Inflation
Es geht noch höher
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Das Zentralamt für Statistik (KSH) schockierte am Freitag einmal mehr mit seinen Zahlen, indem es die brutalste Inflation seit August 2007 meldete.
Eigentlich hatten Analysten die Preisspitze im Spätherbst erwartet (als die Inflationsrate bei 7,4% angelangt war), nun aber legten die Preise allein im Vergleich zum Dezember wieder um 1,4% zu. Einmal mehr waren Lebensmittel die größten Preistreiber (+3,0%), allen voran Speiseöl (+8,6%) und Mehl (+7,9%), für die ab 1. Februar ein Preisstopp gilt. Aber auch frisches Obst und Gemüse, Kaffee, Käse, Geflügelfleisch, Teigwaren, Milch, Backwaren und Zucker heizten die Inflation über Gebühren (um 3,5-7%) an. Zum Jahresbeginn kräftig angezogen haben aber auch die Preise für Spirituosen, Autos (für Gebrauchte laut KSH noch stärker, als für Neuwagen), für Wartungsarbeiten in der Wohnung und für die Autobahn-Vignetten.
Preise außer Rand und Band
Beim Jahresvergleich zeigt sich so richtig, wie viele Preise außer Rand und Band sind. Der Verbraucher sieht sich auf breiter Front mit zweistelligen Preissteigerungen konfrontiert. Die große Gruppe der Lebensmittelpreise verteuerte sich insgesamt um 10,1%, für Speiseöl und Mehl muss der Ungar heute aber sogar ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr bezahlen. Milchprodukte, Brot und Geflügel kosten ungefähr ein Fünftel mehr, Käse, Teig- und Backwaren liegen ein Sechstel über Vorjahresniveau. Ob Restaurant oder Betriebskantine: Das Mittagessen verteuerte sich laut KSH gegenüber Anfang 2021 um 11-11,5%. Wer sein Auto volltanken will, muss trotz Preisdeckelung beinahe ein Viertel mehr Geld einkalkulieren, Gebrauchtwagen selbst wurden um 8% teurer. Für Dienstleistungen, um die Wohnung in Schuss zu halten, sind ebenso wie für Möbel 15-17% mehr zu veranschlagen. Tabakwaren kosten ein rundes Zehntel mehr, beim Alkohol bewegten sich die Preise ähnlich dynamisch.
Akteure schlucken nicht länger
Die von hektischen Entwicklungen befreite Kerninflation zog gegenüber Dezember um einen ganzen Prozentpunkt auf 7,4% an. Das ist der höchste Stand seit Ende 2001! Die Ungarische Nationalbank (MNB) sprach in einer ersten Analyse von einem „sehr intensiven Umpreisen“, von dem ein „breiter Kreis an Produkten und Dienstleistungen“ erfasst wurde. Die seit 2004 gemessene Inflation von Produkten mit „stabilem Preis“ ist hochgeschossen, was ebenfalls bestätigt: Die Wirtschaftsakteure sind bereit, die Kosten- und Nachfrageschocks weiterzureichen, also nicht länger zu schlucken. Laut MNB hat sich die Dynamik der zu Jahresbeginn angepassten Preise gegenüber 2021 verdreifacht, gegenüber 2020 verdoppelt. Die Inflation ist auf die langlebigen Verbrauchsgüter übergeschwappt. Industrieartikel werden gewöhnlich zur Jahreswende günstiger angeboten, nun aber stiegen deren Preise um weitere 0,8% und liegen im Jahresvergleich bereits um 6,7% höher.
Analysten gehen davon aus, dass die MNB den Leitzins höher schrauben muss, als bisher erwartet. Die Notenbank hob den Leitzins im Januar auf 2,9% an, der maßgebliche Einlagenzins steht derweil bei 4,3%. Die im Inflationsbericht vom Januar erwartete Entwicklung der Teuerungsprozesse ist schon wieder überholt, der nächste Bericht aber erst im April fällig. Im Wettbewerb der Notenbanken der Region scheint es nun nicht länger auszureichen, wenn die MNB den Leitzins bis auf 5,5% anhebt.
