Forint-Krise
Heftiges Auf und Ab am Donnerstag
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Anfänglich half aber nicht einmal die radikale Anhebung des maßgeblichen Einlagesatzes um 200 Basispunkte. Wie lange die Ruhepause halten wird, lässt sich nicht sagen.
Am Donnerstagmorgen hielt eine im Grunde bemerkenswerte Ankündigung der Ungarischen Nationalbank (MNB) den Forint nicht einmal zehn Minuten (!) über Wasser. Wie am Mittwochnachmittag bereits vorab verkündet, wurde der Einlagesatz für die Auktion am Donnerstag „radikal“ heraufgesetzt, genau um 200 Basispunkte, auf 9,75%. Doch an Stelle der erhofften Stabilisierung rauschte der Wechselkurs wieder bis auf 415 Forint zum Euro durch.
Schwachpunkte des Landes bestens bekannt
Erst als sich Ministerpräsident Viktor Orbán und Kanzleramtsminister Gergely Gulyás in den Mittagsstunden zu Wort meldeten, traten die Spekulanten den Rückzug an. Dabei legte der Ministerpräsident die Betonung in seiner Kommunikation auf Verhandlungsfortschritte mit der EU. Der Kanzleramtsminister wurde auf der Regierungspressekonferenz verständlicherweise zum Thema Forint von den Journalisten „gelöchert“. Gulyás fand nach den gewohnten Allgemeinplätzen, wonach dem Forint erst ein Friedensschluss im Nachbarland helfen könne, zu klaren Worten.

So stellte er endlich klar, es liege nicht in der Absicht der Regierung, den Forint zu schwächen. Man sei sich über die negativen Auswirkungen für Inflation und Zahlungsbilanz im Klaren. Zugleich verwies der Minister auf die Schwachpunkte des Landes (Energieabhängigkeit und relativ hohe Staatsschulden), derer man sich ebenfalls sehr wohl bewusst sei. Man arbeite an einem diversifizierten Energiebezug und an einer Übereinkunft mit der Kommission. Gulyás betonte aber zugleich, die Finanzierung des Staates sei auch ohne Gelder aus Brüssel gesichert. Über den schwachen Forint sei die Regierung alles andere als glücklich, die aber alles in ihren Kräften Stehende unternehme, um die negativen Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu dämpfen.
Leitzins steigt am Dienstag außer der Reihe
Auf diese klaren Ansagen von Seiten der Politik folgte am Nachmittag ein weiterer „unorthodoxer“ Paukenschlag von Seiten der MNB. Diese wird den Leitzins bereits am kommenden Dienstag auf das Niveau des Einlagesatzes anheben. Bekanntlich hält der Währungsrat der Notenbank wöchentlich eine Sitzung ab, bestimmt aber gewöhnlich nur einmal im Monat den aktuellen Leitzins.
Diese Routine wird nun durchbrochen, um nach der außergewöhnlichen Zinsanhebung vom Donnerstag die beiden maßgeblichen Sätze wieder anzugleichen. Damit klettert auch der Leitzins auf ein Niveau von 9,75%, woraufhin sich automatisch der Zinskorridor nach oben verschiebt. Ohne diese Maßnahme hätte die MNB technisch in der kommenden Woche gar keine Möglichkeit mehr besessen, beim Einlagesatz auf Verwerfungen am Markt zu reagieren. Sollte der Forint weiterhin keinen Halt finden, kehren also bereits Mitte Juli zweistellige Zinsen zurück. Damit hat die MNB ein klares Bekenntnis erbracht, der Inflation den Kampf anzusagen, die durch den rekordschwachen Forint zusätzlich hochgeturnt würde.
13 Einheiten zurückgewonnen
Leider zeigte der Anleihemarkt am Donnerstag, dass diese Maßnahmen im Moment wohl unvermeidlich sind, selbst wenn die Konjunktur nun brutal abgewürgt wird. Die Auktion für Staatsanleihen fand kaum noch Liquidität, die Erträge steigen unaufhörlich. Analysten erwarten die Spitze der Leitzinserhöhungen mittlerweile bei 13% – vor drei Monaten wollte es die MNB bei max. 7% bewenden lassen. Immerhin fand der Forint am Donnerstagabend ein wenig Ruhe: Vom gegen 10 Uhr verzeichneten Tagestief erstarkte die einheimische Währung um 13 Einheiten gegen den Euro und kehrte unter 403 Forint auf jenes Niveau zurück, von dem aus zu Wochenbeginn der unschöne „Gipfelsturm“ einsetzte.
