Wer mit wenig Strom auskommt, zahlt in Ungarn weiterhin nur 9 Cent/kWh. Foto: BZ / Jan Mainka

Energiepreise

Ungarn bleibt der Preisbrecher

Ungarns private Haushalte zahlten auch am Jahresende die wenigsten Eurocent in der EU für Strom und Gas.

Seit Jahren präsentiert das Energieamt MEKH die monatliche Vergleichsstatistik der Verbraucherpreise in den Hauptstädten der EU, von London und Belgrad. Wegen der liberalisierten Energiemärkte im Westen sind diese Statistiken, die in Zusammenarbeit mit Energie-Control Austria und der finnischen VaasaETT entstehen, in ihrer Aussagekraft eingeschränkt. Für Ungarn gelten derweil in der Grundversorgung landesweit einheitliche Tarife, die freilich seit der Korrektur der Politik der gesenkten Energiekosten im August zweigeteilt sind.

Zehnfache Spanne zu Stockholm

Unterhalb des im Sommer neu definierten „Durchschnittsverbrauchs“ zahlte ein ungarischer Haushalt im Dezember umgerechnet 2,48 Eurocent/kWh für das Gas. Dieser absolute Niedrigtarif für die gesamte EU gilt bis zu einem Jahresverbrauch von 63.645 MJ. Wer diesen Bedarfssockel um 20% überschreitet, zahlt bereits durchschnittlich 5,04 Eurocent und damit zumindest mehr als die Bürger von Belgrad (3,53 Cent/kWh), bzw. ähnlich viel wie die Bewohner von Warschau, Bratislava und Zagreb.

Die MTI-Graphik zeigt den monatlichen Gasverbrauch seit 2020, in TJ.

Den siebenfachen „marktkonformen“ Tarif über dem Durchschnittsverbrauch für sich genommen wäre das Gas noch immer in neun Hauptstädten teurer als in Ungarn. (Diesen Wert weist das MEKH allerdings nicht aus, was insofern nachvollziehbar ist, weil niemand ausschließlich den höheren Tarif bezahlt.) Stockholm ist mit einem Tarifanstieg um 31% (!) zum November mit 30,02 Cent neuer Spitzenreiter am europäischen Gasmarkt, gefolgt von Amsterdam und Wien (28,01 Cent). Dahinter rangiert schon Prag (22,77 Cent), knapp vor Berlin (21,97 Cent).

Preisvorteil beim Strom auch gewaltig

Beim Strom sind die Serben nicht zu schlagen, die mit 8,47 Cent/kWh auskommen. Hierzulande liegt der gestützte Strompreis bei 9,02 Cent, 20% oberhalb des Jahresverbrauchs von 2.523 kWh sind es durchschnittliche 10,40 Cent. Den marktkonformen Tarif ohne Vergünstigung ansetzend würden die Ungarn etwa so viel wie die Bürger in Warschau und Ljubljana für den Strom bezahlen. Im Dezember verteuerte sich Elektroenergie am meisten in Helsinki (+23%), das aber immer noch im Mittelfeld angesiedelt ist. Europäische Spitzenreiter sind derweil Brüssel, wo der Strom 54,44 Cent/kWh kostet, und nur knapp dahinter Prag und Kopenhagen. Aber auch in Rom, Berlin, Amsterdam und Dublin kostet die Kilowattstunde Energie über 50 Eurocent.

Gasverbrauch um ein Drittel gedrosselt

Unbeeindruckt von den im europäischen Maßstab weiterhin niedrigen Gaspreisen in der Grundversorgung ist der Inlandsbedarf in der laufenden Heizsaison bislang ausgesprochen niedrig. Die vorläufigen Daten des Energieamtes zeigen für die Monate Oktober und November einen Rückgang des Verbrauchs um ein Drittel. Neben dem Spareffekt infolge der milden Witterung dürfte ein gedrosselter Verbrauch der industriellen Großabnehmer und sonstiger Gewerbe hinter dieser Erscheinung stehen. Denn für viele gewerbliche Kunden brachte das neue Gaslieferjahr ab Oktober extrem höhere Preise mit sich, was sich negativ auf die wirtschaftlichen Aktivitäten auswirken wird.

6 Antworten auf “Ungarn bleibt der Preisbrecher

  1. Das sind schon die absoluten Zehlen. Diese Statistik stimmt, hinkt aber an mehreren Fakten. Erstens das Lohnniveau. Zweitens werden die fehlenden Einnahmen der niedrigen Strom und Gaspreise, welche durch Subvention des Staates so niedrig sind, anderweitig abkassiert ! Andererseits, hat dies auch den positiven Effekt, dass eben viel mehr bewusst verbrauchtm und somit gespart wird.

  2. Das Energieamt gab früher parallel Vergleichszahlen heraus, die kaufkraftbereinigt waren. Leider gibt es diese Statistik derzeit nicht.
    Die (Umsatz-) Steuer ist sicher in allen Ländern unberücksichtigt.

    1. Richtig! Man muss nun schritt für Schritt umstellen. In den vergangenen Jahren gab es in H nur wenige Gebäudesanierungen, die eine energetische Sanierung umfassten. (Mal abgesehen von den zahlreichen Prestigeobjekten). Zwar kann mal viele Gebäudefassaden historischer Bauten nicht mit WDVS zuklatschen, jedoch bietet sich oftmals eine feste mineralische Innendämmung von 6 bis 8 cm an. ZB System Multipor von Xella. Ist viel besser als nix. In jedem Falle sollte hier ein Bauphysiker noch mit der Berechnung des Taupunktes beauftragt werden – inklusive vorheriger Analyse des Wandmaterials/Altbauten.
      Da, wo Außendämmungen mit WDVS (Wärmedämmverbundsystem) möglich sind, sollten nichtbrennbare, also mineralische Dämmung mit Putzen verwendet werden. Und bevor man dichte neue Fenster einbaut, sollte man sich im klaren sein, dass die Räume eine technische Belüftung benötigen, da die Leute wenig lüften (Schimmel) ZB Aereco Zuluftelemente, die auf die Fensterrahmen montiert werden, bieten sich an.

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