Einzelhandelssektor

SPAR kontra Lidl

Die Supermarktkette SPAR schreibt wegen ihrer verfehlten Geschäftspolitik rote Zahlen. Das behauptet das regierungsnahe Nézőpont-Institut gestützt auf einen Vergleich mit der Diskontkette Lidl und der Hypermarktkette Tesco in Ungarn.

Ausgangspunkt der Untersuchung waren die in österreichischen Medien und bei der EU-Kommission vorgebrachten Vorwürfe, wonach die von der Orbán-Regierung verhängten Sondersteuern das alleinige Ziel verfolgten, den Einzelhandel an Fidesz-nahe Oligarchen zu übertragen. SPAR gehört nach den Umsatzerlösen ebenso zur TOP3 des ungarischen Einzelhandelssegments wie Lidl und Tesco.

Das Nézőpont-Institut verglich bewusst die Geschäftszahlen der drei Ketten für die Jahre 2018-22, als die kritisierten Sondersteuern noch nicht wirksam waren. In jenen fünf Jahren konnte Lidl die Umsatzerlöse auf 975 Mrd. Forint nahezu verdoppeln. SPAR wuchs um knapp die Hälfte auf 765 Mrd. Forint, Tesco fiel im Wettbewerb zurück, da die Briten zu keinen zweistelligen Wachstumsraten imstande waren.

Umsatzrendite im Minus

Bei der Umsatzrendite konnte SPAR Magyarország das selbst gesteckte Ziel von 2-3% in den ersten Jahren souverän erreichen (mit dem Bestwert 3,8% in 2018), reichte aber nie an die Wettbewerber heran, die 5-6% vorlegten. Tesco brach in der Corona-Krise ein, erholte sich aber anschließend und konnte 2022 mit 2,7% sogar noch Lidl übertrumpfen. SPAR fiel derweil über +0,8% in 2021 tief ins Minus (-1,7% in 2022). Damit enttäuschten die Österreicher nicht nur die eigenen Erwartungen, sondern blieben auch weit hinter der Konkurrenz zurück, kommentierte das Nézőpont-Institut.

Anständige Ausschüttungen

Schließlich verweist die Analyse auf die Praxis der ins Mutterland der Einzelhandelsketten transferierten Gewinne. In den untersuchten fünf Jahren zahlten sich die britischen Eigentümer von Tesco insgesamt mehr als 110 Mrd. Forint aus (zu heutigen Preisen 280 Mio. Euro), bei Lidl flossen kumuliert gut 100 Mrd. Forint aus Ungarn nach Deutschland ab. Und obgleich SPAR schon in jenen Jahren Probleme mit der Rentabilität aufwies, genehmigten sich die Eigentümer in Österreich noch Ausschüttungen von insgesamt knapp 50 Mrd. Forint (umgerechnet ca. 120 Mio. Euro).

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