      Eine gewisse Gruppe in Deutschland wird immer Flaschen sammeln müssen.
      Manche sammeln auch schon wieder einen Tag nach dem es Sozialhilfe gibt.

  2. In Hamburg Poppenbüttel steht das größte Einkaufzen trum der Stadt AEZ. 15-20 Prozent der Geschäften haben zugemacht. Hamburg ist eine dei reichsten Städten Deutschland. Und der Alstertal ist ein wohlhabender Stadtteil. ( war). Ich hatte in Hamburg in der letzten Woche zu tun. Straßen sind leer.
    Geschäften sind leer. Die Regierung meint, wenn man kein Geld für Brot hat, möge Kuchen kaufen. Der Tafel, Lebensmittel Verteilung für Bedürftige sagte, der Zahl der Bedürftige in 1 Jahr sich verdoppelt.

    1. Danke für diese Information Frau Westermann. So etwas steht kaum in den Zeitungen, jedenfalls ist mir so ein Artikel nicht in Erinnerung. Über den Ukraine-Krieg bekommt man stattdessen auf der ersten Seite gleich 4 Beiträge. Die Medien haben sich den Krieg zu eigen gemacht und informieren nur noch am Rande über andere Entwicklungen. Zum Beispiel: wie läuft es wirtschaftlich in den umliegenden europäischen Staaten ? Darüber lese ich ganz selten etwas. In der stuttgarter Tageszeitung wurde zum Jahreswechsel sogar ein bedeutender Anteil der Journalisten entlassen, gleichzeitig wird bemängelt, dass der Bürger immer weniger über die Politik in seinem Stadtteil informiert ist. Da geht etwas schief.
      Ich wünsche mir wieder einen konkreten Blick auf das nahe Umfeld der Menschen und auch einen gesamtheitlichen Blick auf Europa. Kritik an Ungarn ist auch Kritik an Europa.

      1. In Deutschland wird 2,3 Prozent Rentenerhöhung angepriesen. Meine Mutter bekam in Ungarn 15 Prozent I m letzten Jahr,.gand durch. 13. MONATSRENTE, dann Premium, jetzt wieder 15 Prozent in Februar. Sie ist sowohl mit Gas, als auch Strom innerhalb der subventionierten Grenzen, mit Sparen bezahlt sie weniger, als vor 3 JHre.

        1. Ich finde das großartig. hier wird für den Bürger/Rentner wirklich alles getan, was möglich ist. Natürlich kann man behaupten, Orban tut es für seine nächste Wahl. Warum auch nicht ? Für wen soll er sonst arbeiten ?

      2. Noch etwas. Hamburg ist etwa so groß, wie Budapest. 76 Prozent des Einwohner wohnen zu Miete. Durchschnittmiete ei er 50m2 Wohnung kalt ist 1.000 €. Tageskarte für ÖV. ist € 8.20. Auch für Rentner. Bäckereien machen scharenweise dicht wegen Energiepreise. Die Verbraucher können die hohe Preise nicht bezahlen, also man kauft bei Aldi/Lidl Massenware.

          1. Wie sind die Einkommensteuern? FAMIESTEUER?Umsonst Essen, Schulbücher, Begünstigung für Familien?
            Die arbeitende Eltern ernähren ihre Kinder. KINDERGELD IST NICHT ALS Einkommen im Stelle selbst zu arbeiten betrachtet werden, wie
            in Deutschland.
            Frage in der Schule: Was möchtest Du werden? Kind: Harz4. Jetzt wohl ” Bürgergeldler”.
            Arbeit gibt es genug. Nur Menschen nicht genug.

            1. Ach. Nun ist es also etwas Schlechtes, wenn Familien Geld für ihre Kinder erhalten?
              Kindergeld wird für alle Kinder ausgezahlt, ganz egal, welches Einkommen die Eltern haben.

              In Ungarn profitieren hingegen die Familien mit hohen Einkommen.

              1. Gehen Sie nach Hamburg zu Ihrer Nichte. Sie können sicher ein gutes Job dort finden. Sie haben dann es besser und U garn hat es dann besser.
                Dann werden Sie in den dreckigen Strassen Sie such wohler fühlen, als in Ungarn. Bringf Sie Desinfektionsmittel Tücher reichlich mit, auch Luftreinigung Spray. Hamburger Flughafen ist dreckig und stinkt, mehr, als Kairo vor 20 Jahre. Auch um 4 Uhr morgen, als die Türen geöffnet werden.
                PS. Wenn jemand in Deutschland gut verdient, dem ist egal das Kindergeld.

