DUIHK-Geschäftsführerin Barbara Zollmann vor mehreren hundert Unternehmensführern beim Jahresauftakt der Kammer. Fotos: DUIHK/ Csaba Pelcsőczy

DUIHK-Jahresauftakt

„2025 war ein Jahr des Überlebens“

Auch 2026 wird für die rund 900 deutschen und ungarischen Mitgliedsunternehmen der DUIHK viele Herausforderungen mit sich bringen – das war der Tenor der Redner beim Jahresauftakt der Kammer.

„Unser Ziel für 2026 ist klar: Die Präsenz deutscher Unternehmen in Ungarn soll nicht nur stabil bleiben, sondern auch geschäftlich berechenbarer und profitabler werden“, sagte DUIHK-Präsident Dr. Róbert Keszte zum traditionellen Jahresauftakt vorige Woche vor gut 250 Firmenvertretern. Die Aufgabe der Kammer bestehe darin, deutschen Unternehmen in Ungarn inmitten von Unsicherheiten Stabilität, Berechenbarkeit und praktische Unterstützung zu bieten.

Vorsichtiges Wachstum erwartet

Rückblickend auf das abgelaufene Jahr sagte Keszte: „Es war ein Jahr des Überlebens und der Anpassungsfähigkeit.“ Unsicherheit, verhaltenes Wachstum und strukturelle Veränderungen hätten das internationale Umfeld geprägt. Dennoch habe die deutsch-ungarische wirtschaftliche Zusammenarbeit ihre Stärke bewahrt, Deutschland sei weiterhin der wichtigste Wirtschaftspartner Ungarns, und das langfristige Engagement deutscher Unternehmen auf dem ungarischen Markt habe nie in Frage gestanden.

Für 2026 sieht Präsident ein „vorsichtiges Wachstum”. Für Deutschland und Ungarn sieht er für die Belebung der Wirtschaft drei Bereiche als besonders wichtig an. Zum einen gelte es, die Produktivität in der Industrie zu stärken und dabei auch auf Technologien (Stichwort: KI) zu setzen. Dazu bedürfe es aber guter Fachkräfte, einer modernen digitalen Infrastruktur und eines entsprechenden Regulierungsrahmens. Ein zweiter wichtiger Bereich sei die gleichzeitige Bewältigung einer verlässlichen Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Kosten und einer grünen Transformation. Und schließlich sei die Stärkung der Berufsbildung, der Hochschulausbildung und des Management-Know-Hows von zentraler Bedeutung. Aus ungarischer Sicht gehe es darum, die Attraktivität für Investoren und die erarbeitete Rolle in den europäischen Wertschöpfungsketten der deutschen Industrie zu bewahren, meinte Keszte.

Niedriges Potenzial in Deutschland

Um die mittelfristigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu beleuchten, hatte die DUIHK zwei hochkarätige Ökonomen zur Veranstaltung eingeladen: aus Deutschland Prof. Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft, und aus Ungarn den Chefanalysten des Wirtschaftsportals Portfolio, István Madár. In den Vorträgen und einem Podiumsgespräch wurde deutlich, dass in beiden Ländern mit einem raschen, spürbaren Konjunkturaufschwung wohl nicht zu rechnen sei, und das langfristig mehrere strukturelle Herausforderungen gelöst werden müssen.

DUIHK-Präsident Dr. Róbert Keszte mit den Gastrednern Prof. Veronika Grimm und István Madár (v. l.).

Prof. Grimm sieht für Deutschland auch mittelfristig nur ein niedriges Potentialwachstum, das infolge der abnehmenden Zahl von Arbeitnehmern (Stichwort: „Babyboomer“) sogar noch weiter abnehmen werde. Hinzu kommen strukturelle Probleme im verarbeitenden Gewerbe und Wachstumshemmnisse durch eine enorme Regulierungsbelastung für die Wirtschaft. Sie plädierte deshalb für deutlich mehr Anstrengungen bei Bildung und Forschung und einen deutlichen Abbau von bürokratischen Auflagen und Restriktionen. Letzteres gelte insbesondere für Bereiche wie KI, aber auch den Arbeitsmarkt oder die Förderung von Startups.

Ungarns Wachstumsmodell erschöpft

Auch für Ungarn sieht István Madár wenig Potential für eine kräftige Erholung der Wirtschaft, zumal die im April anstehenden Parlamentswahlen zusätzliche Unsicherheiten für die Unternehmen mit sich bringen. Strukturell sieht der Analyst eine grundlegende Veränderung in den Rahmenbedingungen für die ungarische Wirtschaft. Bis etwa 2020 hätte Ungarn von einer günstigen internationalen Umgebung, von niedrigen Zinsen, enormen EU-Transfers, einer wettbewerbsfähigen Exportstruktur und großen Arbeitskraftreserven profitiert, aber all diese Faktoren für ein andauerndes Wirtschaftswachstum von 4-5% seien heute so nicht mehr gegeben. Seit zwei-drei Jahren stagniere die Wirtschaft, und auch 2026 würden nur zyklische Faktoren zu einem bescheidenen Wachstum verhelfen. Mittelfristig habe auch Ungarn mit strukturellen Herausforderungen zu kämpfen, wie der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der EU insgesamt, Protektionismus, fiskalischen Risiken und Arbeitskräftemangel. Dementsprechend trüb sei die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern, was sich auch in einer starken Verringerung der Investitionstätigkeit niederschlage.

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