MOL-Gruppe

Markteinstieg in Polen naht

Die EU-Kommission hat der Übernahme der Lotos-Gruppe durch PKN Orlen zugestimmt.

Damit gab Brüssel indirekt grünes Licht für einen Deal, mit dem der ungarische Mineralölkonzern MOL starke Positionen in Polen errichten kann: Wegen der entstehenden Marktkonzentration muss PKN nämlich im Tausch für den Lotos-Erwerb eigene Tankstellen abtreten.

Dazu trafen PKN und MOL noch zu Jahresbeginn eine Vereinbarung, die vorsieht, dass die Ungarn für 610 Mio. USD insgesamt 417 Tankstellen in Polen übernehmen werden. Das würde für MOL auf Anhieb Platz 3 auf dem polnischen Tankstellenmarkt bedeuten. PKN Orlen erhält im Gegenzug 185 MOL-Tankstellen in Ungarn (141) und der Slowakei (44), für die der polnische Mineralölkonzern 259 Mio. USD bezahlt. Die Transaktion wird voraussichtlich noch vor Jahresende abgeschlossen. Dann wird die MOL-Gruppe über rund 2.400 Tankstellen in zehn Ländern der Region verfügen und somit ihr für 2025 angepeiltes strategisches Ziel überbieten. Zuletzt erwarb MOL 120 OMV-Tankstellen in Slowenien sowie das Lukoil-Netz in Ungarn und der Slowakei (mit 95 Standorten).

EBITDA und russisches Erdöl

Dank des Markteintritts in Polen dürfte die MOL-Gruppe ihr EBITDA weiter hochschrauben, das laut Prognose der Ersten Bank Hungary nach zuletzt 1.000 Mrd. Forint für das laufende Jahr mit gut 1.550 Mrd. Forint veranschlagt wurde. Darin sind bereits die Nebenwirkungen der neuen Sondersteuern in Ungarn und der Slowakei (mit einer kalkulierten Gesamtbelastung von 350 Mrd. Forint) enthalten, ohne die das EBITDA auf Konzernebene bis zu 2.000 Mrd. Forint erreicht hätte. Übrigens rechnen die Erste-Experten damit, dass die MOL noch ungefähr drei Jahre mit dem billigeren russischen Erdöl wirtschaften kann. Das wiederum ist polnischen Politikern ein Dorn im Auge, die bereits ein Importverbot für MOL-Produkte ins Spiel brachten.

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