BIP
Folgt nun die Gesundung?
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Wie das Zentralamt für Statistik (KSH) am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte, wuchs Ungarns Wirtschaft im vergangenen Jahr unbereinigt um 0,4%, bereinigt um 0,3%. Mit einem unbereinigten Zuwachs von 0,7% im IV. Quartal zum gleichen Vorjahresquartal konnte das KSH aber immerhin eine Zahl präsentieren, die im konjunkturschwachen Jahre 2025 den Bestwert darstellte. Saisonal und nach Kalendertagen bereinigt beschränkte sich freilich auch dieser Zuwachs wieder auf eine Zahl von 0,5%, die leicht hinter der Dynamik des III. Quartals zurückblieb. Im Quartalsvergleich wuchs Ungarns Wirtschaft um bescheidene 0,2%, nachdem im Herbst Stagnation verzeichnet wurde.
Konsum kontra Industrie
Getragen wird die Konjunktur am ehesten vom Dienstleistungssektor, darunter Banken und Versicherungen sowie Einzelhandel, aber auch von der Bauwirtschaft. Als größten Bremser identifizierte das KSH im Kommentar zu den Vorabzahlen, die noch ohne Details zur Wertschöpfung auskommen müssen, erneut – und damit im dritten Jahr in Folge – die Industrie. Dessen ungeachtet gehen die meisten Prognosen auch für 2026 wieder von 2,5-3% Wachstum aus. Allein die Großprojekte in der Automobilindustrie (BMW, BYD, CATL) dürften einen Punkt beisteuern. Der Privatverbrauch wird zumindest das I. Halbjahr tragen, bei den Investitionen steht eine zyklische Korrektur an, und auch die Landwirtschaft könnte mit einem halbwegs normalen Jahr einen gesunden Beitrag erbringen.
Polen und Tschechen sind besser
Während die Orbán-Regierung für die schwachen Zahlen hauptsächlich den Ukraine-Krieg verantwortlich macht (und nur nachrangig auf die anhaltende Konjunkturflaute des übergroßen Handelspartners Deutschland verweist), vermochte Polen sein Wachstum 2025 unbeeindruckt von eben jenem Krieg nochmals von 3% auf 3,6% zu steigern. Dabei war diese Dynamik gar nicht in erster Linie dem robusten Privatverbrauch zu verdanken, sondern noch stärker den Investitionen, die sogar um 4% wuchsen. Die mit den Deutschen ebenfalls engstens liierten Tschechen konnten ihr Wachstum gegenüber 2024 gar auf 2,5% verdoppeln. Hier erwiesen sich neben dem Privatverbrauch die Baubranche und die Nettoexporte als Konjunkturlokomotive.
