Der extreme Anstieg der Lebensmittelpreise verursachte den zweiten Schock – nach dem Energiepreisschock und noch vor dem Ukraine-Krieg. Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Inflationsbericht

Ein Schock nach dem anderen

Die Inflation war in den letzten zwölf Monaten gleich drei Schocks unterworfen. Die Lage wird sich erst in der zweiten Jahreshälfte beruhigen, schreibt die Ungarische Nationalbank (MNB) in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Inflationsbericht.

Selbst Kerninflation knapp über 10%

Die Wirtschaftsakteure hätten auf die Kostenschocks mit intensiven Preiserhöhungen reagiert. Hatte die MNB die Inflation für 2022 in ihrem vorherigen Inflationsbericht im Dezember noch bei 4,7-5,1% erwartet, gibt sie nun 7,5-9,8% vor. Die Spitze wird im Juli-August sogar im Falle der von hektischen Preisausschlägen bereinigten Kerninflation knapp über 10% erwartet. Für die nahezu verdoppelten Inflationserwartungen sind nach dem erfolgreichen Neustart der Wirtschaft die Schocks der explodierenden globalen Energiepreise und Lebensmittelpreise sowie selbstverständlich der Ukraine-Krieg verantwortlich. Letzterer wirkt sich in erster Linie auf die globalen Rohstoffpreise aus.

Starkes Wachstumspotenzial bleibt

Die MNB merkt an, dass die ungarische Wirtschaft nach dem Rekordjahr 2021 (mit einem Wachstum von 7,1%) im I. Quartal womöglich noch dynamischer, um gut und gerne 8-9% gewachsen ist. Das starke Wachstumspotenzial bleibe erhalten, weshalb die Notenbank mittel- und langfristig unverändert optimistisch ist. So wird die Zahlungsbilanz nur vorübergehend im negativen Bereich verweilen, und auch die Leistungsbilanz im günstigsten Fall bereits 2023/24 wieder einen positiven Saldo generieren.

Ausländer transferieren hohe Gewinne

Noch am Mittwoch hatte die MNB gemeldet, dass sich das Defizit der Leistungsbilanz im IV. Quartal verdoppelte und am Jahresende 2021 satte 4,74 Mrd. Euro erreichte. In den vorangegangenen Jahren war das Defizit von 1,02 auf 1,56 Mrd. Euro gestiegen. In der Kapitalbilanz kam derweil sowohl im IV. Quartal (+1,88 Mrd. Euro) als auch im Gesamtjahr 2021 (+3,88 Mrd. Euro) ein Überschuss zustande. Das reichte aber nicht aus, um die Zahlungsbilanz nach 1,23 Mrd. Euro in 2020 weiter im positiven Bereich zu halten: Mit 850 Mio. Euro weist Ungarn hier zum ersten Mal seit langen Jahren ein Defizit aus. Von ausländischen Unternehmen und Anlegern wurden an Gewinnen nach 6 Mrd. Euro in 2020 nun bereits 6,56 Mrd. Euro ins Ausland überwiesen.

Ein Gedanke zu “Ein Schock nach dem anderen

  1. Dass ausländische Investoren, die hier Unternehmen aufbauen und für Beschäftigung sorgen, auch Gewinne erzielen wollen, ist doch logisch. Will man solche Gewinnabflüsse vermeiden, so darf man eben keine ausländischen Investoren anlocken.

    Das Damoklesschwert Preisdiktat schwebt übrigens über Ungarn. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen sind doch aus Sowjetzeiten bekannt, weshalb die kommende Regierung diese Preisfestlegungen nicht ewig fortsetzen kann.

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