Außenwirtschaftsminister Péter Szijjártó bei der Ankündigung der Großinvestition im Herbst 2020. Fotos: Außenministerium

Lasselsberger-Gruppe

Stirbt Zalakerámia?

Nach einem Bericht des Nachrichtenportals hvg.hu geben die Österreicher den Standort Romhány auf.

Der Traditionsbetrieb Zalakerámia befindet sich in ernsten Schwierigkeiten, schreibt das liberale Portal. Angeblich soll die Lasselsberger-Gruppe bereits begonnen haben, Fertigungskapazitäten vom zentralen Produktionsstandort im Komitat Nógrád nach Rumänien zu verlagern. Im Betrieb Tófej im Komitat Zala wurde der Belegschaft – knapp 200 Mitarbeitern – bereits im Mai 2023 gekündigt. Seit dem Sommer soll die Produktion auch in Romhány zum Stillstand gekommen sein.

Nur Logistik bleibt

Laut hvg.hu wird dieser Standort künftig nur mehr als Logistikzentrum dienen. Die Umsatzerlöse der Zalakerámia Zrt. stürzten im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr von zuvor 32 auf 12 Mrd. Forint ab! Angesichts eines derartig drastischen Umsatzeinbruchs erscheint es wie ein kleines Wunder, dass die Gruppe 2023 „nur“ 2,1 Mrd. Forint Verluste schrieb. Sowohl im Inland als auch auf den Exportmärkten brach die Nachfrage für die Produkte des Traditionsherstellers ein. Das betraf aber nicht nur die Fliesen. Auch der Verkauf von Rohstoffen wie Kies und Kalkstein, die früher ein starkes Standbein bei Zalakerámia bildeten, ging dramatisch zurück. Daran wiederum hat – wie das liberale Portal betont – die Orbán-Regierung selbst schuld, die ausländische Baustoffhersteller mit deftigen Sondersteuern belegte. Weil der rumänische Baumarkt derweil boomt, erscheint die Produktionsverlagerung nach Osten nur zu logisch.

Es war einmal…

Ende 2020 gewährte die Orbán-Regierung den Österreichern noch Zuschüsse in Höhe von 5,5 Mrd. Forint für ein Investitionsprojekt, das auf 22 Mrd. Forint veranschlagt wurde. Ein neuer Betrieb mit 210 Arbeitsplätzen sollte neben dem hiesigen Markt auch Rumänien und die Slowakei mit Fliesen beliefern. Sogar ein eigenes Berufsbildungszentrum für Fliesenleger wollte man in dem kleinen Ort im strukturschwachen Komitat Nógrád einrichten.

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