                1. Und das ist dann eben der wichtige Unterschied:
                  Wer in Deutschland wenig verdient, dem ist das Kindergeld von 250€ eine große Hilfe.
                  Wer viel verdient, wird mit höherer Einkommenssteuer belastet.

                  In Ungarn erhalten Familien mit niedrigem Einkommen nur 34€, während Menschen mit hohem Einkommen nur niedrige Einkommenssteuer bezahlen.

                  Das war auch schon so bei den staatliche Subventionen:
                  Eine Familie erhielt von der Orban-Regierung eine weit niedrigere Unterstützung, wenn sie eine kleine Wohnung beheizte, während ein Villenbesitzer mit viel mehr Steuergeldern unterstützt wurde, denn dessen Energieverbrauch war sehr viel höher.

      3. Wirtschaftlich läuft es gut.
        Warum sollte es den Unternehmen denn schaden, wenn sie ihre Produkte zu höheren Preisen verkaufen können.
        Die Aktienkurse steigen wieder und die Aktionäre können sich über hohe Dividenden freuen.
        Die Verluste aus den Russlandgeschäften haben die Unternehmen abgeschrieben.

      1. Nun, Die Schulen in den verschiedenen Bundesländern haben für Qualität verschiedene Punkteerhalten. Sachsen 90,5, Bremen -28,6, Bremen 2,8 Hamburg 20,9 Ich habe nicht alle aufgezählt.
        Wie ich weiß, die Lehrer aus Hamburg können weder in Bayer noch in Sachsen unterrichten. Dementsprechend ist das Kenntnisniveau der Kindern in den Bundesländer. Nach dem 4. Schuljahr 20-40 Prozent der Kinder erreichen nicht das Minimum in Lesen, Rechnen. Zählen. OBWOHL die Lehrer sind sehr gut bezahlt.

  3. Frau Westermann, Frau Koch : Die Altersarmut, welche sie ja in Ungarn nicht sehen, ist sehr wohl genauso vorhanden, wie anderswo. Wissen Sie welche Grundrente einem Rentener zusteht. (Entschuldigung, doch nach ungarischem Gesetz steht ihm die gar nicht zu) ? Dann sollten Sie sich das mal ernsthaft überlegen wie die Leute mit so einer Rente überhaupt ddurch den Winter koömmen. Desweiteren haben Sie hier so gut wie keine Zuzahlung bei Arzneimitteln, was natürlich altere Leute mehr belastet.Die vorstellung von wohlhabenden Rentner in Ungarn trifft leider zumeist aud die zu , welche Ihre Renten aus dem auch so gehassten Ausland kassieren. Über die Zuschüsse zur Erziehung ? Sehen sie sich doch einfach mal die Geburtszahelen im vergangenen Vierteljahr an !

    1. Altersarmut in Ungarn, ja. Ich habe viele Verwandte und Bekannte, die Rente bekommen.
      Sie bezahlen für Gas und Strom nicht mehr, als vor 3 Jahre, im Gegenteil. Sie sind alle innerhalb der subventionierten Mengen.
      Die meisten Ungarn leben in Eigenheim.
      Am schlimmste sind die Lebensmittelpreise und Medikamentpreise !!
      Was gut war und ist, dass Rentner- ich spreche nicht uber 80 jährige- können 100 Rente erhalten plus ohne Sozialabgabe arbeiten. Nur 15 Prozent Einkommensteuer. Und dass die Rentner von Bus bis Bahn umsonst fahren können, also fie Benzinpreise trifft sie nicht. Am meisten auch nicht die Mieterhöhung.

      1. Nur sind die Eigenheime oft in einem renovierungsbedürftigen Zustand.

        In Deutschland subventioniert der Staat z.B. die Gebäudesanierung und moderene Heizungsanlagen. Dies senkt dann den Energieverbrauch und führt ebenfalls zu stabilen Heizkosten.
        Statt Gas zu subventionieren und billig zu halten, ist es mittel- und langfristig besser, die Senkung des Gasverbrauchs zu subventionieren.

        1. Herr Hatzig es gab in den letzten beiden Jahren hier erhebliche Zuschüsse vom Staat (50 % der Kosten wurden übernommen, Deckel war bei 6 Mio Forint.) Das Programm wurde auch stark genutzt. Es gab und gibt immer noch Zuschüsse auf Wärmedämmung, da hat diesmal der Viktor seine Hausaufgaben gemacht .

