Fachkräftemangel
Die Besten wandern aus
Die meisten von ihnen sehen ihre berufliche Zukunft in Deutschland, wo etwa 200.-220.000 Ungarn arbeiten und leben. In Österreich sind es 90.-100.000 Beschäftigte, von denen viele als Pendler aus den westlichen Grenzregionen kommen. In Großbritannien haben sich noch vor dem Brexit etwa 150.-170.000 Ungarn niedergelassen. Inzwischen haben viele von ihnen einen Aufenthaltstitel beantragt. Kleinere, aber wachsende ungarische Gemeinschaften entstehen auch in den Niederlanden, Irland und Schweden. Die Bereitschaft zur Auswanderung hat in den letzten Jahren besonders bei jungen Menschen und hochqualifizierten Fachkräften zugenommen. So ist die Zahl der im Ausland lebenden Ungarn in den letzten zehn Jahren um ein Zehntel gestiegen. Auch die Zahl ungarischer Studenten im Ausland steigt wieder an und hat im akademischen Jahr 2023/24 erstmals 17.500 überstiegen.
Gründe für die Abwanderung
In Westeuropa und Nordamerika erhalten ungarische Arbeitnehmer für denselben Beruf ein Mehrfaches des heimischen Gehalts. Dies gilt insbesondere für hochqualifizierte Fachkräfte wie Ärzte, Ingenieure und IT-Fachleute. Forscher, Entwicklungsingenieure und junge Unternehmer, die ein Start-up gründen wollen, sehen im Ausland größere Chancen für Innovationen und die eigene Entwicklung. Der laufend abgewertete Forint und häufige Änderungen des Steuersystems schaffen zusätzlich ein unsicheres Umfeld. Auch soziale Faktoren wie der Zustand des Bildungs- und des Gesundheitssystems sowie die stark gestiegenen Immobilienpreise tragen zur Auswanderung bei.
Netzwerke im Ausland
In immer mehr Familien entscheiden sich die Eltern zur Auswanderung, nachdem ihre Kinder an ausländischen Mittelschulen oder Universitäten angenommen wurden. Da die jungen Menschen nach ihrem Abschluss meist im Ausland arbeiten und sich dort langfristig niederlassen, folgen ihnen die Eltern häufig nach. Zudem haben sich viele Verwandte und Freunde bereits erfolgreich in ausländische Arbeitsmärkte integriert. Die dort entstandenen Netzwerke üben eine starke Anziehungskraft auf weitere auswanderungswillige Ungarn aus.
Wirtschaftliche Folgen
Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Der Arbeitskräftemangel macht sich besonders in Hochtechnologiebranchen, im Gesundheitswesen und im Baugewerbe bemerkbar. Die Abwanderung von Fachkräften schadet zudem der Innovationsfähigkeit des Landes. Auch die Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen durch den Verlust von Steuereinnahmen sind erheblich.

Aus Deutschland wird auch ausgewandert, weil die Regierung die Wirtschaft gezielt zerschlägt, den Arbeitenden bzw. Verbrauchern die Abgaben maßlos hochschraubt, und aus dem Land ein Irrenhaus macht. Und das gefällt manchen aus Ungarn besser so? Die wissen wohl nicht, worauf sie sich einlassen.
Sehr richtig Herr Hohensohn !
Einige Anmerkungen zur wirt. Situation: in der BRD:
– Schrumpfende Wirtschaftswachstum bei steigenden Preisen = eine gefährliche Stagflation
– starker Anstieg der Arbeitslosenzahlen
– steigende Mieten
– ausländische Fachkräfte benötigen eine Arbeitserlaubnis. Dafür bedarf es einer langwierigen
Überprüfung ihrer Qualifikation durch die deutschen Behörden
– Probezeit in den Betrieben 6 Monate oder länger; kein deutscher Arbeitgeber will ein Ein-
stellungsrisiko eingehen, was verständlich ist
– ausländische Arbeitskräfte sind die ersten, die bei Auftragsmangel des Unternehmens ent-
lassen werden
– hohes Preisniveau und hohe Steuern und Abgaben.Das alles muss beachtet werden, wenn
man sich für eine Arbeitsstelle in der BRD ineressiet. Die “rosigen Zeiten” sind in der BRD vorbei !!!
Daily News Hungary:
Über eine halbe Million Ungarn sind weg: Die gebildete Jugend flieht aus einem Land, an das sie nicht mehr glaubt
Ungarn erlebt eine noch nie dagewesene Auswanderungswelle, insbesondere unter der jüngeren, besser ausgebildeten Bevölkerung. Jüngste Daten und Analysen zeigen, dass Hunderttausende von Ungarn vor allem in westeuropäische Länder abgewandert sind. Dieser Trend, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat, stellt Ungarn vor erhebliche demografische und wirtschaftliche Herausforderungen und ist zu einem Brennpunkt der innenpolitischen Debatte geworden.
Laut 444.hu zeigen die neuesten Zahlen des ungarischen Zentralamts für Statistik (KSH), dass im Jahr 2024 eine Rekordzahl von 41.300 Ungarn ausgewandert ist, was den bisherigen Höchststand übertrifft und die größte jährliche Abwanderung seit Beginn der detaillierten Aufzeichnungen im Jahr 2010 darstellt