DUWZ-Geschäftsführer Dr. Jörg Dötsch: „Viele meiner bisherigen beruflichen Erfahrungen sind Teilelemente meiner jetzigen Arbeit.“ Fotos: DUWZ

Gespräch mit DUWZ-Geschäftsführer Dr. Jörg Dötsch

Wettbewerbsvorteile durch qualifiziertere Mitarbeiter

Seit knapp einem Jahr leitet Dr. Jörg Dötsch das Deutsch-Ungarische Wissenszentrum. Wir sprachen mit ihm über die aktuelle Situation des Zentrums sowie dessen Perspektiven.

Was führte Sie an die Spitze des Wissenszentrums?

Ich bin schon seit über zwanzig Jahren Wahlbudapester. Ursprünglich hat mich die Liebe nach Ungarn geführt, aber ich bin gerne geblieben. Seitdem habe ich in der Automobilindustrie gearbeitet, in der Immobilienbranche und war lange Jahre im Hochschulwesen unterwegs, unter anderem als Studiengangsleiter „International Economy and Business“ und Beauftragter für Wirtschaftskontakte an der Andrássy-Universität Buda­pest und als Dozent an der Technischen Universität Budapest. Die besondere Beziehung von Bildung, Qualifizierung und Wirtschaft hat mich eigentlich immer beschäftigt, daher war der Mix meiner Berufserfahrung ein guter Match mit der Tätigkeit des Wissenszentrums. Mit dem hatte ich auch vorher bereits Kontakt.

War die Umstellung groß?

Nein, eigentlich nicht. Viele meiner bisherigen beruflichen Erfahrungen sind Teilelemente meiner jetzigen Arbeit. Der Übergang war organisch und reibungslos, nicht zuletzt, weil mir mein Team diesen leicht gemacht hat.

Was genau ist das Deutsch-Ungarische Wissenszentrum?

Das Deutsch-Ungarische Wissenszentrum ist eine hundertprozentige Tochter der DUIHK und bietet Dienstleistungen im Bereich Aus- und Weiterbildung. Seit 2013 ist sie als selbständige Kft. tätig. Unsere Schwerpunktthemen sind Berufsausbildung nach deutschem Vorbild, Soft Skills und Führungskräfteentwicklung, Energieeffizienz, ESG und ISO-Schulungen, dazu kommt jetzt auch Künstliche Intelligenz. Unsere Büroräume mieten wir übrigens im Haus der Ddeutsch-Ungarischenen Wirtschaft in der Lövőház utca. Wenn sie nicht gerade beim Kunden sind, arbeiten dort sechs feste Mitarbeiter. Außerdem können wir uns auf einen Pool von etwa vierzig externen Trainern stützen.

Aber warum ein Tochterunternehmen der DUIHK?

Der Hintergrund ist, dass die deutschen Außenhandelskammern deutsche Unternehmen im Ausland auch im Bereich Qualifizierung unterstützen. Deutsche Ausbildungsberufe dürfen beispielsweise ausschließlich im Rahmen des Kammernetzwerks umgesetzt werden; diese Rolle übernimmt in Ungarn das Deutsch-Ungarische Wissenszentrum. Wir stellen die institutionelle Infrastruktur, Expertise und Qualitätssicherung für Unternehmen zur Verfügung, die nach deutschem Vorbild ausbilden wollen, wir stellen die entsprechenden Zertifikate aus. Außerdem bieten wir IHK-Fortbildungen auf Lizenzbasis, das ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt für Qualifizierung. Aber natürlich bieten wir auch darüber hinaus eine breite Palette an Qualifizierungsdienstleistungen. Mit diesen stellen wir uns, ganz unabhängig von der Kammer, voll dem Wettbewerb.

Sie bilden selbst aus?

Wir sind ein Teil der Ausbildung. Prinzipiell können wir komplette Ausbildungsberufe nach deutschem Muster umsetzen, oder aber Ausbildungsformate nach deutschem Vorbild implementieren. Das machen wir beispielsweise gemeinsam mit der Audi-Schule in Győr, wo man den Ausbildungsberuf Industriekaufmann erlernen kann.

