Energiekrise
Wirtschaftsminister Márton Nagy: "Die europäischen Unternehmen werden Märkte verlieren, ganze Industriezweige könnten von der Bildfläche verschwinden." Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Energiekrise

Es geht ums Überleben

„Die Energiekrise zerstört die ohnehin dramatisch schlechte europäische Wettbewerbsfähigkeit am Boden“, ist Wirtschaftsminister Márton Nagy überzeugt.

Auf einer internationalen Konferenz des Mathias Corvinus Collegium (MCC) vor dem Wochenende beklagte er, dass Europa im Zuge der Energiekrise systematisch gegenüber den USA und China an Boden verliert.

Die MCC-Fachkonferenz beschäftigte sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine. Nagy verwies darauf, dass Strom heute in Europa 6-7-mal so teuer wie in den USA sei, Gas koste sogar das Zehnfache. Einen dermaßen drastischen Anstieg der Selbstkosten könnten die Unternehmen nicht einfach so wegstecken.

Elf Prozent für Energie

In Ungarn bewegten sich die Energiekosten gemessen an den Nettoumsatzerlösen 2021 im Durchschnitt des Wettbewerbssektors um 1,5%, woraus 2023 ca. 11% werden dürften. In Extremfällen müssen Firmen sogar mehr als die Hälfte (!) ihrer Umsatzerlöse allein für die Energierechnung abführen.

Parallel zu dieser Entwicklung sinken die Arbeitskosten von zuletzt 11% auf ca. 8-9%. Unternehmer und Investoren interessiert nicht länger, ob ausreichend Arbeitskräfte vorhanden sind und wieviel diese kosten, sondern ob und zu welchem Preis Energie bereitgestellt werden kann, zog Nagy die Schlussfolgerung.

Energiekrise und massive Verschuldung

“Die europäischen Unternehmen werden Märkte verlieren, ganze Industriezweige könnten von der Bildfläche verschwinden”, warnte Nagy. Derweil pumpten reichere Länder wie Unmengen an Geld in den Wirtschaftskreislauf und verschulden sich massiv.

Volkswirtschaften, die Energie daheim und zu vorteilhaften Preisen erzeugen können, befinden sich eindeutig im Vorteil, so wie etwa Frankreich, das sich auf seine Atomkraft stützt, oder Polen mit seiner Kohle.

Der Wirtschaftsminister verwies auf den Nachteil hoher Energieintensität im Wettbewerb; in vielen Branchen werde allein die sog. Skaleneffizienz für ein Überleben sorgen, das heisst „die europäischen Unternehmen werden sich gegenseitig auffressen“. In dieser Hinsicht sieht er Länder mit starkem Dienstleistungssektor wie die Balten im Vorteil.

Nagy meinte zum Aktionsplan der Regierung für den „Schutz der Arbeitsplätze“, noch arbeite man am Feinschliff, weshalb der Plan weiterhin nicht „scharfgestellt“ wurde. Derweil bekräftigte er die vorläufig auf drei Monate befristeten Beihilfen für energieintensive KMU.

20 Antworten auf “Es geht ums Überleben

  1. Erstaunlich, dass die europäische Wettbewerbsfähigkeit so schlecht sein soll, wo doch Trump während seiner Regierungszeit versucht hatte, den hohen Handelsbilanzüberschuß der EU gegenüber den USA zu senken.

    Wenn nun zur Eindämmung der Inflation mal einige wenige Quartale kein Wirtschaftswachstum erreicht wird, soll die Wettbewerbsfähigkeit also zerstört werden.
    Die Umstellung auf nicht-fossile Energieträger wird sich beschleunigen und die europäische Wirtschaft sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen lassen.

