Nationalbank
Bekommt der Glanz Flecken?
Der vormalige Präsident der Ungarischen Nationalbank (MNB), György Matolcsy, hatte ein besonderes Faible für das Ausgeben gewaltiger Milliardenbeträge: die Restaurierung und Modernisierung des klassischen Hauptgebäudes der Notenbank am Szabadság tér in der Pester Innenstadt verschlang allein 81 Mrd. Forint ( zu heutigen Preisen gut 200 Mio. Euro). Das war das Anderthalbfache der für das Projekt anfänglich veranschlagten Summe.
Überzogene Preise bei Bauarbeiten?
Sein Nachfolger im Amt, Mihály Varga, versprach unverzüglich umfassende Untersuchungen, um alle Anomalien im Hause der MNB aufzuklären. Nun stellt die MNB Anzeige, nachdem Experten im Auftrag des Aufsichtsrates einen Bericht vorlegten, wonach die umfangreichen Bauarbeiten mit überzogenen Preisen angesetzt wurden. Die Nationalbank behält sich alle rechtlichen Schritte vor und will wegen offenkundiger Baumängel Garantien in Milliardenhöhe abrufen.
Ein guter Freund erhielt den Auftrag
Der Generalunternehmer Raw Development Kft. wurde von der damaligen MNB-Führung unter Umgehung der Ausschreibungsregeln für öffentliche Auftragsvergaben ausgewählt, obgleich die Firma keine entsprechenden Referenzen für die Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude vorlegen konnte. Firmenchef Bálint Somlai galt jedoch als Freund der Familie Matolcsy. Laut Staatlichem Rechnungshof (ÁSZ) soll die MNB für die Renovierungsarbeiten 4 Mio. Forint (ca. 10.000 Euro) pro Quadratmeter gezahlt haben, beim ungefähr zur gleichen Zeit restaurierten Gebäude des Finanzministeriums waren es 1,7 Mio. Forint. Der ÁSZ sah zudem eine fehlende Transparenz bei vielen Entscheidungen. So habe die MNB-Führung den Finanzierungsrahmen von 55 auf 70 Mrd. Forint angehoben, ohne diesen Kostenanstieg entsprechend fachlich zu unterlegen.
