Mindestlohn
Elf bzw. sieben Prozent mehr
Darüber informierten die Teilnehmer des Konsultationsforums der Sozialpartner (VKF) am Freitag die amtliche Nachrichtenagentur MTI. Das letzte Wort hat die Regierung. Sofern diese dem Kompromissvorschlag zustimmt, steigt der gesetzliche Mindestlohn ab 1. Januar 2026 auf brutto 322.800 Forint (rund 840 Euro), das garantierte Lohnminimum für Fachkräfte auf brutto 373.200 Forint (970 Euro).
Das höchste der Gefühle
Der Generalsekretär des Arbeitgeberverbandes VOSZ, László Perlusz, sprach von einem guten Kompromiss. Die Zahlen für die Anhebung des Mindestlohns sehen „sehr gut“ aus nach einem Jahr, in dem die Wirtschaft nur um ein halbes Prozent wächst und die Inflation unter 5% liegt. Damit steige der reale Wert für alle Mindestlohnbezieher. Mittelfristig behalte man das Ziel im Auge, dass der Mindestlohn 50% der Bruttodurchschnittslöhne erreicht.
Der Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes MGYOSZ bezeichnete die Vereinbarung weniger euphorisch als, gemessen am Spielraum, akzeptabel. Ferenc Rolek hob hervor, dieser Abschluss trage der schwierigen Wirtschaftslage, in der sich das Land seit nunmehr 2,5 Jahren befinde, nicht wirklich Rechnung. „Es muss zur Kenntnis genommen werden, dass diese massive Anhebung des Mindestlohns nicht als Ausgangspunkt für den Anstieg des Durchschnittslohns dienen kann, weil das die Wirtschaft einfach nicht hergibt.“
Der Vorsitzende der Áfeosz-Coop, Zoltán Zs. Szőke, verwies auf das Dilemma, wonach die Fachkräfte einen Punkt mehr Lohn hätten erhalten können, wenn der Staat nicht im letzten Moment seine Zusage für die Senkung der Sozialabgaben (SzocHo) zurücknimmt. Gerade im Einzelhandel sei ein Anstieg dieser Bezüge um 8% „nicht zu machen“, weil man neben der allgemein schlechten Wirtschaftslage gesondert mit den Maßnahmen der Regierung (Stichwort Eingriffe in die Handelsspanne) zu kämpfen habe.
Spürbar steigende Reallöhne
Die Liga-Vorsitzende Melinda Mészáros wertete die Übereinkunft als Erfolg, denn die Gewerkschaften hatten als „Mindestforderung“ im September 5% mehr für Fachkräfte formuliert. Da die Inflation nach Regierungsprognose 2026 bei 3,6% verharren und auch laut Analysten max. 4% erreichen dürfte, verspricht dieser Abschluss spürbar steigende Reallöhne.
Die Korrektur der Ende 2024 geschlossenen dreijährigen Vereinbarung widerspiegele die Realitäten, meinte Imre Palkovics. Dessen ungeachtet sieht der Vorsitzende der Arbeiterräte die Forderungen der Arbeitnehmerseite erfüllt. Die Gewerkschaften hätten die neuerliche Senkung bei den SV-Abgaben hingenommen, sorgten sich jedoch um sinkende Einnahmen der Renten- und Krankenkassen, was spätere Auszahlungen gefährde. Dass der Mindestlohn 2026 im Realwert um 7% steigen wird, sei besonders beachtlich angesichts von Rückmeldungen aus der Wettbewerbssphäre, wonach nur Lohnerhöhungen um 2-7% vorveranschlagt seien – und viele Arbeitgeber die Löhne überhaupt nicht anheben wollen.
Der Gewerkschaftsbund MASZ konzentriert sich bereits auf die anstehenden Tarifgespräche. Präsident Róbert Zlati empfand es als unseriös von Seiten der Regierung, dass man die in Aussicht gestellte Senkung der SV-Abgaben im letzten Moment fallen ließ, weil das die Verhandlungen der Sozialpartner erschwerte. Für den Mindestlohn konnten die Gewerkschaften die Mindesterwartung von 11% erfüllen, der Verzicht auf einen Prozentpunkt für Fachkräfte lasse sich mit der gegenwärtigen Wirtschaftslage rechtfertigen.
