Forint
Der schwache Forint lässt die Inflation hochschnellen. Foto: BZT/ Jan Mainka

Forint-Schwäche

Schwelle von Dreihundertsiebzig passiert

Der Forint ist am Montag zum historischen Tiefflug angetreten.

Bereits am Morgen kostete ein Euro mit 370,23 Forint so viel wie nie zuvor. Der Schweizer Franken markierte ebenfalls ein neues Rekordniveau.

Rekord vom 1. April 2020 überboten

Seit dem 1. April 2020 galten 369,87 Forint als offizieller Euro-Rekord und 350,09 Forint als Allzeithoch für den Schweizer Franken. Im Falle dieser beiden Leitwährungen wurde der schwarze Tag aus der Zeit der ersten Notstandslage während der Corona-Krise nun zu einer Zwischenstation, denn der Forint ist mal wieder im Sinkflug begriffen.

Gegen die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 370 Forint eine wichtige Marke knapp genommen. Im Tagesverlauf korrigierte der Forint zwar unter 369, doch war diese Erholung nur von kurzer Dauer: Bei Redaktionsschluss am Abend passierte die heimische Währung bereits das Niveau von 370,25 zum Euro. Noch dramatischer verlor der Forint gegen den Schweizer Franken an Boden; bei 353,85 Forint wurde am Nachmittag der neue Tiefpunkt verzeichnet.

Beim US-Dollar ist der Allzeitrekord von 341,33 Forint noch nicht in Gefahr. Allerdings bedeuten die am Montag verzeichneten 329,50 Forint, dass der Dollar allein seit Anfang November um 5% (!) erstarkte und seit Jahresbeginn um rund 10% zulegen konnte. Gegenüber dem Schweizer Franken wertete der Forint seit Jahresbeginn um rund 5% ab, gegenüber dem Euro lediglich um 1,7%.

Prag führt Budapest vor

Keine Frage, dass der Forint im jetzigen internationalen Umfeld nicht alleine leidet: Der Dollar erstarkt global. Das Beispiel der tschechischen Krone zeigt jedoch, dass die ungarische Position innerhalb der Region nicht sonderlich robust ist. Denn Prag konnte die Krone gegenüber dem Euro immer noch stärken – um rund 3% seit Jahresbeginn.

Zwar hatte die Ungarische Nationalbank (MNB) wegen der steigenden Inflation als erste Notenbank der Region bereits im Juni begonnen, den Leitzins systematisch zu erhöhen. Die Zinserhöhungen um 15-30 Basispunkte monatlich erwiesen sich aber als zu schwerfällig, zumal die Inflation ähnlich schnell anzog.

Die Tschechen hoben ihren Leitzins in nur vier Schritten auf 2,75% – zuletzt wurde dieser auf einen Schlag um 125 Basispunkte heraufgesetzt. Die MNB reagierte, indem sie den flexibleren Einlagenzins auf 2,5% anhob, also um aktuell 40 Basispunkte über den ursprünglichen Leitzins.

Ende des goldenen Zeitalters des Schuldenmachens zum Nulltarif

Der schwache Forint ließ die Inflation im Oktober auf 6,5% hochschnellen, die Spitze der Teuerung wird nun jenseits von 7% erwartet. Die Orbán-Regierung regierte mit einem Preisdiktat für Kraftstoffe an den Tankstellen, um wenigstens einen Preistreiber vorübergehend zu neutralisieren.

Die Kreditnehmer werden nicht nur die höheren Preise schlucken müssen, auch ihre Tilgungsraten steigen demnächst spürbar. Der maßgebliche Interbankenzins BUBOR bewegt sich mittlerweile um 3% und hat dabei rasant zugelegt: im Falle des 3-Monats-Zins um ca. 120 Basispunkte, beim sechsmonatigen Zins um mehr als 200 Basispunkte, beim 12-Monats-BUBOR um 220 Basispunkte zum jeweiligen Referenzzeitpunkt.

Auch für den Staat ist das goldene Zeitalter des Schuldenmachens zum Nulltarif definitiv vorbei. Die Schuldenzentrale ÁKK registrierte am Montag für mehrjährige Staatsanleihen Ertragsniveaus um 4-4,5%. Dabei verflacht die Ertragskurve derzeit blitzschnell, weil die kurzen Abläufe rasante Ertragssteigerungen erleben. So verteuerten sich 20-Jahres-Anleihen im letzten Monat um einen einzigen Basispunkt, die dreimonatigen Papiere aber gleich um 145 Basispunkte.

Ein Gedanke zu “Schwelle von Dreihundertsiebzig passiert

  1. Dass nach der Zinsanhebung durch die Nationalbank, die Marke von 370 gerissen wird, ist bedenklich.
    Dies treibt die Inflation in Ungarn weiter an.

    Das Preisdiktat der ungarischen Regierung bei Benzin spielt durchaus auch eine Rolle und wird problematisch werden, wenn es nur in Richtung 380 gehen wird.

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