DWC Ungarn / Ukraine-Krieg
Logistik unter erneutem Druck
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Immerhin hat Ungarn auf diesem Gebiet in den letzten Jahren enorm viel unternommen und ist allein schon auf Grund seiner geografischen Lage wie geschaffen dafür, in der Region als Drehscheibe zu fungieren.
Die Hoffnung bleibt
Allein die jüngsten Entwicklungen in Ungarns östlichem Nachbarland könnten die weitere Entwicklung in dieser Richtung gewaltig ausbremsen und vielleicht sogar zurückdrehen. Die Hoffnung, dass alles doch nicht so schlimm kommt, wie es momentan aussieht, ließ den DWC zumindest an dem Thema festhalten, das noch vor Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine bestimmt worden war, die Referenten wiederum an ihren „Vorkriegspräsentationen“.
Dabei war natürlich allen klar, dass bei einem längerfristigen Totalausfall von Russland und der Ukraine viele der an diesem Abend geäußerten Pläne nur noch Makulatur sind. So etwa das von Staatssekretär László Mosóczi (Innovationsministerium) vorgetragene Eisenbahnprojekt V0, das in Analogie zur Autobahn M0 eine weiträumige Umgehung von Budapest vorsieht. Da das Projekt jedoch von der Annahme großer und weiterhin wachsender Ost-West-Güterströme ausgeht, die Ungarn in Längsrichtung durchqueren, könnte ein Verebben dieser Ströme das Ganze in Frage stellen.
Landverbindung zwischen Fernost und Europa gefährdet
Ebenso fraglich wären mit einem Mal auch all die China-Europa-Verbindungen auf dem Landweg. Schließlich sei die nördliche Verbindung ohne Russland und die Ukraine nicht darstellbar, unterstrich Dr. Philipe Reinisch, Gründer der Plattform Silkroad 4.0 (Wien).
Die südlichen Landverbindungen hätten hingegen bei weitem nicht die Kapazität, größere Gütermengen zu transportieren. Ein anhaltender totaler Wirtschaftskrieg gegen Russland würde also letztlich dazu führen, dass die Pläne, Fernost und Europa auf dem Landweg zu verbinden, mehr oder weniger begraben werden müssten.
Es bliebe dann nur der zeitlich etwa doppelt so lange Seeweg durch das Nadelöhr Suez-Kanal, dessen Zuverlässigkeit aber spätestens seit der Ever Given-Havarie einen gehörigen Dämpfer bekommen hat. Und natürlich sind Schiffe gegenüber der Bahn auch mit Blick auf die Schadstoffemissionen keine optimale Alternative.
„Ohne die Bahn geht es nicht!“
Generell ist Thomas Schleife, Berater der TRANSCO Berlin Brandenburg GmbH, die über die Tochter Invictus seit einiger Zeit auch in Ungarn aktiv ist, der Meinung: „Ohne die Bahn geht es nicht!“ Insbesondere, weil nicht noch mehr Transportverkehr auf die Straße verlagert werden könne. „Jetzt rächt es sich, dass sowohl Deutschland als auch Ungarn den Ausbau und die Modernisierung des Schienennetzes jahrelang vernachlässigt haben.“ Ohne einen wachsenden Anteil von Schienentransporten werde sich jedoch unser gegenwärtiges Wohlstandsniveau nicht halten lassen, ist Schleife überzeugt.
Bezüglich der Landverbindung zwischen Europa und Fernost ist er überzeugt, dass sie wiederkommen werde. Es sei keine Frage des „ob“, sondern nur des „wann“. Die Landverbindung sei dermaßen wichtig für China, dass er davon ausgehe, China werde seinen ganz Einfluss auf Russland geltend machen, um das Gigaprojekt Neue Seidenstraße beziehungsweise die „Belt and Road-Initiative“ wieder vorantreiben zu können.
