Wachstumsaussichten

Finanzminister nun vorsichtiger

Der Finanzminister rechnet nun noch mit einem BIP-Zuwachs von 3-4% für 2022.

Mihály Varga räumte gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Figyelő“ ein, die Auswirkungen der Sanktionen auf die ungarische Wirtschaft ließen sich im Moment sehr schwer abschätzen. Die Inflation übertreffe alle früheren Erwartungen, und auch die Flüchtlingswelle aus der Ukraine verlange außerordentliche Maßnahmen. Sein relativer Optimismus stütze sich jedoch auf mehrere Faktoren. So weise das Land eine hohe Sparrate und einen vergleichsweise geringen Kreditbestand auf. Das erlaube es den Unternehmen, auch in diesen schweren Zeiten Kapazitäten zu erweitern, während die privaten Haushalte am gewohnten Konsum festhalten können.

Subjektiv empfundene Inflationsrate: 24%

Ob letztere Aussage so stimmen mag, zweifelt eine aktuelle Erhebung des Publicus-Instituts an. Demnach waren gleich 83% der Befragten überzeugt, die Löhne seien weniger markant als die Preise gestiegen. (Unter den befragten Rentnern meinten dies 70%, obgleich die Umfrage Ende März stattfand, also nur kurze Zeit nach erfolgter Ausschüttung der 13. Monatsrente.) Schon jeder zweite Befragte habe wegen der ausufernden Preise seit Jahresbeginn beim Einkauf zurückstecken müssen, jeder Dritte sogar mehrfach. Am ehesten sparen die Ungarn an Kleidungsstücken (36%), an bestimmten Lebensmitteln, aber auch bei Unterhaltung und Kultur. Trotz amtlicher Preise hätte jeder Vierte weniger getankt. Im subjektiven Empfinden der Menschen liege die Inflationsrate aktuell nicht bei 8%, sondern bei 24%! Während die Wähler der Regierungsparteien ebenso wie des Oppositionsbündnisses im Schnitt eine Inflation von 20-22% „verspüren“, sind es im Kreis der unentschlossenen Wähler sogar 32%.

Ein Gedanke zu “Finanzminister nun vorsichtiger

  1. So ist das eben, wenn man Wetten auf die Zukunft macht und den erwarteten Gewinn schon als Wahlgeschenke verteilt.
    Wenn Machterhalt alles ist, was zählt, dann wird es für die Steuerzahler am Ende eben teuer.

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