Umsiedler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz suchen vor allem im ländlichen Raum nach Immobilien dieses Idealtyps. Foto: BZ-Archiv/ Rainer Ackermann

Immobilienmarkt

Deutsche hängen Chinesen ab

Deutsche sind weit vor Slowaken und Rumänen die eifrigsten Immobilienkäufer in Ungarn.

Dabei bevorzugen sie – ähnlich wie Österreicher und Schweizer – eindeutig den ländlichen Raum, wohingegen Chinesen, Vietnamesen und Israelis Budapest praktisch als alternativlos betrachten.

Das Statistische Amt hat die abschließenden Zahlen für den Immobilienmarkt 2021 vorgelegt. Darunter finden sich interessante Details zu den Aktivitäten ausländischer Käufer. Nachdem die Corona-Krise den Markt einbrechen ließ, erwarben Ausländer im vergangenen Jahr ungarnweit wieder rund 5.800 Immobilien – im letzten Vorkrisenjahr waren es zum Vergleich ca. 7.000. Slowaken, Deutsche und Holländer intensivierten ihre Käufe. Das KSH macht insbesondere bei der Nachfrage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (den sog. DACH-Ländern) bzw. aus den Benelux-Staaten ein typisches Muster aus: In diesem Kreis werden eindeutig Immobilien auf dem Lande präferiert, nachdem ein Gutteil dieser Käufer (bis zu einem Viertel) bald in Rente geht oder sich bereits aus dem aktiven Arbeitsleben verabschiedet hat.

Corona vertreibt Preistreiber

Mehr als halbiert hat sich die Zahl der Käufer aus China, Vietnam und Israel, die einzelne Experten vor der Corona-Krise geradewegs als Preistreiber in der Hauptstadt ausmachten. Denn diese Käufer zahlten praktisch jeden Preis und kauften Eigentumswohnungen gewissermaßen vom Reißbrett weg, also noch bevor das Projekt überhaupt realisiert war. Kaum mehr als 5% aller Immobilien-Transaktionen in Budapest hatten 2021 einen ausländischen Käufer, ihr Anteil am Transaktionsvolumen erreichte aber 7%. In Bezug auf die Neubauprojekte sind deutlich höhere Anteile zu unterstellen, diese Zahlen legte das KSH aber nicht vor. Bekannt ist jedoch, dass seit 2018 in ganz Ungarn 50.000 Eigentumswohnungen entstanden.

Das Land hat reizvolle Städtchen – wie hier Veszprém – zu bieten, wo Häuser im Vergleich zum Preisniveau der Hauptstadt noch immer deutlich günstiger zu haben sind. Foto: BZ-Archiv/ Rainer Ackermann

Im vergangenen Jahr wurden nur noch gut 500 chinesische sowie kaum 150 vietnamesische und 100 israelische Käufe registriert. Auch Schweizer, Briten, Belgier, Italiener, Russen und Ukrainer kauften jeweils rund einhundert ungarische Immobilien, Franzosen noch etwa 150, Österreicher und Holländer jeweils etwas mehr als 300. Neben den Deutschen, die alleine mehr als 1.250 Käufe abwickelten und damit die Chinesen erstmals wieder abhängten, stachen nur noch Slowaken (800) und Rumänen (750) aus dem breiten Feld heraus.

DACH-Käufer schwärmen vom Land

Die Ausländer gaben für ihre ungarische „Traumimmobilie“ 2021 charakteristisch 20-30 Mio. Forint im ländlichen Raum und 40-50 Mio. Forint bei (Groß-) Stadtlage aus. Die preiswertesten Immobilien wurden von Rumänen (im Schnitt zum Kaufpreis von 13,5 Mio. Forint) und Holländern (18,5 Mio. Forint) erworben, die teuersten von Vietnamesen (56 Mio. Forint) und Chinesen (53 Mio. Forint). Knapp unter 50 Mio. Forint blieben im Durchschnittspreis Franzosen und Russen, die dabei ebenso wie die Asiaten bevorzugt Immobilien in Budapest kauften. Derweil entschied sich nur jeder achte Schweizer und Österreicher sowie jeder neunte Deutsche für die Hauptstadt, die große Mehrheit der Käufer aus den DACH-Ländern zog es aufs Land. Die Schweizer zahlten dementsprechend nur durchschnittlich 30 Mio. Forint (zum damaligen Wechselkurs etwa 90.000 Schweizer Franken) für eine Immobilie, Deutsche zahlten laut Statistik 26,5 Mio. Forint (ca. 75.000 Euro) und Österreicher 25 Mio. Forint (knapp 70.000 Euro).

Reales Preisniveau doppelt so hoch wie 2015

In Forint ausgedrückt wechselten Wohnimmobilien den Besitzer 2021 für durchschnittlich 16% höhere Preise, als im Corona-Krisenjahr 2020, bei Neubauwohnungen erreichte der Preisanstieg beinahe 20%. Im Vergleich zu 2015 haben sich die Wohnungspreise mehr als verdoppelt, inflationsbereinigt beträgt der Anstieg noch immer 75%. Diese Preisexplosion beschleunigte sich in der zweiten Jahreshälfte 2021 und setzte sich etwas verhaltener auch im bisherigen Jahresverlauf 2022 fort. Zur Jahresmitte lag das reale Preisniveau ungarnweit nahezu doppelt so hoch wie 2015. In einem Umfeld wachsender Inflation lagen die Preise im II. Quartal nominal um annähernd ein Viertel höher, als vor einem Jahr – einen dermaßen intensiven Preisauftrieb hat das KSH nie zuvor gemessen.

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