Junge Familien wollen sich noch einmal richtig Urlaubmachen gönnen. Foto: BZ/ Rainer Ackermann

Urlaubsplanung

Auch hier eine Zweidrittelmehrheit  

Inflation und schwacher Forint haben viele Sommerplanungen durchkreuzt, noch ehe der Energiekostenschock eintrat.

Zwei Drittel der Ungarn (!) verzichten in diesem Jahr auf jede Urlaubsreise, zeigt eine Erhebung des Publicus-Instituts im Auftrag der linken Tageszeitung „Népszava“.

Der „Schönheitsfehler“ dieser Umfrage: Sie wurde in der ersten Juli-Woche vorgenommen. Da stürzte der Forint gerade in immer neue Rekord-Tiefen, doch für mehrere hunderttausend Kleinunternehmer war die (Steuer-) Welt noch heil, und neben dem billigen Sprit durften die hiesigen Haushalte auch bei Strom und Gas aus dem Vollen schöpfen, hielt die Regierung doch auf Biegen und Brechen an ihrer Politik der gesenkten Energiekosten fest. Umso tragischer wirken bereits diese Ergebnisse der gewissermaßen verfrühten Urlaubsumfrage.

Kurzerhand abgesagt

Wegen der rasant steigenden Preise änderte bereits Anfang Juli ein Viertel der Befragten die Reisepläne. Gleich 58% (!) sagten ihren Urlaub kurzerhand und alternativlos ab. Unter den alternativen Antworten entschieden sich 21% für einen kürzeren Urlaub, 14% für eine kostengünstigere Unterkunft und 9% für einen Inlandsaufenthalt an Stelle der geplanten Auslandsreise. Jeweils ungefähr ein Viertel der Befragten glaubt, am ehesten beim Essen und bei der Unterbringung sparen zu können,  im Gegensatz dazu erklärten 46%, im Urlaub gewiss nicht aufs Geld zu schauen.

Sechs von zehn Befragten bleiben im Inland, ein Viertel präferiert das Ausland, und jeder Siebte kann sich weiterhin mehrere Urlaubsreisen im In- und Ausland leisten. Urlaubsreisen gönnen sich am ehesten junge Leute bzw. Akademiker, am wenigsten Rentner, die zudem am ehesten der Heimat treu bleiben. Eine relative Mehrheit von 45% der Befragten plant 50.-150.000 Forint pro Kopf als Urlaubsbudget ein, weitere 22% kalkulieren mit 150.-300.000 Forint, 6% geben 300.-500.000 Forint und nochmals 8% sogar mehr als eine halbe Million Forint pro Person aus. Auf der anderen Seite der Skala findet sich jeder Sechste, der mit weniger als 50.000 Forint auskommen will. Das ist freilich nicht ganz unmöglich, wenn die Reise zu Verwandten oder Freunden führt.

Rekorde und schwarze Wolken

Die staatliche Tourismusagentur (MTÜ) schwärmte von einem Rekord-Juni bei den Inlandsreisen. Es wurden 4 Mio. Übernachtungen registriert, die einheimischen Gäste steigerten ihre Buchungen im Vergleich zum letzten „Friedensjahr“ 2019 um 15%. Im I. Halbjahr summierten sich die Übernachtungen auf 15,5 Millionen – nur noch 9% fehlten am Rekordergebnis von 2019. Unter den ausländischen Gästen sind wieder Deutsche, Tschechen, Rumänen und Österreicher im Übergewicht, deren Zahl aber weiterhin nicht an die Rekordjahre heranreicht.

Weitaus kritischer betrachtete Tamás Flesch die Lage für das heimische Gastgewerbe. „Heute lautet die Frage nicht, wie viele im Sommer in Urlaub fahren wollen, sondern wer überhaupt das Geld dafür aufbringen kann“, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes bereits im April voraus. Im Interview für das Info-Radio meinte der Experte schon damals, eine Familie mit zwei Kindern werde für eine Woche Urlaub am Balaton in der Hauptsaison in einem Mittelklassehotel mindestens 500.000 Forint einplanen müssen. Das sei extrem viel für die meisten Familien, aber immer noch wenig für das Gewerbe, das nach zwei katastrophalen Jahren endlich wieder schwarze Zahlen schreiben wollte.

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