Moody‘s
Ausblick für Bankensystem negativ
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Neben dem ungarischen sind die Bankensysteme Deutschlands, Italiens, Tschechiens, Polens und der Slowakei betroffen.
Die Ratingagentur betonte, dass sie eine weitere Verschlechterung der operativen Bedingungen in diesen Volkswirtschaften erwartet, was die Qualität der ausstehenden Portfolios der Banken sowie ihre Rentabilität und ihren Zugang zu Finanzmitteln schwächen wird. Der Preis- und Zinsanstieg beeinträchtigt die Kreditwürdigkeit vieler Unternehmen und Haushalte, was zu problematischen Außenständen führen kann.
Negative Korrektur bei BIP-Erwartungen
In einer separaten sechsseitigen Analyse des ungarischen Bankensystems geht Moody‘s davon aus, dass sich die Wachstumsrate des hiesigen BIP von 5,5% in diesem Jahr auf 0,8% in 2023 verlangsamen wird. Die Rating-Agentur war zuvor noch davon ausgegangen, dass die ungarische Wirtschaft 2023 um fast 3% wachsen würde. Laut Moody‘s ist die negative Korrektur auf einen deutlichen Anstieg der Verbraucherinflation und der Zinssätze sowie auf die nachlassende Nachfrage der wichtigsten Exportpartner zurückzuführen. Moody‘s geht des Weiteren davon aus, dass die Jahresinflation im Dezember 19% betragen und sich Jahresende 2023 auf 6,3% abschwächen wird.
Die Kreditvergabe war durch ein sehr starkes Wachstum im I. Halbjahr 2022 begünstigt, aber die Wachstumsmöglichkeiten der Banken werden in den nächsten 12-18 Monaten begrenzt sein. Die Kreditvergabe wird im kommenden Jahr noch um 4% ansteigen; demgegenüber waren in diesem Jahr Wachstumsraten von 15% im Unternehmenssektor und von 11% bei Privatkunden zu verzeichnen.
Schwierigkeiten auf internationalen Anleihemärkten
Die Kapitallage der Banken wird sich abschwächen. Die ungarischen Banken stützen sich bei der Finanzierung weiterhin hauptsächlich auf eine stabile inländische Einlagenbasis, aber die größten Banken haben Schwierigkeiten, sich auf den internationalen Anleihemärkten zu refinanzieren. Der Rating-Agentur zufolge haben die staatlichen Maßnahmen, die den Banken einen erheblichen Teil ihrer Gewinne entzogen, ein unsicheres Umfeld geschaffen, das die Attraktivität der ungarischen Banken für ausländische Investoren weiter geschwächt hat.
Der Anteil der faulen Kredite am ausstehenden Bruttokreditportfolio des ungarischen Bankensystems kletterte bis Ende Juni 2022 auf 3,5%. Moody‘s betont jedoch, dass die Banken über ausreichende Reserven verfügen, um Verluste aufzufangen. Die Rücklagen für Kreditausfälle der von der Ratingagentur bewerteten Banken deckten Ende 2021 gleich 94% aller faulen Kredite ab.