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  2. Die Industrie in Europa muss zum Vorteil der Amis zerstört werden. Sie feiern schon die ersten Erfolge! Sie benötigen einen Aufbau von Industrie und neue Absatzmärkte, damit Dollar und ganz Amerika nicht baden gehen.

    https://www.wsj.com/articles/high-natural-gas-prices-push-european-manufacturers-to-shift-to-the-u-s-11663707594

    Nun hat auch der amerikanische Außenminister Blinken zugegeben, dass man aus dem Sabotageakt gewaltige Vorteile ziehen kann. Nach Biden und Nuland ist er also der dritte, der im direkten Zusammenhang mit der Zerstörung der Pipeline betont, welch große Chancen für Amerika in der kaputten Pipeline liegen.

    https://www.youtube.com/watch?v=NSauD9FmxLk&t=515s

    PS: Hatzig schreibt mal wieder Bullshit!

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    1. Ja. Da muss ich es wirklich schreiben: Denn was Sie da von sich geben, ist nun mal wirklich B_____.

      Unserem Dr. Mókus kommt gar nicht mal in den Sinn, dass einen Pipeline,
      durch die kein Gas mehr floss, durch ihre Beschädigung nun mal nicht weniger Gas liefern kann.
      Weniger Gas als kein Gas geht nun mal nicht. Das sollte doch auch die rechte Logik nachvollziehen können. 😉

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      1. Ihre Antwort ist noch blöder als erwartet. Lesen sie lieber den Artikel im Wall Street Journal und hören sie den Kommentar aus der schweizer Weltwoche, ab Minute 7 trägt Roger Köppel vor, was Blinken gesagt hat. Erschreckend. Die Belege für die amerikanische Täterschaft türmen sich.

        Oder hören Sie den Beitrag des intelligenten Professors Christian Rieck (Mathematiker, Spieltheoretiker und Ökonom)
        https://www.youtube.com/watch?v=FYKdhYBrvcE

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        1. Ach – Roger Köppel – den sieht man oft beim staatlichen russischen Propagandasender RT DE – und die Rechten fallen darauf herein. 😉

          Aber es fällt den Rechten offensichtlich leichter, der russischen Propaganda zu lauschen, als einfach mal selbst nachzudenken.
          Vorher kam schon kein Gas durch die Pipeline – und nun kommt auch kein Gas durch die Pipeline.

          Und Sie, Dr. Mókus, sollten sich doch auch mal fragen, weshalb Orban US-Militär in Ungarn willkommen heißt.
          Die Mehrheit der Ungarn und die Mehrheit der Deutschen wissen es.
          Nur die Rechten wissen es nicht und müssen erst bei den Regimen in Russland und China nachfragen. 😉

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          1. “Vorher kam schon kein Gas durch die Pipeline – und nun kommt auch kein Gas durch die Pipeline.”

            Ihren Unsinn können Sie sich sparen mit dem Gas durch die Pipeline. Wollen Sie andere glauben machen, die Pipeline wäre kein Schaden und in Berlin hätten die Sektkorken nach dem Anschlag geknallt. So dumm sind nur einige. Kritische Stimmen werden immer mit “russischer Propaganda” tituliert, von linken Kriegstreibern.

            Hier ein Update von Prof. Rieck:
            https://www.youtube.com/watch?v=1i83liMkikE&t=660s

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  3. Sie haben Recht. Die Amis haben aus allen Kriegen gewonnen. Die EU verlieren nach jedem Ststistik Anteil in Weltwirtschaft. Es war und ist das Ziel der Amerikaner schon etwa 150 Jahre, dass es nicht zu ein Europa-Asien Wirtschaftsraum zu Stande kommt.
    Wenn jemand auf die Berge hochklettert, muss herunterkommen. Diese unreflektierte Kriegshetze ist untragbar.

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    1. Auf welchem Planet leben Sie eigentlich? 🙂

      Vielleicht haben Sie es ja noch nicht mitbekommen, aber trotz Brexit ist die EU noch immer die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.
      Demokratie und Rechtsstaatlichkeit macht sich eben bezahlt.
      Und die USA ist nun einmal die Schutzmacht der Demokratie.

      Nebenbei macht die EU seit Jahrzehnten sehr gute Geschäfte mit den USA.
      Gerade Trump meinte, die EU würde zu gute Geschäfte machen und die USA benachteiligen.

      Kriegshetze?
      So wie China, das mit einem Angriff auf Taiwan droht?
      So wie Russland, das einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt?
      Wer dies verteidigt, betreibt wirklich Kriegshetze.