    2. Herr Rieger und Herr Hatzig und Lesende, mich würde wirklich interessieren was man konkret tun kann oder soll.
      Wer keine Rücklagen bildet ist im Alter in Not (Sie wissen dass die meisten Ungarn Eigentum und großen Garten haben und sich im Land kostenlos bewegen können, die Thermen sind verbilligt und tragen zur Gesundheit bei).
      Was kann man als ungarischer Politiker tun ?
      Ich habe vor Wochen gelesen, dass knapp eine Million Menschen aus der Ukraine aufgenommen worden sind (Herr Hatzig hat andere Zahlen genannt). Soll man daran sparen und stattdessen den Lehrern ein höheres Gehalt geben ? Mich ärgert es auch, wenn Lehrer schlecht bezahlt sind. Das sollte nicht sein.
      Bisher wurden neue Steuern bei Pharmafirmen und andere Wirtschaftszweige beschlossen (hoher Umsatz höhere Steuer) – diese Idee dürfte etwas weiterhelfen, oder nicht ?

      1. Frau Koch, das Rentenproblem haben alle (oder werden alle haben) in Europa und der sogenannten ersten Welt. Die Rente ist eine Umlagenversicherung. Das heisst, Sie bekommen nicht das zurück, was Sie einbezahlt haben. Sonder jemand anderes zahlt die Betrage für sie. Wenn keine jungen mehr da sind , welche einzahlen, bekommen die alteren weniger bis gar nichts. Die Demografie lässt sich mit solche einem System nicht überlisten. Aber kein Politiker will die Wahrheit sagen, weil das die grösste Wählergruppe ist !! Ausserdem müsste jeder in das System einzahlen. Es sind keine 1 Million Flüchtlinge aus der Ukraine in Ungarn, es werden ja jeden Tag die aktuellen Zahlen durchgegeben. Wer jetzt in Ungarn in Rente geht, bekommt seine Rente aus den relativen Zahlen ! Das ist bei eine Durchschnittsverdiener nicht viel. Über die Minimalrente müssen wir hier erst gar nicht reden, die reicht nicht mal für 3 Tage.

      2. Ungarn hat mittlerweile über eine Million Flüchtlinge “aufgenommen”, täglich kommen aktuell wieder deutlich mehr, rund 10.-15.000 Menschen, von denen aber die überwiegende Mehrheit nach erfolgter Erstversorgung/Registrierung weiter gen Westen reist.

      3. Wie schon Herr Rieger und Herr Ackermann sagten, kommen die ukrainischen Flüchtlinge in Ungarn an und werden zunächst aufgenommen, wandern dann aber meist weiter ab.
        Dies ist zwar eine Herausforderung für die EU-Staaten, kann aber bewältigt werden.
        Die demografische Entwicklung ist hingegen ein mittel- und langfristiges Problem, das in sich verschärfen wird.
        Noch profitieren wir von der demografischen Dividende, also der höchsten Zahl an Erwerbstätigen in der Geschichte. Aber nun wird die Zahl zurückgehen, wenn wir nicht mit Zuwanderung oder längerer Lebensarbeitszeit etwas dagegen tun.
        Hinzu kommt, dass die Zahl der alten Menschen zunehmen wird.
        Im Jahr 2000 war der Anteil der 65+ Jährigen noch bei 15%, nun machen sie schon mehr als 20% der Bevölkerung aus.

        1. Herr Hatzig, Herr Rieger, Herr Ackermann,
          gibt es ein Land aus Ihrer Sicht, in dem das Rentnerthema zufriedenstellend gelöst ist ?
          In Österreich soll es eine 13. Rente geben, die aber so nicht mehr bleiben wird (wenn man Leserkommentaren glauben darf).
          Wie sieht es in der Schweiz aus ? Nachdem dort alle Bürger mitbestimmen dürfen könnte das Thema doch abgehakt sein ?
          Ja, haben Sie eine Information ?

