Das angekündigte Ende der Zinserhöhungen stärkt den Forint nicht gerade. Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Forintschwäche

Historisches Tief auf breiter Front

Während die MNB den Einlagenzins an den Leitzins anpasste, erlebte der Forint einen schwarzen Donnerstag.

Erwartungsgemäß hat die Ungarische Nationalbank (MNB) am Donnerstag den Einlagenzins auf 13% angehoben. Damit befindet sich auch diese lange Zeit als effektiver Leitzins wirkende Fazilität wieder im Einklang mit dem am Dienstag um überraschende 125 Basispunkte hochgeschraubten Hauptfinanzierungssatz. Die MNB hatte für weitere Verblüffung gesorgt, als ihr Präsident György Matolcsy erklärte, der Zyklus der Zinserhöhungen sei damit abgeschlossen. Binnen 15 Monaten stieg der Leitzins um insgesamt 1.240 Basispunkte. Die Geldpolitik soll nun anderweitig gestrafft werden, hauptsächlich über eine eingeengte Liquidität. Ob das reicht, scheinen die Märkte den ungarischen Währungshütern vorerst nicht abzunehmen: Der Forint fiel am Donnerstag auf neue historische Rekord-Tiefs zum Euro (423,93 Forint) und zum Dollar (437,40 Forint) sowie zum Schweizer Franken (444,94) durch.

Inflationsspitze bei 20-22% erwartet

Im aktualisierten Inflationsbericht malt die MNB ein düsteres Bild von der ungarischen Wirtschaft. Die mittlere Inflation wird im laufenden Jahr um 2-2,5 Prozentpunkte höher erwartet, als noch im Juni. Allein die Dürre hebt den Preisindex um mehr als einen Punkt an, die geringe Produktivität der Nahrungsmittelindustrie verstärkt zudem den Preisdruck. Für 2023 mussten die Experten das erwartete Teuerungsintervall gar um 4,5-5 Punkte anheben, die Inflationsrate wird demnach ein weiteres Jahr lang nicht aus dem zweistelligen Bereich zurückkehren. Die Inflationsspitze wird nun vor dem Jahresende bei 20-22% erwartet, von wo die Rate bis Jahresmitte 2023 langsam auf 18-16%, anschließend aber beschleunigt bis auf 10-8% zum Jahresende fallen könnte.

Höhere Lohnzuwächse im Wettbewerbssektor

Das Wachstum wird im II. Halbjahr kaum noch positiv erwartet: Für das Gesamtjahr halbierte die MNB den BIP-Zuwachs auf 3-4%, nach gut 7% im I. Halbjahr. Die Inflation wird bis Jahresende vor allem infolge externer Faktoren weiter steigen, worauf die Geldpolitik der MNB kaum Einfluss nehmen kann. Die globalen Rezessionsängste werden ab 2023 jedoch für sinkende Rohstoff- und Energiepreise sowie Transportkosten sorgen. Das Defizit der Leistungsbilanz erreicht in diesem Jahr 7,7-8,7% am BIP und bleibt auch 2023 markant – von einer Halbierung wie im Sommer erhofft kann keine Rede mehr sein. Die Zahlungsbilanz könnte derweil von mius 6-7% in diesem auf minus 3,5-4,7% im kommenden Jahr korrigieren. Die MNB traut der Regierung im Moment noch zu, das Haushaltsdefizit bei den vorgesehenen 6,1% für 2022 und 3,5% für 2023 halten zu können.

Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Die Bruttolöhne sollen in diesem Jahr um 16,5-17% steigen, in 2023 aber nur noch halb so schnell. Im Wettbewerbssektor, der 2022 hinterherhinkte, werden dabei deutlichere Lohnerhöhungen erwartet, die im kommenden Jahr immerhin 9,5-10,5% erreichen könnten. Die in diesem Jahr um knapp 2% ausgeweitete Beschäftigung wird darunter leiden, aber im Großen und Ganzen stagnieren. Die spezifischen Arbeitskosten der Wettbewerbssphäre steigen in diesem Jahr um ca. 9%, 2023 aber höchstens noch um 1-2,5%. Die Bevölkerung wird den Zuwachs an Realeinkommen, den sie 2022 realisieren konnte, 2023 gleich wieder verlieren.

3 Antworten auf “Historisches Tief auf breiter Front

  1. Das aktuelle Beispiel Truss zeigt recht deutlich, welche Auswirkungen eine verfehlte Politik haben kann.
    Ihre Pläne hatten zum Absturz des britischen Pfund geführt.

    Die Billanz der Orban-Regierung ist ebenso schlecht:

    Der ungarische BUX-Index schneidet in diesem Jahr als einer der schlechtesten unter den weltweiten Aktienindizes ab und ist auf dem Weg, sein schwächstes Jahr seit der Finanzkrise zu beenden.

    Der Forint ist in diesem Jahr eine der am schlechtesten abschneidenden Währungen gegenüber dem Dollar.

    Dies kann man bei portfolio.hu nachlesen.

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