Sie haben IHK-Fortbildungen auf Lizenzbasis erwähnt. Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Das Grundkonzept kommt aus dem Netzwerk der deutschen Industrie- und Handelskammern. Die Mitgliedsunternehmen selbst bringen dort ein, nach welchen Fortbildungskonzepten Bedarf besteht und welche Parameter sinnvoll für eine konkrete Qualifizierung sind. Die IHK Bildungs-GmbH entwickelt aus diesem Input konkrete Qualifizierungsformate, die dann wieder von den IHKs angeboten werden können. Davon profitieren dann am Ende alle.

Entscheidend ist: die Impulse kommen aus der Praxis, unmittelbar aus der Wertschöpfung, und die Qualitätsstandards sind hoch. Als Tochter der DUIHK können wir, als einziger Anbieter, die IHK-Lizenzen für solche Fortbildungskonzepte erwerben und bieten diese dann, maßgeschneidert für den ungarischen Markt hiesigen Kunden an. Dieses Konzept ist ein Teil der Erfolgsgeschichte mancher bedeutender deutscher Unternehmen vor Ort, und darauf sind wir stolz.

Um was handelt es sich hierbei konkret?

Im Prinzip können wir alle IHK-Qualifizierungen auch in Ungarn anbieten. Ein sehr erfolgreiches solches Format ist die Fortbildung zum „Industriemeister”, die in Deutschland hoch angesehen ist und mit der wir seit mehreren Jahren in Ungarn wirklich sehr schöne Erfolge mit namhaften Kunden im maßgeschneiderten „in house“-Format erzielen, zum Beispiel mit Mercedes in Kecskemét oder Körber in Pécs. Aktuell bieten wir auch den „AI Manager“, den „Data Analyst“ und den „Specialist for hydrogen applications“.

Aber Sie bieten diese Dienstleistungen nicht exklusiv an?

Das kommt darauf an, wie die Frage gemeint ist: ja, nur das Deutsch-Ungarische Wissenszentrum darf Fortbildungen anbieten, mit denen man ein IHK-Zertifikat erwirbt, insofern ja, ausschließlich. Aber natürlich bieten wir darüber hinaus auch ein breites Portfolio interessanter Qualifizierungsmaßnahmen an, mit denen wir uns ganz normal am Markt behaupten müssen. Das betrifft unsere Trainings zu ISO-Standards, aber natürlich auch alle Soft-Skills Themen. Zahlreiche Qualifizierungen bieten wir als offene Trainings an, und selbstverständlich sind wir landesweit auch mit „in house” Trainings präsent.

Sie haben Ihre Position von Mária Boros-Huber übernommen. Was haben Sie vorgefunden?

Zunächst einmal ein hervorragendes, sehr motiviertes Team, klare Strukturen und stabile Prozesse. Meine Vorgängerin war im Bereich der Berufsbildung in Ungarn eine angesehene Persönlichkeit und hat dieser Organisation eine Architektur und Arbeitskultur gegeben, die eine sehr gute Antwort auf die Anforderungen in diesem Geschäft ist. Das war auch eine solide Ausgangsbasis für mich. Ich bin von ihr strukturiert eingearbeitet worden, alle Kollegen waren sehr kooperativ, hilfsbereit und offen, wofür ich sehr dankbar bin. Das gilt übrigens auch für die Kooperation mit den Kollegen auf allen Arbeitsebenen der DUIHK.

„Wir haben ein hervorragendes, sehr motiviertes Team, klare Strukturen und stabile Prozesse.“

Wie sieht es mit der geschäftlichen Situation aus?

Auch geschäftlich war die Situation solide, die Struktur des Dienstleistungsportfolios ist weit gefächert und modern, es gibt gute Entwicklungsmöglichkeiten. Freilich ist die Situation am Markt derzeit für niemanden einfach.

Was meinen Sie damit?

Ein großer Teil unserer Kunden gehört zum produzierenden Gewerbe, darunter sind namhafte Großkunden, aber auch viele KMU. Wir arbeiten nicht nur für Mitglieder der DUIHK, sondern operieren auch am offenen Markt. Die Probleme der Industrie in Europa, vor allem in Deutschland und auch hierzulande sind ja bekannt. Oft wird am HR-Budget gespart. Das bekommen wir immer wieder zu spüren.

Wie reagieren Sie darauf?

