Cyberbetrug
Die unschönen Nebeneffekte der Moderne
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Der für den Geldverkehr zuständige Geschäftsführer der Ungarischen Nationalbank (MNB), Lajos Bartha, sagte am Mittwoch auf einer Fachkonferenz, die Betrugssummen seien mit ca. 5 Mrd. Forint pro Quartal weiter im absoluten Wert zu hoch. Dennoch beginnen die Empfehlungen der MNB und die daraufhin ergriffenen Maßnahmen der Handelsbanken zu wirken.
Maßnahmen zur Abwehr greifen
Denn 2024 wurden noch mehr als 226.000 Missbrauchsfälle bei Transaktionen mit Bankkarten bzw. bei Überweisungen festgestellt, die einen Gesamtschaden von 41,9 Mrd. Forint (ca. 105 Mio. Euro) verursachten, darunter 31,4 Mrd. Forint für Privatpersonen. Die Notenbank hat ein eigenes zentrales System zum Herausfiltern verdächtiger Transaktionen aktiviert, investiert aber auch in Schulungen und die Aufklärung der Bankkunden bzw. in Echtzeit-Monitoring. Die Banken werden angehalten, die Kunden zum Einstellen von Transaktionslimits zu bewegen bzw. starke Kundenauthentifizierungen vorzunehmen.
Der Bedarf an elektronischen Zahlungen nimmt laufend zu. Erfolgte 2021 ungefähr ein Drittel der Zahlungsvorgänge digital, strebt die MNB bis 2030 einen Anteil von zwei Dritteln an. Die annähernd 2 Mrd. Transaktionen, die 2024 abgewickelt wurden, sind zwar noch durch zwei große internationale Kartengesellschaften dominiert, doch auch die hierzulande entwickelte Sofortzahlung qvik findet wachsenden Anklang. Davon zeugen Bartha zufolge mehr als 2,3 Mio. qvik-Transaktionen im Gesamtwert von 93 Mrd. Forint, die bislang realisiert wurden.
KMU digital am Anfang
Der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Richárd Szabados, beklagte auf der gleichen Konferenz, dass die „digitale Intensität“ der einheimischen KMU weiter zu wünschen übrig lasse. Dabei betrachtet die Regierung Digitalisierung und technologische Entwicklungen als einen Schlüssel für Produktivitätsschübe. Die digitalen Betrugsmanöver verlangen zugleich größte Aufmerksamkeit von Seiten der Unternehmen, zumal die schwersten Fälle unter Missbrauch des Namens von Banken und Finanzamt NAV geschehen. Firmen sollten sich mit Sicherheitsprotokollen schützen, die Bestätigung von Transaktionen zweistufig gestalten bzw. telefonische Rückmeldungen einbauen.
Cyberbetrug ist eine globale Erscheinung geworden, meinte der Generalsekretär des Bankenverbandes, Levente Kovács. Denn diese Kriminalitätsform gehört mittlerweile zu den ertragsreichsten „Industriezweigen“. Die Banken können etwa 15% der betrügerischen Transaktionen noch rechtzeitig stoppen, der Polizei gelingt es, ungefähr ein Zehntel der kriminell abgezweigten Beträge zurückzuholen.
