Finanzen

Die Mentalität muss sich wandeln

Nur 15% aller Ungarn haben Ersparnisse für drei Monate.

Finanzplanung ist nach wie vor kein Teil des Alltags der Ungarn. Insbesondere ältere Menschen im erwerbsfähigen Alter haben das Vertrauen verloren, ihre finanzielle Situation selbst in die Hand zu nehmen.

Dies belegt eine repräsentative internationale Studie, die im Auftrag der Muttergesellschaft der Provident Zrt. in neun Ländern durchgeführt wurde. In Ungarn bleibt der Einkommenszuwachs überwiegend auf eine schmale gesellschaftliche Schicht beschränkt. Nur ein Drittel der Haushalte kann monatlich einen Teil des Einkommens zurücklegen, während 27% der Befragten gar nicht sparen können. Dies ist der höchste Wert in der mitteleuropäischen Region. Lediglich 4,6% können mehr als die Hälfte ihres monatlichen Einkommens sparen, was den niedrigsten Anteil unter allen untersuchten Ländern darstellt.

Altersabhängige Sparquoten

In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen sparen 40-43% regelmäßig. Bei den 35- bis 54-Jährigen sinkt dieser Anteil auf 32% und bei den 55- bis 65-Jährigen, die noch nicht im Rentenalter sind, auf nur 25%. Während in der mittleren Altersgruppe 29% nichts zurücklegen können, steigt dieser Anteil bei den über 55-Jährigen auf 40%. Positiv zu vermerken ist, dass der Anteil der Befragten mit Ersparnissen für mindestens drei Monate von etwas mehr als 10% in 2024 auf 15,5% im Jahr 2025 gestiegen ist. Zudem gaben nur noch 21% der Befragten an, über keinerlei Rücklagen zu verfügen – eine Verbesserung um drei Punkte gegenüber 2023.

Die Eigenverantwortung

Laut der Provident-Studie können 38% der männlichen Befragten monatlich etwas zurücklegen, im Vergleich zu nur 29% der Frauen. Die Mehrheit der Ungarn (44%) sieht die Schule in der Pflicht, Finanzwissen zu vermitteln, während 33% diese Verantwortung dem Staat zuschieben. Nur 19% betrachten die Entwicklung des Finanzbewusstseins als ihre eigene Aufgabe, während es vier Jahre zuvor noch 22% waren. Das Bewusstsein für eigene Vorsorge bei 35- bis 44-Jährigen ist kaum stärker ausgeprägt als bei Jugendlichen (14%). Allerdings steigt die Bereitschaft zur Übernahme persönlicher Verantwortung mit dem Alter. Unter den 45- bis 54-Jährigen gibt jeder Fünfte an, sich finanziell nur auf sich selbst verlassen zu können, bei den 55- bis 65-Jährigen sind es 23%.

Der Anteil der Befragten im Alter zwischen  35-54 Jahren, die sich „sehr oder eher sicher in finanziellen Entscheidungen“ fühlen, sank in Ungarn um sechs Punkte auf 46%, den zweitniedrigsten Wert unter allen untersuchten Ländern. Ohne einen Mentalitätswandel wird nicht nur die Sparquote niedrig bleiben, sondern auch die finanzielle Abhängigkeit der Menschen dauerhaft bestehen.

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