Zunächst einmal mit einem eigentlich alten Rezept. Es klingt vielleicht ein wenig plakativ, aber in erster Linie versuchen wir uns durch Qualität zu unterscheiden. In unserem Geschäft bedeutet das einmal, dem Kunden aufmerksam zuzuhören, damit wir ihn wirklich mit einem maßgeschneiderten Angebot unterstützen können. Jede Organisation tickt ja anders, jede Branche und jede Region hat ihre eigenen Herausforderungen. Und dann bedeutet Qualität die fachliche Expertise in den einzelnen Themenbereichen. Uns geht es allein um die Qualität und wir lassen uns auf keinen Preiswettbewerb ein. Die Qualifizierung von Mitarbeitern ist stets gute Investition und niemand kann es langfristig ohne versuchen. Dass allein ein hoher Qualitätsanspruch und gründliche Arbeit nachhaltig sind, war schon immer eine wichtige Grundüberzeugung für das Wissenszentrum und dafür stehe auch ich. Schließlich vertreten wir nicht zuletzt den Anspruch des deutschen Industrie- und Handelskammernetzwerks, nämlich hohe Qualitätsstandards umzusetzen, deren Parameter in der Praxis entstehen.

Beharrlichkeit statt Veränderung?

Beharrlich sind wir in unserem Leistungsanspruch. Inhaltlich müssen wir uns natürlich gerade auf die Veränderungen von Technologie und Arbeitskultur konzentrieren. Auch bestehende, hoch anerkannte Fortbildungsformate in der Produktion wie etwa den erwähnten „Industriemeister” müssen wir im Detail natürlich kontinuierlich dem neuesten technologischen Stand anpassen.

Wo wollen Sie als neuer Geschäftsführer besondere Akzente setzen?

Angesichts der Marktsituation war mir eine deutlichere Verkaufsorientierung wichtig, und das hat entsprechend Auswirkungen auf die tägliche Arbeit. Mit dem Kunden persönlich in Kontakt zu kommen, ist aus meiner Sicht entscheidend. Vertrauen und Verständnis, die Grundlagen für unser Geschäft, entwickelt man vor allem persönlich. Wir haben unsere Außendienstkontakte in diesem Jahr daher etwa vervierfacht, und dieses Volumen sollte auch so hoch bleiben. Aber auch unsere digitale Reichweite konnten wir erheblich verbessern.

Außerdem setzen wir verstärkt auf verlässliche Partnerschaften. Wir vertiefen derzeit unsere Zusammenarbeit mit den Kammern der Komitate, so können wir uns besser auf den Bedarf bestimmter Regionen einstellen. Darüber hinaus haben wir uns mit neuen, exzellenten Unternehmenspartnern neue Möglichkeiten für Qualifizierungspartnerschaften eröffnet, dazu gehören die Audi Akademie oder Epic InnoLabs. Nicht zuletzt ändern sich unsere Angebotsformen. Drei Fortbildungen mit IHK-Lizenz, den „AI-Manager”, den „Data Analyst” und den „Specialist for hydrogen applications”, bieten wir inzwischen komplett online an.

Werden Sie zunehmend online qualifizieren?

Das ist langfristig eine wichtige Option, ich sehe darin für uns aber eher eine Nische. Denn komplexe Qualifizierung ist in Präsenz am effektivsten, Menschen lernen unbestritten am besten von Menschen und nicht von Bildschirmen. Und das ist unser Kerngeschäft. Aber ja, wir experimentieren damit, wo wir es für sinnvoll halten.

Welche weiteren Pläne haben Sie?

Inhaltlich setzen wir jetzt klare Akzente im Bereich digitaler Technologie. Seit diesem September bieten wir den bereits erwähnten europaweit anerkannten IHK-Zertifikatslehrgang zum Thema künstliche Intelligenz, den „AI Manager”, in hybrider Form auf Ungarisch an. Ab diesem Herbst werden wir auch ein Qualifizierungsformat für den Bereich Digitalisierung und „AI in der Produktion“ auf den Markt bringen. Beide Dienstleistungen sind in Ungarn absolut einzigartig und technologisch cutting edge.

Das klingt nach einem Schwerpunkt im Bereich Produktion.