          1. Die Rentenfrage hat mehrere Aspekte:
            Die Menschen leben länger, auch wenn nun die Lebenserwartung nicht mehr so stark ansteigt, wie noch vor einigen Jahren.
            Bei gleichem Renteneintrittsalter beziehen die Menschen also länger Rente.
            Die Kranken- und Pflegekosten nehmen auch zu.
            Andererseits nimmt die Zahl derer, die die Renten usw. erwirtschaften, ab.
            Die Renten zunehmend aus Steuern zu finanzieren, ist ein Ansatz.
            Eine teilweise Finanzierung aus Kapitalerträgen ist ein weiterer Ansatz.
            Der Arbeitskräftemangel wird zunehmen, was sich auch an den trotz Krise weiterhin niedrigen Arbeitslosenzahlen zeigt. Zuwanderung ist ein Ansatz, um die notwendigen Einnahmen für die zunehmenden Rentenzahlungen erwirtschaften zu können.
            Zudem gibt schon heute einen Mangel an Pflegekräften.

            Es erfordert also eine langfristig angelegte Politik, die alle Problembereiche angeht.
            Die US-Amerikaner setzten auf private Absicherung im Alter, indem sie z.B. in Aktien investieren.

            1. Ja das ist ein Zusammenfassung wie sie mir als Rentnerin weitgehend geläufig ist, denn mit dem Renteneintrittsalter kommt der Moment der Wahrheit.
              Was tun ?
              Im Alter von 40 habe ich in D. noch schnell eine Wohnung erworben um mit 65-67 mit den Belastungen fertig zu sein.
              In dieser Zeit ist mir ein Artikel mit einer Soros-Empfehlung zum steigenden Euro über den Weg gelaufen und ich habe sogar damit etwas Geld an der Börse eingesammelt. Seither beschäftige ich mich nebenher mit dem Thema.
              Aber für beides braucht man schon viel Geld. Die meisten Arbeitnehmer müssen sich also entscheiden und dann reicht das Erworbene im Rentenalter nicht aus.
              Wegen der Wohnung habe ich dann 25 Jahre lang einen Nebenjob angenommen und damit viel Mitleid geerntet, aber auch Mitgefühl.
              Jetzt geht es mir nicht schlecht.
              Das war mal mein persönlicher Weg um das Rentenproblem zu lösen.
              Wehleidig darf man jedenfalls nicht sein, wenn man im Alter versorgt sein will.

              1. Was letztlich auf viele Rentner zukommen könnte, ist die Beantragung von staatlicher Unterstützung wie z.B. Wohngeld.
                Es hängt natürlich auch immer vom Anspruch und Lebenstil ab, den man im Alter erwartet.
                Bei vielen, die den Ruhestand im Auge haben, sind die Pläne doch auch oft recht kostspielig.

                  1. Schon in den letzten Jahren wurden die Sparer enteignet.
                    Entweder mit 0 Zinsen oder mit Minus Zinsen.
                    Wenn viele Lebensversicherung geschlossen haben, um später ihre Rente mit Zinsen aufzustocken, wurden schön a geschmiert in Deutschland. Ja, der Staat hat eine kalte Enteignung durchgeführt. Wer glaubt ihm noch? In Drutschland nur 1/3. Vermutlich nur die Beamten und Politiker.

                    1. Na Frau Westermann dann solltenh Sie eventuell auch den Rentenklau von Fidesz erwähnen, wenn Sie sich noch daran erinnern !

                  2. Das hängt sehr davon ab, wie man seine Rücklagen anlegt.
                    Leider sind die Deutschen noch immer Börsenmuffel.

                    Anteile an z.B. einem der deutschen Autobauer, die in Ungarn Fabriken gebaut haben, kann man auch für kleine Beträge kaufen.
                    Neben den Kurssteigerungen gibt es jährliche Gewinnbeteiligungen, Dividenden, die man einfach überwiesen bekommt und die meist weit höher sind, als die Sparbuchzinsen.

                    1. Alex, sie versuche hier den GURU spielen. HIER geht es nicht. Am besten eine andere Gruppe suchen. Wo steht jetzt die Rente? 43-45 Prozent des letzten Gehälter maximum.
                      Rechten Sie selbst aus, was soll ein Rentner ntto verdienen, um auf Armutsgrenze 1.100 € Rente zu bekommen.
                      Hören Sie auf mit Ihrem Aroganz. Wenn es nicht geht, hören Sie auf Ratschläge zu geben. Ratschlag ist auch ein SCHLAG!

                    2. Und Sie, Frau Westermann, gefallen sich mit so vielen anderen hier, als Untergangspropheten, die gerne Ihren Führern nachbeten.
                      Dabei werfen Sie mit Zahlen um sich, die Sie scheinbar gar nicht richtig einordnen können.
                      Die Armutsgrenze in Deutschland liegt nicht bei 1100€.
                      Und warum wohl kommen sich deutsche Rentner z.B. in Ungarn wohlhabend vor?

                    3. Am besten lesem:.”Magannyugdijpénztár. Minden amit erről tudni kell.”
                      Lange und verständliche Erklärung, nicht nur ” Bildzeitung Überschrift”

    1. Weitgehend hat Deutschland jetzt das Rentenproblem “gelöst”, indem viele Rentner durch die Corona-Impfung ums Leben gekommen sind, nachdem sie so massiv zu der tötenden/krankmachenden Impfung genötigt wurden.

  4. Stimmt, und hier in Ungarn schon gar nicht. Sie können sich hier privat versichern, oder in die Röhre schauen, so siehts aus. Das Bild vom flaschensammelnden Renter aus Deutschland, und dem ach so komfortablen Leben als Rentener hier ist falsch. Es gibt hier genung Rentner die im Müll nach verwertbaren suchen, glauben Sie mir das.

    1. Ich gebe Ihnen Recht. Ich bin gespannt, wie in der Zukunft Die Arbeit der Lehrern bewerten wird. Wie die von-bis Grenzen geschaffen werden. Wie ließt es messen, ob ein Lehrer gute Lehrer oder nicht. Welche Fächer er/sie unterrichtet, wie lange, wie ist die Qualität Sicherung, und so weiter.
      Ich nehme an, innerhalt der Lehrerschaft wäre die Differenzierung von großer Bedeutung.
      Die Kinder müssten begreifen, dass die Schule harte Arbeit ist. Wenn man Sportler oder Künstler, nimmt man die Arbeit, viel Arbeit und Disziplin als eine Selbstverständlichkeit.
      Ich hoffe und wünsche, dass den Lehrern finanziell und mental bald besser geht.

  5. Schlaraffenland Deutschland. Das bekommt eine 4 köpfige Familie ohne dafür arbeiten zu müssen, ob das richtig ist wäre eine weitere Frage:

    4 köpfige Familie hat 1640€ Bürgergeld

    Dazu kommen die Warmkosten für Miete, rechnen wir n u r 700€

    Somit wird eine Familie monatlich mit etwa 2340€ monatlich alimentiert. Und das ist noch knapp gerechnet.

    Rechnung für Ungarn aus?

    1. Eine Familie mit einem Verdiener erhält allein schon 500€ Kindergeld, das bei ihrer Beispielfamilie mit dem Bürgergeld verrechnet wird.

      Eine Fachkraft verdient durchschnittlich etwa 3500€, was ein Nettoeinkommen von mindestens 2612€ bedeutet. Plus die 500€ Kindergeld sind wir schon bei 3112€.

      Geht die Frau auch arbeiten, erhöht sich das Einkommen nochmal erheblich und die Familie kann sich ein Vermögen ansparen, ein Haus bauen oder ein neues Auto kaufen.

      Das kann ihre Schlaraffenland-Familie alles nicht. Die Kosten für Unterkunft und Heizung werden auch nur in angemessener Höhe übernommen.

      Dem Staat sollte zudem auch wichtig sein, dass Kinder in Verhältnissen aufwachsen können, die sie nicht völlig benachteiligen.

      In Orbans Ungarn sehe ich bei vielen Kindern leider eine extreme Benachteiligung.

      1. Kann eine “extreme Benachteiligung” mit Zahlen belegt werden ?

        Meine Nachbarn mit 3 kindern und auf der anderen Seite mit einem Kleinkind sind gut beinander:
        Solarstrom, Zentrale Heizung, schöne Inneneinrichtung. Bei dem jungen Ehepaar ist das alte Haus durch den Umzug in ein schönes Haus eingetauscht worden. Beide Familien fahren große Autos. Die Frau arbeitet jetzt, nachdem die Kinder beruflich erfolgreich sind, noch 2 Tage in der Woche. Warum soll sie auch zuhause bleiben ?
        Insgesamt macht die finanzielle Situationen bei der älteren und bei der jüngeren Familie einen soliden Eindruck.

        1. Nun. In Ihrer Nachbarschaft ist dies nicht verwunderlich.
          Und ihre Nachbarn hatten auch weit mehr von den Preisdiktaten profitiert, als Familien in kleinen alten Häusern ohne Autos.

