Die MTI-Graphik zeigt die Entwicklung der Verbraucherpreise im Nachwende-Ungarn (Veränderung in % zum Vorjahr).

Inflation

Dienstleister gegen den Strom

Im Juni sind die Verbraucherpreise nicht weiter gestiegen, die Inflationsrate sank daraufhin von 4% auf 3,7%.

Das Zentralamt für Statistik (KSH) betonte bei der Vorstellung der aktuellen Inflationszahlen am Dienstag, dass die Lebensmittelpreise gegenüber dem Vormonat um 0,3% gesunken sind. Das erklärt sich überwiegend aus dem Preis-„Sturz“ bei frischem Obst und Gemüse um 4,4%. Auch Zucker, Eier und Wurstwaren wurden im Monatsvergleich um 1-2% billiger, Kaffee, Schokolade und Kakao aber deutlich teurer. Einen echten Preisschock erleben jene, die jetzt Urlaub machen, denn die einschlägigen Dienstleistungen verteuerten sich gegenüber dem Monat Mai um 4,4%, was selbst die Jahresrate sprengt.

Phänomen an den Zapfsäulen

Die Juni-Inflation wird einmal mehr durch ein statistisches Phänomen beeinflusst: Beim KSH sanken die Preise an den Zapfsäulen der Tankstellen im Juni um 3,4%. Das nimmt den Statistikern niemand ab, der den vehementen Preisanstieg um dreißig und mehr Forint je Liter seit den Wahlen vom 9. Juni miterlebt hat. Die Auflösung des Mysteriums: Die „aktuellen“ Preise werden bis zum 20. des jeweiligen Monats zusammengeschrieben, aus dieser Schnittmenge wird die Monatsteuerung kalkuliert. Im nachfolgenden Monat wird die Teuerung freilich als ausgleichende Gerechtigkeit noch brutaler zu Buche schlagen.

Problem nicht vom Tisch

Dass die Teuerungsproblematik vom Tisch sei, ist ohnehin weit hergeholt. Die von hektischen Preisentwicklungen befreite Kerninflation erreichte auch im Juni wieder 0,5% zum Vormonat und legte auf Jahresebene leicht auf 4,1% zu.

Auf Jahresebene werden die Dienstleistungen (+9,7%) zunehmend zum brutalen Preistreiber. Wohnung und Auto, Kultur, Restaurantbesuche und Sport – einfach alles wird rasant teurer. Spürbar ist auch der Anstieg der Preise für Medikamente um 6%, für Neuwagen um 5,5%, für Zigaretten um 5% bzw. für Bekleidung um 4%. Absolut preiswerter als noch im Sommer 2023 sind heute Eier, Mehl, Milchprodukte, Nudeln sowie Gebrauchtwagen und Leitungsgas zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel