Die MTI-Graphik zeigt die Entwicklung des Einzelhandelsvolumens in den letzten drei Jahren (identischer Vorjahresmonat = 100).

Einzelhandel

Kein Geld mehr da für Lebensmittel

Beim Privatverbrauch ist die Krise nicht mehr zu übersehen: Die Konsumausgaben des täglichen Bedarfs fielen im Oktober um mehr als 5% unter Vorjahresniveau.

Laut Zentralamt für Statistik (KSH) ist der Einzelhandel nach Jahren des dynamischen Aufschwungs in Stillstand getreten. Das Einzelhandelsvolumen lag im Oktober nur noch um 0,6% über dem Basiswert von 2021. Abgesehen von den absurd anmutenden +20%, die der Kraftstoffhandel aus den bekannten Gründen Monat für Monat fabriziert, verzeichnet der Handel zu weiten Teilen rückläufige Zahlen. Das Lebensmittelsegment kann die im vorigen Jahr aufgelegte Latte seit Juni nicht mehr meistern, die im Oktober vorgelegten 94,4% sind dabei jedoch ein trauriger Tiefpunkt. In den eigentlichen Lebensmittelgeschäften übersteigt das Minus sogar 7%, die auf den Verkauf von Zigaretten spezialisierten Trafiks liegen nun mit 1% ebenfalls im negativen Bereich. Ebenso wie das große Nonfood-Segment, weil sich die Ungarn beim Kauf von Möbeln, Haushaltstechnik, Computern, Bekleidung und Schuhen, Kosmetik und Medikamenten gleichermaßen zurückhalten. Einzig Gebrauchtwaren und Industrieartikel boomen noch, sogar Onlinehandel und Paketversand gingen im Volumen um mehr als 1,5% zurück.

Zu laufenden Preisen setzte die Branche im Oktober 1.520 Mrd. Forint um, wovon ein knappes Fünftel auf die Tankstellen entfällt. Im Schnitt der ersten zehn Monate des Jahres ergibt sich noch ein Volumenzuwachs um 7%, dank des zweistelligen Polsters aus dem Zeitraum Februar-Mai. Ein solches Polster konnte sich der Lebensmittel-Einzelhandel freilich nicht zulegen, der zwischen Januar und Oktober in den roten Bereich abgerutscht ist (-0,2%), verglichen mit einem Plus von 7,6% für das Nonfood-Segment und einem weniger gesunden Wachstum des Kraftstoffhandels um 26,1%. Die Aussichten sind trist, denn Stimuli von oben kann sich der Staat nicht mehr leisten, die Bürger aber werden mit einer verheerenden Inflation konfrontiert. Diese könnte bis Jahresende auf 25% anschwellen, die Lebensmittel für sich genommen verteuern sich sogar um die Hälfte.

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