          In einem wohlhabenden Stadtteil finden Sie keine armen Familien. Selbst wenn diese dort früher ein Haus besessen hatten, führten die steigenden Immobilienpreise dazu, dass sie wegzogen.

            1. Das kann man so einfach nicht sagen.

              Orban subventionierte z.B. das Beheizen einer großen Villa mit weit mehr Steuergeldern, als das einer Familiewohnung.
              Erst die (erzwungene) Deckelung führte zu einem Ausgleich.

              Wohngeld mildert in Deutschland die Verdrängung von Menschen mit niedrigem Einkommen.
              Es hat auch einen Einfluss, dass Mieten in Deutschland verbreiteter ist, als in Ungarn.
              So besitzen arme Familien in Ungarn zwar Wohneigentum, können aber die Instandhaltung oft nicht mehr finanzieren.
              Oder werden alte Häuser nur wegen des Baugrunds gekauft und die ehemaligen Besitzer gezwungen auf dem Land etwas zu erwerben.

  6. So einfach dürfen Sie es aber nicht sehen.

    Sie haben noch den Einfluss der Sonnenstunden aufs Gemüt der Bürger unterschlagen, der in Ungarn weitaus erwiesener ist, als in Deutschland. (Das ergab jedenfalls eine Studie britischer Forscher.)

    1. Das mag sein. Im trüber Wetter der Briten leidet das Gemüt wahrscheinlich mehr als in der Sonne der Puszta.

      Beziffern kann man es aber doch recht gut, wenn der Staat die Hälfte der Heizkosten für eine 250qm-Villa bezahlt. Dass dies dann mehr Steuergelder kostet, als die Subventionierung der Hälfte der Heizkosten einer 60qm-Wohnung dürfte rechnerisch belegen können.
      Sie 480HUF pro Liter waren für den SUV-Fahrer eine finanzielle Erleichterung, während der Vater, der mit dem Fahrrad zur Arbeit radelt, wenig davon hatte.

      1. Sie reiten Ihr Steckenpferd mit der subventionierten Heizkostenrechnung für die Villa am Ende noch zu Tode.
        Viel entscheidender ist stattdessen, dass die meisten Villen viel besser wärmegedämmt sind, als die Hütten der Armen. Glauben Sie doch nicht die Propaganda der Regierung, sie würde die Hälfte der Heizkosten “bezahlen”.
        Zum Automarkt: Es gibt heute 4,1 Mio. Zulassungen für Pkw, rund 1 Mio. mehr als vor zwölf Jahren, bei steigendem durchschnittlichem Lebensalter der Fahrzeuge. Es war sehr wohl eine Sozialmaßnahme der Orbán-Regierung, vielen Leuten ohne SUV, aber mit einem vom Pkw abhängigen Einkommen den Spritpreis zu subventionieren. Die Nebenwirkungen waren halt heftiger, als sich das der Krisenstab vorstellen wollte.

        1. Die Villa dient als veranschlichendes Beispiel.

          Das Problem besteht doch darin, dass das Gießkannenprinzip die Staatskassen so sehr geleert hat, dass nun keine Mittel mehr zur Unterstützung der Menschen mit niedrigem Einkommen mehr vorhanden ist.

          Die Fidesz-Maßnahmen hatten dazu geführt, dass gerade Menschen mit höherem Einkommen stärker profitiert hatten, als diejenigen, die wirklich auf staatliche Unterstützung angewiesen waren und sind.

          Wenn schon Gießkannenprinzip, dann wäre ein Zuschuss in gleicher Höhe für alle Bürger schlicht gerechter gewesen.

          Es wäre auch möglich gewesen, einen Fahrtkostenzuschuß von Firmen für die Mitarbeiter steuer- und abgabenfrei zu stellen.

          Preisfestschreibungen wie beim Benzin mussten letztlich zu Versorgungsengpässen führen und sparsames Verhalten verhindern. Im Gegenteil: Da der Eindruck entstandt, Sprit wäre billiger, war sogar mit einem Mehrverbrauch zu rechnen.

          Wenn ein Krisenstab nicht den Dialog mit Betroffenen, Kritikern und Experten sucht

            1. Mal eben den Menschen das Streikrecht nehmen – das kennt man von welcher Regierung?

              Sozialer Ausgleich und soziale Gerechtigkeit haben nichts mit Neid zu tun, sondern mit gesellschaftlicher Stabilität.
              Es waren die Arbeiterbewegungen, die den Satz hervorbrachten:
              “Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will”

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel