Außenhandel
Überschuss in Gefahr
Mit Dienstleistungen konnte das Land im IV. Quartal 2021 demnach einen Überschuss von gut 1,4 Mrd. Euro erzielen – nochmals 380 Mio. Euro mehr, als am Jahresende 2020. Im Gesamtjahr 2021 ergab sich ein positiver Saldo von mehr als 5,7 Mrd. Euro. Dieser rangiert zwar 830 Mio. Euro über dem Dienstleistungsplus, das ungarische Exporteure im Jahr der Corona-Krise herausholen konnten. Zum Rekordüberschuss aus dem letzten Friedensjahr 2019 fehlen aber immer noch mehr als 2,3 Mrd. Euro. Die wichtigsten Dienstleistungspartner sind Deutschland, die USA und Österreich. Die Dienstleistungsexporte summierten sich in 2021 auf 22,2 Mrd. Euro (+10%), die Importe auf 16,5 Mrd. Euro (+7%).
Im Handel mit Waren brachte Ungarn 2021 – wie bereits berichtet – eine Ausfuhrleistung von insgesamt 119,3 Mrd. Euro (+13,6%) oder 42.780 Mrd. Forint (+16,2%) zustande. Die Einfuhren nahmen dynamischer um 18,2% auf 117,4 Mrd. Euro bzw. sogar um 20,8% auf 42.100 Mrd. Forint zu. Das führte zu einer groben Drittelung des Überschusses auf 1,9 Mrd. Euro oder 680 Mrd. Forint. Über das Gesamtjahr hinweg gab der Forint 2,1% zum Euro nach, erstarkte derweil um 1,5% zum Dollar – im Dezember musste derweil ein Wertverfall von einem Zehntel zum Dollar konstatiert werden.
Für den Dezember nahm das KSH eine drastische Korrektur der ersten Schätzung vor. Dabei wurden die Exportzahlen leicht nach unten, die Importzahlen markant nach oben korrigiert. Im Ergebnis ergab sich ein Negativsaldo von 380 Mio. Euro, nochmals 565 Mio. Euro unter dem ersten Schätzwert! Seit 2008 war 2021 das 13. Jahr in Folge, in dem Ungarn eine positive Handelsbilanz vorweisen konnte. Zuvor bewegten sich die Überschüsse jedoch um jährlich 6 Mrd. Euro, mit einem Spitzenwert von annähernd 10 Mrd. Euro in 2016. Im vergangenen Jahr sorgten vor allem die explodierenden Energiepreise dafür, dass die scheinbar selbstverständlichen Überschüsse nun wieder in Gefahr geraten.
