Kritik an „Otthon Start“

Da drohen Schuldenberge

Der frühere Notenbankpräsident György Surányi hat vorsichtige Kritik am neuen Wohnkreditprogramm geäußert.

Der Wirtschaftsprofessor verwies gegenüber dem liberalen Nachrichtenportal hvg.hu zunächst auf drei Vorteile gegenüber früheren Konstruktionen, mit denen die Orbán-Regierung in den Wohnungsmarkt eingriff. So gelte „Otthon Start“ nur für den Erwerb von Erst-Immobilien, der Transaktionswert insgesamt bzw. in Bezug auf den Quadratmeterpreis wurde begrenzt. Der Festzins stürzt den Staat jedoch in unberechenbare Schulden, warnt Surányi, der die Ungarische Nationalbank (MNB) schon kurz zur Wendezeit und nochmals zwischen 1995 und 2001 leitete. Er spricht aus Erfahrung, denn 1995 schoss die Inflation im Zuge des Bokros-Sparpakets auf 30% und mehr in die Höhe – die MNB senkte den seit der Wende zweistelligen Leitzins erst am Jahresende 2001 unter 10%.

Als weitere Kritik merkte Surányi an, das neue Programm helfe sicher nicht den sozial Bedürftigen, die dringend Wohnraum benötigen würden. Obendrein wird die Inflation am Wohnungsmarkt durch die künstliche Belebung der Nachfrage weiter angeheizt. Stattdessen sollte ein sozialer Wohnungsbau angeschoben werden, bei dem der Staat nicht unbedingt im Vordergrund steht, sondern als Garant bei Zahlungsausfällen das private Kapital zu Projekten animieren könnte. Sehr wahrscheinlich ließen sich Mieten sozialverträglicher abfedern als die Kosten des Festzins. Garantien wären auch wichtig, um mehr leerstehende Wohnungen in den Markt zu integrieren.

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