Notenbank-Vize Barnabás Virág: „Wir müssen zuerst den Markt stabilisieren, weil es ohne das keine Preisstabilität geben kann.“ Foto: MTI/ Lajos Soós

Nationalbank

Brutale Zinserhöhung, um Forint zu stabilisieren

Die Ungarische Nationalbank (MNB) hat den maßgeblichen kurzfristigen Zinssatz am Freitag außer der Reihe auf 17-18% angehoben und den Zinskorridor bis auf 25% ausgeweitet.

Damit reagiert die Notenbank auf die Entwicklung des Forintkurses, der im Oktober in eine bedrohliche Abwärtsspirale geraten ist.

Notenbank-Vize Barnabás Virág kündigte am Freitagvormittag mehrere neue Maßnahmen zur Stabilisierung des Geldmarktes an. So wird die MNB künftig den größten Teil der für die Begleichung von Energierechnungen benötigten Devisen direkt bereitstellen. Es werden neue Ausschreibungen für Tagesgelder mit deutlich höheren Zinssätzen eingeführt.

Zudem habe der Währungsrat die Obergrenze des Zinskorridors, den Zinssatz für gedeckte Overnight-Kredite, um 950 Basispunkte von bislang 15% auf 25% angehoben und die einwöchige gedeckte Kreditfazilität ausgesetzt. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass ab Freitag die Tagesgeldfazilitäten für Devisenswapgeschäfte (T/N) und Tagesgeldfazilitäten für schnelle Einlagen (O/N) auf Tagesbasis zu höheren Zinssätzen als bisher bekannt gegeben werden, wobei erstere 17% und letztere 18% betragen.

Wie der MNB-Vize aus Washington informierte, werden die Maßnahmen die Verhältnisse von Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt erheblich verändern. Dazu unterstrich er, die Leistungsbilanz falle ohne den Energiesaldo insgesamt positiv aus.

Intervention mit allen Elementen

Virág betonte, dass die anstehenden Herausforderungen den Einsatz gezielter und befristeter Instrumente rechtfertigen. Im gegenwärtigen turbulenten Finanzmarktumfeld hat die MNB neben dem vorrangigen Ziel der Preisstabilität vor allem die Sicherung der Marktstabilität im Blick und ist bereit, zu diesem Zweck mit allen Elementen ihres Instrumentariums zu intervenieren.

Die eingesetzten Instrumente zielen darauf ab, eine rasche und flexible Umsetzung restriktiverer geldpolitischer Bedingungen auf den Teilmärkten zu gewährleisten, die für die geldpolitische Transmission als entscheidend gelten, d. h. sowohl auf dem Interbankenmarkt als auch auf dem Swapmarkt. Die MNB wird die Entwicklungen auf den Wirtschafts- und Finanzmärkten weiter beobachten und diese Instrumente so lange wie nötig einsetzen, um die Marktstabilität zu gewährleisten.

Forint erstarkte umgehend

Nach den Ankündigungen der MNB wertete der Forint umgehend gegenüber den wichtigsten Währungen stark auf. Ausgehend vom historischen Tiefpunkt Ende September bei 424 Forint zum Euro und 437,50 Forint zum US-Dollar (bzw. 445 Forint zum Schweizer Franken) war die heimische Währung in den ersten Oktober-Wochen einem wahren Spießrutenlauf ausgesetzt, zuletzt mit nahezu täglichen Kursrekorden. Dabei fiel der Forint bis auf 434,10 gegen den Euro und 450,00 gegen den Dollar durch.

Spekulationen um eine massive Zinserhöhung ließen den Forint ab Donnerstag aufwerten, nach den Worten des MNB-Vize aber korrigierte der Kurs am Freitagvormittag bis auf 416,20 Forint zum Euro bzw. 426,30 Forint zum Dollar.

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