Inflation
Ein erfreuliches Novum
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„Seit November 2020 sinkt die Inflation erstmals sichtbar“, kommentierte Wirtschaftsminister Márton Nagy.
Seitdem das Zentralamt für Statistik (KSH) im Januar die Spitze des Preisauftriebs bei 25,7% erfasste, dreht sich das Preiskarussell etwas langsamer. Einen absoluten Preisrückgang gab es aber bislang nicht; mit diesem neuen Trend vom Mai ist die Inflationskurve wieder ungefähr auf ihrem Niveau vom Oktober angelangt.
Extreme Unterschiede zum April
Während die Verbraucherpreise insgesamt im Vergleich zum April um 0,4% nachgaben, stiegen die Dienstleistungspreise deftig um 0,9%. Binnen eines einzigen Monats verteuerten sich Urlaubsunterkünfte um 2%, die Hausbewirtschaftungskosten um 1,5% und Mieten um gut einen Punkt. Dagegen sorgte das ab 1. Mai in allen Komitaten gültige Supersparticket dafür, dass Arbeits- und Schulwege um ein gutes Fünftel preiswerter wurden.
Auch die Lebensmittelpreise stiegen unterm Strich nochmals leicht an, getragen vom anhaltenden Preisauftrieb bei Wurstwaren (um 1%) sowie bei frischem Obst und Gemüse (+0,5%). Nicht zuletzt wegen der intensivierten Rabattaktionen der Handelsketten erfasste das KSH andererseits sinkende Preise bei Käse (-2,5%), Reis, Butter und Backwaren (alle um -1,5%), Milch (-1%) und Geflügelfleisch (-0,5%).
Der Preisverfall von 3% bei Haushaltsenergie ergab sich wie gehabt ausschließlich aus dem sparsameren Umgang mit eben dieser Energie: Weil das Gewicht des „marktkonform“ kalkulierten Erdgases im Vergleich zum staatlich subventionierten „Grundbedarf“ infolge des sinkenden Verbrauchs sank, kostete Gas laut KSH im Mai im Schnitt 6,5% weniger. Unmittelbar verspüren konnten die Autofahrer die ebenso um 6,5% sinkenden Spritpreise. Sogar bei Tierfutter berechneten die Statistiker erstmals eine Umkehr des wahnwitzigen Preisanstiegs (-2,5%).
Dienstleister ziehen nun nach
Beim Vergleich der Verbraucherpreise mit dem Stand vor einem Jahr hagelt es aber weiterhin brutal zweistellige Zahlen. Aktuell erweist sich die Haushaltsenergie als der stärkste Preistreiber (+37%), wobei Flaschen- und Leitungsgas nahezu um die Hälfte, Strom um ein gutes Viertel teurer wurde. Dicht dahinter folgen die Lebensmittelpreise (+33,5%), mit den Ausreißern Backmehl (+60%), Brot (+52,5%) und Milchprodukte (+51,5%). Mit solchen Auswüchsen kann in anderen Kategorien des Warenkorbs alleine das Tierfutter mithalten (+51,5%). Um etwas weniger als die Hälfte verteuert haben sich im Vergleich zum Vorjahr Butter und Eier, um ein gutes Drittel Teig- und Backwaren, Milch und Käse. Das für die meisten ungarischen Familien lebensnotwendige Speiseöl (+3,5%) profitiert derweil vom Preisdiktat der Regierung.
Unter allen Kategorien steigen gegenüber dem Vorjahr derzeit nur noch die Dienstleistungspreise, diese freilich seit Jahresbeginn unentwegt. Die mittlere Inflation für Dienstleistungen ist bei 14,5% angelangt. Ob Autobahnvignette, Mietwagen, Parkschein, ob Sport, Museum oder Inlandsreise – für all diesen Luxus muss der Ungar heute 25-30% mehr Geld berappen. Wenn Reparaturen am Auto oder in der Wohnung anstehen oder ein Taxi benötigt wird, bewegt sich der Preisanstieg um 20-25%. Tabakwaren und Spirituosen kosten im Schnitt 19,5% mehr, als vor einem Jahr, darunter wurde Alkohol wegen der heraufgesetzten Verbrauchsteuer aber ein gutes Viertel teurer.
Bei den Kraftstoffen (+17,5%) fallen die Preise seit Jahresbeginn langsam, aber sicher. Im Falle von Bekleidung (+8,5%) und langlebigen Verbrauchsgütern (+8%) darf die Regierung ohne viel Zutun einen Teilerfolg bei der Umsetzung ihrer Zielstellung verbuchen, die Inflationsrate bis zum Jahresende unter 10% zu drücken. Weil sich immer weniger Ungarn neue Autos oder Möbel anschaffen können, hat sich deren Preisauftrieb auf 17% vs. 12% schon merklich verflacht.
Zielwert für Jahresende nun „ganz sicher“
Dass es noch keinen Grund zum Aufatmen gibt, zeigt die hartnäckige Kerninflation: Diese sank zwar im Mai um einen guten Punkt auf 22,8%, gegenüber dem Monat April ergab sich jedoch ein moderater Anstieg um 0,5%. Der absolute Trend sinkender Preise ist bei diesem wichtigen Indikator somit noch nicht angekommen. Die mittlere Inflation belief sich in den ersten fünf Monaten auf 24,5%, darunter beim speziellen Warenkorb der Rentner auf knapp 26%. Im Mittel des Zeitraums Januar-Mai lagen die Preise für Haushaltsenergie um 44,5%, für Lebensmittel um 40,5% und für Kraftstoffe um 23% über Vorjahresniveau.
Wirtschaftsminister Márton Nagy betonte seinerseits die positiven Aspekte. Seit dem November 2020 seien die Verbraucherpreise zum ersten Mal wieder im Vergleich zum Vormonat gesunken. „Das zeigt, dass die Verbraucherpreise nunmehr dynamischer sinken und die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen funktionieren“, heißt es in einer Stellungnahme seines Fachressorts. Besonders deutlich – um 4,5 Punkte – sei die Lebensmittel-Inflation zurückgegangen. Analysten stimmten nach Erscheinen der Mai-Daten der von der Regierung seit Wochen betonten These zu, dass die Inflation am Jahresende nunmehr „ganz sicher“ in den einstelligen Bereich zurückfallen wird.

