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Zinserhöhungen

Kein Ende in Sicht

Der Leitzins ist am Dienstag bei 10,75% angelangt.

Die Zinsen sind so hoch wie zuletzt Ende 2008. Die Notenbank will auch künftig entschlossen gegen den sinkenden Geldwert vorgehen.

Nach Ansicht des Währungsrates der Ungarischen Nationalbank (MNB) ist eine weitere deutliche Anhebung des Leitzinses gerechtfertigt. Die MNB sei weiterhin bereit, schnell und flexibel zu reagieren, wenn dies durch kurzfristig steigende Risiken an den Geld- und Rohstoffmärkten begründet ist. Der Währungsrat hat am Dienstag den Leitzins um weitere 100 Basispunkte auf 10,75%, den Tages-Einlagenzins auf 10,25% sowie die Zinsen für einwöchige gedeckte Kreditinstrumente auf 13,25% angehoben. Der Zinserhöhungszyklus wird so lange fortgesetzt, bis sich die Inflationsaussichten nachhaltig auf dem Zielwert der MNB stabilisiert haben.

Gegensätzliche Effekte

Es wird erwartet, dass die Inflation bis Ende 2023 in den Toleranzbereich der Notenbank zurückkehrt und in der ersten Jahreshälfte 2024 das 3-Prozent-Ziel erreicht. In der Begründung nach der Zinsentscheidung heißt es, dass die Erstrundeneffekte der Kriegsspannungen abklingen, die externe Inflation sich abschwächt, die inflationären Auswirkungen der im Juni angekündigten Steuermaßnahmen nachlassen und die MNB proaktive Maßnahmen ergreift. Der Ukraine-Krieg, eine mögliche neue Corona-Welle, die hohen Rohstoffpreise und die nach wie vor fragilen Lieferketten erhöhen das Risiko einer Rezession in der Weltwirtschaft. Die jüngsten Bewegungen an den Finanzmärkten sowie die Auswirkungen der anhaltend hohen Rohstoff- und Energiepreise und die verschärfte Dürresituation in Europa deuten wiederum auf eine lang anhaltende hohe externe Inflation hin.

Modifizierte Energiekosten heizen Inflation ein

Die Korrektur der Energiekosten für Privathaushalte ab 1. August wird die Inflation mindestens ein Jahr lang weiter ankurbeln, den gegenwärtigen Berechnungen zufolge um 3 Prozentpunkte, erklärte MNB-Vizepräsident Barnabás Virág. Im Juni 2022 betrug die Inflationsrate 11,7% und die Kerninflation 13,8%. Die mittlere Jahresinflation könnte sich bei 13-14% bewegen. Der Anstieg der Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise schlägt weiterhin rasch auf die Verbraucherpreise durch. Es wird erwartet, dass die Preisdynamik in den Herbstmonaten ihren Höhepunkt erreicht und danach langsam nachlässt.

Das Wachstum der ungarischen Wirtschaft hat sich verlangsamt, gleichwohl ist die Jahresdynamik weiterhin lebhaft. Im I. Quartal wuchs die Wirtschaft noch um gut 8%, im II. Quartal schätzungsweise um 6%. Seit Juni sind jedoch deutliche Anzeichen einer abgebremsten Konjunktur zu erkennen. Der Währungsrat prognostiziert einen BIP-Anstieg von 4,5-5,5% für dieses Jahr, von 2-3% für 2023 und von 3-4% in 2024.

5 Antworten auf “Kein Ende in Sicht

  1. Mit einer Leitzinserhöhung will man die Kreditvergabe der Banken (Geldschöpfung) verringern oder umkehren und Inflation bekämpfen. In den USA hat bisher jeder Zyklus einer Leitzinserhöhung mit einer Rezession geendet. Auch dieser wird keine Ausnahme sein. Solche Zinsen wie jetzt in Ungarn hatte man in den USA in den letzten 50 Jahren nur einmal und zwar unter Paul Volcker als FED Präsident, als die Inflation zweistellige Werte erreicht und die Wirtschaft und das soziale Gefüge zu sprengen drohte. Er löste mit diesen Leitzinsen die schlimmste Rezession nach dem zweiten Weltkrieg in den USA aus. Damit ist auch klar, jedes Land ist – jedenfalls teilweise – selbst für eine Rezession verantwortlich. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass man wie in der Türkei die Inflation laufen lässt. Hier beträgt die Quote aktuell 80%. Die Geldumlaufgeschwindigkeit ist dort atemberaubend. Und wer leidet darunter? Nicht die reichen Türken, sondern die, die schon vorher zu wenig hatten.

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    1. Inflation in Deutschland im zweiten Monat In Folge auf 7,5 % gefallen.

      Wie ich bereits in einem anderen Artikel vermutet habe, hat die Inflation seine Dynamik vorübergehend verloren. Aber ich gehe davon aus, dass diese Dynamik im Jahr 2023 wieder voll anspringt.

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  2. Es ist letztlich das gebremste Wirtschaftswachstum, welches die Zinserhöhungen mit sich bringt, das die Inflation senkt.

    Es ist auch nicht die externe Inflation, die Ungarn solch hohe Preissteigerungen beschert, sondern zu großem Teil die Fehler der Orban-Regierung.
    Wie kann man nur in einer Phase wieder stark anziehender Konjunktur nach der Corona-Krise Geld unters Wahlvolk werfen, das die Nachfrage zusätzlich antreibt. Das ist wie wenn man Benzin ins Feuer gießt.
    Hinzu kommt, dass die Wahlgeschenke auch noch schuldenfinanziert waren, was sich in vielfacher Weise negativ auswirkte.

    Und nun haben die Ungarn neben steigenden Preisen auch noch mit steigenden Zinsen zu kämpfen.

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  3. Aktuell verstärken sich zwei Faktoren:
    1. Das starke Nachfragewachstum nach der Corona-Krise, welches auf ein durch Lieferengpässe gebremstes Angbot stößt.
    2. Die schnelle Umstellung der Energieversorgung und die Angst vor einem Lieferstopp bei russischem Gas. Nun wird letztlich fast schon zu jedem Preis Gas gekauft, um die Speicher zu füllen.

    Ist der kommende Winter überstanden, entspannt sich die Lage.

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