Die Frage Ungar oder Gastarbeiter stellt sich auch im Baugewerbe immer häufiger. Foto: BZ/ Jan Mainka

Arbeitsmarkt

Mehr als nur trügerische Hoffnung

Das Wirtschaftsministerium weist Unterstellungen linksliberaler Medien zurück, einheimische Arbeitskräfte würden im großen Stil durch Gastarbeiter ersetzt.

„Wir aktivieren die einheimische Arbeitsmarktreserve, denn für uns stehen die ungarischen Arbeitskräfte an erster Stelle“, reagierte das Fachressort auf mehrere Artikel von hvg.hu. Darin hatte das regierungskritische Portal beanstandet, dass es der Orbán-Regierung weder gelinge, die auf 300.000 Personen geschätzte Arbeitsmarktreserve zu aktivieren, noch die hohe Arbeitslosigkeit im ländlichen Raum des Nordostens Ungarns zu senken. Zwar würden in weiten Landesteilen Arbeitskräfte fehlen, in Szabolcs und Borsod aber liege die Erwerbslosenquote stabil über 7%, in Nógrád sogar bei 11%. Deshalb sei die gern wiederholte Darstellung des Ministerpräsidenten, in Ungarn könne jeder, der wolle, arbeiten, in diesen zurückgebliebenen Gegenden „nicht mehr als eine trügerische Hoffnung“.

Kein Zwang für Ältere

Demgegenüber betont das Wirtschaftsministerium, es liege im nationalen Interesse, alle arbeitsfähigen Menschen in den Wirtschaftskreislauf einzubeziehen. Dazu gehören auch die älteren Arbeitskräfte und Personen im Ruhestand, die sich weiter am Arbeitsmarkt nützlich machen wollen. Das würde schon allein die demographische Entwicklung gebieten. Allein 2024 erhielten knapp 3.000 Arbeitnehmer ab 55 Jahren staatliche Zuschüsse für ihre Weiterbeschäftigung. Während Ungarn bei der Beschäftigungsquote mittlerweile auf Platz 5 in der EU vorgerückt ist, liegt es hinsichtlich der Arbeitnehmer ab 65 Jahren aufwärts nur auf Platz 14, mit einer spezifischen Quote von 7,5%. Während hvg.hu diese Arbeitsform verächtlich beschreibt, stehe es den älteren Bürgern vollkommen frei, ob sie weiter im Arbeitsleben verbleiben oder dorthin zurückkehren bzw. ihre wohlverdienten Rentenjahre genießen.

Strengere Regeln für Gastarbeiter

Der Einsatz von Gastarbeitern in den Betrieben sei eine strenge Regeln geknüpft. In jedem Fall braucht es die Zustimmung der Behörden, die nur erteilt wird, wenn am gegebenen Standort keine einheimischen Fachkräfte in der gewünschten Anzahl zur Verfügung stehen. Jedes Arbeitsvisum ist zeitlich befristet, so dass die Gastarbeiter nach wenigen Monaten oder Jahren in ihre Heimat zurückkehren. Während hvg.hu von einem dramatischen Anstieg der Zahl der Gastarbeiter auf mehr als 100.000 Personen schreibt, sei ihre Gesamtzahl im I. Halbjahr in Wirklichkeit um 3% zurückgegangen – als direkte Folge einer strengeren Modifizierung der Reglements für Gastarbeiter. Dazu gehört der Ausschluss jener Entsendestaaten, die nicht bereit sind, mit Ungarn Abkommen bezüglich der Rücknahme von Arbeitsmigranten zu schließen. Das Ressort verweist auf den Umstand, dass die seit 2010 auf zuletzt 315.000 Personen mehr als halbierte Arbeitsmarktreserve zu ungefähr zwei Dritteln aus registrierten Arbeitslosen besteht. Diese bei den Arbeitsämtern registrierten Personen müssten von den Unternehmen zuerst einbezogen werden, ehe Gastarbeiter aus Drittstaaten für die Arbeitsverrichtung in Frage kommen können.

Der Anteil von Gastarbeitern an allen Beschäftigten erreicht in Ungarn hinsichtlich der Drittstaaten 2,8%, einschließlich Arbeitnehmern aus dem EWR rund 3%. Das ist der niedrigste Wert in der Visegrád-Gruppe (V4): in der Slowakei sind es zum Vergleich 4,5%, in Polen 7%, in Tschechien 16%. Ungarn habe seit 2010 eine erfolgreiche Wende am Arbeitsmarkt vollzogen. Das Ministerium erinnert daran, dass die Erwerbslosenquote vor 2010 in Szabolcs nahe an 20% rangierte, während es in Nógrád und Borsod jeweils mehr als 15% waren.

4 Antworten auf “Mehr als nur trügerische Hoffnung

  1. Na sobald die Linke Macht hat sind doch die Grenzen weit auf…Leider ,wie in der BRD wollen die die kommen oft gar nicht und die Einheimischen, da nicht gepimpert, müssen arbeiten. Von den geistigen Fähigkeiten derer ,die da kommen werden, mal ganz zu schweigen.

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  2. Die rein theoretische Sichtweise der Gutmenschen hat mich in Deutschland schon immer gestört. Dass es unter den Arbeitslosen riesige Unterschiede gibt, lassen die Gleichmacher gerne aus den Augen.
    Willkürliches aber plakatives Beispiel: Wenn Pfälzer Weingüter gerade einen großen Bedarf an jungen Kellermeistern haben, nützt es ihnen wenig, wenn durch eine Betriebschließung in Bayern oder Westfalen eine vergleichbar große Zahl an erfahrenen Bierbrauern auf den Arbeitsmarkt geschwemmt wurde. Auch in Ungarn dürfte es regional derartige Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage geben, die einen Blick über die Staatsgrenzen hinaus notwendig machen.

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