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      1. Ja – da ist das Imperium der Demokratie und auf der anderen Seite das Imperium von totalitären Regimen.

        Mir ist es lieber, die USA bauen das Imperium der Demokratie aus, als dass ich in einem korrupten Unterdrückungsstaat leben muss.

        Der Mehrheit der Ungarn geht es wie mir, denn sie hatten sich von einem Regime befreit und sind der US-geführten Nato beigetreten.

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        1. Das ist ein Irrtum, dass die USA ein Imperium der Demokratie wäre. Richtiger ist, sie ist auf der anderen Seite, ein Imperium des Totalitarismus und Terrors. Die USA hat seit 1776 ihrer Gründung 219 !! Kriege mit Millionen von Toten geführt. Ein Weltrekord.
          Die “zweit größte” Wirtschaftsmacht (EU) der Welt ist in sehr kurzer Zeit Geschichte infolge der Befehle aus den USA zur Zerstörung der/unserer Wirtschaft/Industrie (EU/D).
          Die EU ist wahrlich kein Hort der Demokratie und der Recht Staatlichkeit. Das war sie wohl noch nie. Ungarn kann davon ein trauriges Lied singen.
          Herr Roger Köppel und Herr Dr. Mokus haben in den meisten Aspekten Recht und das ist zu sehr zu begrüßen.

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          1. Die Menschenleben Verluste der Amerikaner waren in den über 200 Kriegen überschaubar.
            Sie haben in dem smerikanischen Bürgerkrieg höhere Zahl der Gestorbenen gehabt als sie zusammen in ihrer allen Kriegen hatten.
            Übrigens. Ich will in keinem Imperium leben. Ich will in einem souveränen Nationalstaat leben.

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            1. Sie haben offensichtlich nicht verstanden, wie die Welt funktioniert, wenn sie wirklich denken, dass es Nationalstaaten ohne Imperien gibt.
              Wo es Nationalstaaten gibt, da gibt es auch ein Imperium, denn ein Nationalstaat ist immer der überlegene und dominante.
              Putin dachte, er sei der Führer eines solchen Imperiums – nun lehrt ihn die Realität eines Bessern.

              Orban hat Ungarn in eine Abhängigkeit von Russland gebracht, benimmt sich in der EU-Familie wie ein störrisches Kind und biedert sich nun auch noch den Chinesen an – da bleibt dann nicht mehr viel Souveränität.

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                1. Die Ungarn hatten dieses Imperialismus-Spielchen doch selbst auch schon gespielt.

                  Was die Geschichte lehrt, sind zwei Dinge:
                  1. Nur gemeinsam sind Länder stark genug, um den Bestand zu wahren. Kleinstaaterei macht schwach und die Länder zum Spielball der Großen.
                  2. Rechtsstaatliche Demokratien, die auf internationales Recht setzen, haben Bestand.

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          2. Ja ja – diese Geschichten erzählen die Propagandamaschinen der undemokratischen Regime schon seit Beginn des kalten Krieges.

            Und immer wiederholen die Rechten diese Untergangsgesänge.

            Untergegangen sind jedoch am Ende immer die korrupten Regime. Denn Korruption zerfrisst ein Land von innen heraus.

            Ungarn steht in dieser Krise besonders schlecht da – in mehrerlei Hinsicht – und dies ist das Resultat von 12 Jahren Fidesz. Die aktuellen Krisen heben nur die Misere hervor.

            Deutschland hatte es mit der großen Abhängigkeit von Russland und China in den letzten Jahren auch verbockt. Nun aber wird die Kehrtwende vollzogen – das können die Rechten nicht und spielen Titanic.

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              1. Die USA sind die globale Wirtschafts- und Militärmacht, weil Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in einem Bundesstaat mit derzeit 50 teilsouveränen Einzelstaaten gilt.

                Die EU ist erst auf dem Weg dorthin, aber immerhin schon die zweitgrößte Wirtschaftsmacht.

                Russland hat Atomwaffen (wie sie nun auch Länder wie Iran anstreben) und Rohstoffe (wie Kongo).

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