CEO Zsolt Hernádi gegenüber index.hu: „Die ungarische Wirtschaftspolitik war bis 2020 berechenbar. Dahin müssen wir zurück!“ Foto: MOL Nyrt.

CEO der MOL-Gruppe

Zurück zu ausgewogener Politik!

„Sondersteuern sind wie Drogen – man kann sich leicht daran gewöhnen und kommt nur schwer wieder von ihnen los.“ Diese scharfe Kritik an der Wirtschaftspolitik der Orbán-Regierung formulierte der CEO der MOL Nyrt., Zsolt Hernádi.

In einem ausführlichen Interview für das Nachrichtenportal index.hu kritisierte der Vorstandsvorsitzende des größten Unternehmens im Lande die vermehrten staatlichen Eingriffe, die zu verzerrten Marktstrukturen führen. Er wiederholte die schon früher im Zusammenhang mit dem Preisdiktat an den Tankstellen formulierte Aussage, es sei „ein gewaltiger Irrtum, wenn die Regierung glaubt, sie könne jeden Schritt des Marktes regulieren“. Wenn kurzfristige politische Ziele die Rationalität des Marktes überschreiben, bilde sich dies auf der Seite der Großunternehmen als Investitions- und Anlagerisiko ab.

Staat darf nicht permanent eingreifen

Die Sondersteuern wirkten auf den Staat wie Drogen, der sich an deren angenehme Effekte gewöhne, eine immer stärkere Dosis wünsche und schließlich kaum noch von den „Drogen“ herunterkomme. Reichlich desillusioniert stellte Hernádi fest: „Wir lebten in dem Irrglauben, nach dem Ende des Sozialismus wird keine Regierung mehr derart drastisch in die Marktprozesse eingreifen.“ Es sei natürlich nachzuvollziehen, dass die Notwendigkeit einer Korrektur der Prozesse im Staatshaushalt vorübergehend selbst drastische Maßnahmen erfordere. Wo aber permanent korrigiert werde, stelle sich das für die Marktakteure als Unberechenbarkeit dar. Der CEO des Mineralölkonzerns bat die Orbán-Regierung, zu ihrer ausgewogenen Wirtschaftspolitik zurückzukehren, die den Abschnitt bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 prägte.

Es gibt nichts Besseres, als russisches Öl

Die von den Sanktionen gegen Russland mittels Sonderregelungen ausgenommenen MOL-Raffinerien in Százhalombatta bei Budapest und in Bratislava (Slovnaft) sind mittlerweile technologisch imstande, bis zu 35% nichtrussisches Rohöl zu verarbeiten. Hernádi stellte jedoch klar, dass sein Unternehmen am Bezug des russischen Öls festhalten will. Hinter den Sanktionen stünden Erwartungen, die einer politischen Logik folgen. „Keine geschäftliche Rationalität lässt das Argument zu, die russischen Quellen radikal zurückzudrängen und gegen andere einzutauschen.“

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