Der Plattensee – hier mit dem modernen Yachthafen von Balatonfüred – bleibt DIE Top-Urlaubsadresse im ungarischen Sommer. Foto: MTI/ Péter Komka

Tourismus

Die Bayern lieben den Balaton

Der Nationalfeiertag des 20. August fällt in diesem Jahr auf einen Samstag – ein Handicap für die Tourismusbranche, die von langen Wochenenden ungemein profitiert.

Der Balaton zog bis Ende Juli rund 1,5 Mio. einheimische Touristen an und damit rund 15% mehr, als vor einem Jahr. Dank der abflauenden Corona-Pandemie gesellten sich zu jeweils sechs ungarischen vier ausländische Gäste, zweieinhalb Mal so viele, wie im vorigen Sommer erlebt. Die meisten ausländischen Badegäste kamen aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Polen und Österreich. Die staatliche Tourismusagentur MTÜ verfügt dank der Online-Anbindung sämtlicher gewerblicher Unterkunftsstätten über Echtzeit-Daten, die sie auch gerne aufschlüsselt. So verriet sie auf ihrer neuen Tourismusseite igyutazunk.hu, dass die meisten Buchungen rund um den Plattensee im Zeitraum Anfang Juni bis Mitte Juli durch Bayern vorgenommen wurden, gefolgt von Sachsen und Baden-Württembergern. Nur knapp dahinter folgten Besucher aus Niederösterreich, Wien und Nordrhein-Westfalen. In der TOP10 der Entsende-Regionen fand sich zudem die Steiermark, in guter Gesellschaft von Gästen aus Südmähren, Prag und der Mährisch-Schlesischen Region Tschechiens.

Die MTI-Graphik zeigt die Erlöse der gewerblichen Unterkunftsstätten seit 2019 (pro Monat, in Mio. Forint).

Höhere Temperaturen = mehr Übernachtungen

Bei einer Zimmerauslastung von 40% konnten die Hotels am Plattensee 19,4 Mrd. Forint einnehmen, immerhin 40% mehr, als im vorigen Sommer zur gleichen Zeit. In Hinblick auf die einheimischen Balaton-Besucher fand die MTÜ die bemerkenswerte Korrelation heraus, wonach der Anstieg der durchschnittlichen Tagestemperatur um ein Grad jeweils 430 zusätzliche Übernachtungen generiere. Die größte Besuchergruppe stellen wenig verwunderlich Kinder und Jugendliche, mit einem soliden Viertel der Plansch- und Badegäste. Die Altersgruppen der Berufstätigen sind sehr gleichmäßig verteilt, der Anteil der Rentner hat im Vergleich zum Vorjahr markant zugenommen.

Ausländer haben – bei Schlechtwetter – rund um den Plattensee zwei Attraktionen ganz besonders ins Herz geschlossen: den Thermalsee von Hévíz und die Benediktiner-Abtei von Tihany mitsamt ihrem Umfeld. Dort gaben ebenso wie am Goldenen Strand von Siófok die Deutschen den Ton an, gefolgt von den Slowaken (an der Abtei) und den Tschechen (im Thermalsee). Die MTÜ weiß wirklich alles über unseren Urlaub und behält diese Informationen nicht für sich. So hätten die Österreicher ihre mitgeführten Bankkarten am Balaton mit durchschnittlich 265 Dollar belastet, die Deutschen aber gleich mit 320 Dollar. Pro Transaktion wendeten Erstere im Schnitt 45 Dollar auf, Letztere derweil 60 Dollar. Wenn die Agentur nun noch auf den hierzulande gebräuchlicheren Euro an Stelle des US-Dollars umsatteln würde, hätten es zumindest die (dominierenden) europäischen Gäste einfacher, solchen Zahlenspielen zu folgen.

Der Balaton am Sternenhimmel – eine mit Drohnen erzeugte Touristenattraktion bei einem Sommerfestival. Foto: MTI/ Balázs Mohai

Die TOP5-Urlaubsorte am Balaton waren im besagten Zeitraum übrigens Siófok, Balatonfüred, Hévíz, Zalakaros und Keszthely. Bei den Ungarn wird Keszthely derweil  von Zánka verdrängt, was leicht erklärt ist: Dort bietet der Staat Kindern aus sozial schwachen Familien das „Erzsébet tábor“, ein Ferienlager auf riesigem Areal mit eigenem Balaton-Strand, zum Nulltarif, mit 3.600 Bettenplätzen pro Turnus.

Lange Wochenenden tun gut

Für ganz Ungarn vermeldete das Zentralamt für Statistik (KSH) im Monat Juni erstmals wieder 1 Mio. Übernachtungen ausländischer Gäste. Damit hat sich der Zustrom von Besuchern aus dem Ausland seit dem Januar (mit dem sportlichen Höhepunkt der Handball-EM als touristisches Großereignis) ungefähr verdoppelt. Einheimische Touristen buchten im Juni derweil 1,6 Mio. Übernachtungen.

Dem Reiseverkehr im Inland tun lange Wochenenden gut, weshalb das Osterfest und Pfingsten in diesem Jahr für herausragende Erlöse der Tourismusbranche sorgten. Großveranstaltungen wie die Formel-1 im Juli oder das Sziget-Festival im August ziehen zwar in- und ausländische Gäste in Scharen an, um Übernachtungen in den Hotels oder auf der Insel drängeln sich aber verständlicherweise die Ausländer. Der Nationalfeiertag vom 20. August verspricht rund um die Staatsgründung und das Fest des neuen Brotes Massenaufläufe im besten Volksfest-Charakter. Pech nur für die Hotelbranche, dass der bedeutendste Feiertag des Landes in diesem Jahr auf einen Samstag fällt. Im Herbst gibt es dann noch ein langes Wochenende, da Allerheiligen (1. November) auf einen Dienstag fällt. An die Stelle des Balaton rücken in der Publikumsgunst in der kühleren Jahreszeit die Wellnesshotels, die dann nach Ansicht der Experten wieder restlos ausgebucht sein werden.

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