Schon allein wegen der Struktur der ungarischen Wirtschaft haben wir natürlich sehr viele Kunden im produzierenden Gewerbe, aber unsere Fortbildungen und Trainings behandeln nicht allein industrielle Themen. Wir sind zum Beispiel in Ungarn einziger Lizenznehmer für den „European Energy Manager”, ein Qualifizierungsformat für den Bereich Energieeffizienz. Dieses Thema betrifft alle Branchen; wir haben damit in den letzten Jahren sehr gute Erfolge erzielt. Während sich die Früchte von Investitionen in die Qualifizierung oft erst langfristig zeigen, hängen sie beim Thema Energieeffizienz sehr tief. Kunden bekommen ihre Investition hier oft schon im ersten Jahr durch Effizienzsteigerung zurück.

Auch das Thema ESG begleitet uns schon länger und auch hier ist für uns die wirklich konkrete Praxisorientierung entscheidend: was bedeuten diese Themen für das Geschäft konkret, was kann ich wie sofort umsetzen und was bringt mir das? Das ist auch für unsere Trainings zu Soft Skills und Führungskompetenz ganz wichtig: Praxisnähe, Umsetzbarkeit und handfeste Ergebnisse. Hier arbeiten wir in allen Branchen und für alle Ebenen, von der Linie bis zum Top-Management. Auch der AI-Manager ist übrigens branchenunabhängig.

Sie haben mehrfach den hohen Qualitätsanspruch betont. Wie stellen Sie diesen konkret bei Dienstleistungen sicher, die Sie nicht auf Lizenzbasis anbieten?

Die entscheidenden Wettbewerbsparameter sind für uns Expertise und die Fähigkeit, den Kunden zu verstehen. Am Ende des Tages heißt das, das alles an den Menschen hängt, mit denen wir arbeiten. Deshalb ist für uns eine respektbetonte, achtsame und konstruktive Arbeitskultur auch mehr als eine Höflichkeitsfrage, sie ist entscheidend. Wir haben derzeit einen Pool von 40 handverlesenen Trainern und können Projekte vom Coaching bis zur Organisationsentwicklung daher wirklich passgenau auf die Anforderungen von verschiedenen Organisationen zuschneiden, und wir können auch sehr viele Personen trainieren. Es sind durchschnittlich etwa tausend Personen pro Jahr. Alle unsere Leistungen evaluieren wir permanent feinkörnig und pflegen mit allen Beteiligten eine sehr enge, partnerschaftliche Kommunikation in allen Prozessen. Die gemessene Kundenzufriedenheit gibt unserem Ansatz recht.

Setzen Sie Ihre Qualifizierungen auch mit externen Partnerunternehmen um?

Ja, natürlich, wenn es für alle Beteiligten vorteilhaft ist und wir dasselbe Verständnis von der Aufgabe haben. Erst diesen Sommer haben wir eine Kooperationsvereinbarung mit der Audi Akademie abgeschlossen. Wir werden gemeinsam die „Industriemeister”-Qualifizierung als offene Fortbildung in der Region Westungarn anbieten. Mit Epic InnoLabs werden wir eine IHK-Fachkraftausbildung für Industrie 4.0, „Digitalisierung und AI in der Produktion” realisieren. Um unsere „AI Manager”-Fortbildung für Ungarn zu spezifizieren, haben wir uns wiederum mit einem jungen IT-Partner zusammengetan.

Ist Künstliche Intelligenz nicht eher ein Thema für IT-Dienstleister?

Gewiss nicht nur. Wer künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen möchte, muss bei der natürlichen Intelligenz anfangen. Künstliche Intelligenz, wenn wir es mal bei dem Sammelbegriff belassen, ist ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Unser Zentrum bietet daher komplementäre Dienstleistungen. Auf der einen Seite den „AI Manager”, der auf die hard skills fokussiert und Mitarbeiter befähigt, künstliche Intelligenz sinnvoll zu einem Element des Unternehmenserfolgs zu machen, sie also bewusst instrumentell einzusetzen und nicht nur damit herumzuspielen. Auf der anderen Seite aber hat die Nutzung jedes Werkzeugs auch Auswirkungen auf den Menschen und die Organisation. Hier setzen unsere spezifischen soft skills-Trainings an. Jeder weiß, dass die Nutzung digitaler Instrumente Einfluss hat auf Konzentration, Kreativität, Kommunikationsfähigkeiten und so weiter. Nur wer beide Seiten versteht und bewusst damit umgehen kann, wird langfristig erfolgreich sein. Dabei helfen wir mit unserer Expertise.

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel