Staatssekretär Norbert Izer: Sinkendes Haushaltsdefizit und sinkende Steuersätze. (Foto: BZT / Nóra Halász)

DUIHK-Veranstaltung: Steuern in Ungarn

Entlastung von Bürgern und Unternehmen

Ungarn verlangt von Unternehmen heute die geringste Körperschaftsteuer in der EU, und eine der geringsten Einkommenssteuern. Die Steuerlast soll mittelfristig noch weiter sinken, vor allem aber solle die Steuerverwaltung deutlich vereinfacht werden – sagte der zuständige Staatssekretär letzte Woche auf einem Business Lunch der DUIHK.

Ungarn hat in den letzten Jahren Steuern und Abgaben gesenkt, und verfügt heute mit einem Steuersatz von neun Prozent über die geringste Körperschaftsteuer in der EU. Der Einkommenssteuersatz von 15 Prozent wiederum wird nur noch von Rumänien und Bulgarien unterboten, die nur 10 Prozent von den Bürgern verlangen. Laut Norbert Izer, Staatssekretär für Steuern im ungarischen Finanzministerium ist damit zwar die Abgabenlast in Ungarn in den letzten schon merklich gesunken (von 47,6% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2013 auf 44,4% im vergangenen Jahr), sei aber immer noch spürbar höher als etwa in Polen, der Slowakei oder Tschechien.

Fortsetzung der bisherigen Steuerpolitik

Deshalb will die Regierung ihre bisherige Steuerstrategie auch mittelfristig fortführen: relative hohe Steuern auf den Verbrauch, und niedrige bzw. sinkende Steuern auf Einkommen aus Arbeit und unternehmerischer Tätigkeit, so Izer. Er machte dementsprechend auf der DUIHK-Veranstaltung wenig Hoffnung, dass der mit 27 Prozent höchste Mehrwertsteuersatz in der EU in absehbarer Zeit sinken würde. Auf der anderen Seite sei aber eine weitere Absenkung der Einkommenssteuer vorstellbar. Auch die Arbeitgeber würden weiter entlastet. Die 2016 abgeschlossene Lohnvereinbarung zwischen Regierung, Arbeitnehmern und Unternehmensverbänden ermögliche noch weitere zwei Reduzierungsschritte bei den Sozialabgaben der Arbeitgeber. Der nächste könnte in Abhängigkeit von der Lohnentwicklung und den volkswirtschaftlichen Kennzahlen noch vor Mitte 2020 erfolgen.

Izer betonte, dass die Steuerentlastungen umgesetzt wurden, obwohl gleichzeitig das Haushaltsdefizit reduziert werden konnte. Möglich wurde dies zum einen durch die kräftige Konjunktur der letzten Jahre, die dem Staat erheblich höhere Steuereinnahmen bescherte, zu einem großen Teil aber auch durch die erfolgreiche Zurückdrängung von Steuerbetrug. Laut Izer brachten Maßnahmen wie das System zur Online-Erfassung von LKW-Transporten (EKAER) oder die Einführung der Online-Kassen im Einzelhandel Mehreinnahmen bei der Mehrwertsteuer von inzwischen ca. 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Gingen 2013 in Ungarn noch etwa 21 Prozent der theoretisch möglichen Umsatzsteuereinnahmen in der Schattenwirtschaft verloren, sind es heute „nur noch“ rund 14 Prozent.

Vereinfachung der Sozialabgaben für Arbeitnehmer

Neben der monetären Entlastung plant die Regierung jedoch auch weitere Maßnahmen in der Steuerverwaltung, die Bürger und Unternehmen entlasten sollen. Nachdem z.B. Bürger bereits seit 2017 die Möglichkeit haben, sich die komplette Steuererklärung von der Steuerbehörde NAV vorbereiten zu lassen, soll dies ab 2021 auch bei Unternehmen für bestimmte Steuererklärungen möglich sein. Die Sozialabgaben für Arbeitnehmer werden vereinfacht (wenn auch vorerst nicht gesenkt), und die Zahl von Kleinunternehmen oder Freiberuflern, die vereinfachte Steuermodelle wie „KATA“ oder „KIVA“ wählen, soll weiter steigen.

Dazu investiert die NAV auch massiv in ihre IT-Infrastruktur. Ziel sei, so der Staatssekretär die „papierlose Steuerbehörde“ und die Entwicklung maßgeschneiderter Dienstleistungen. Was damit dann theoretisch alles möglich wäre, skizzierte Gábor Farkas, Direktor für Steuern bei der der Beratungsfirma PwC in seinem Vortrag. Da künftig quasi alle ausgestellten Rechnungen online an die NAV gemeldet werden müssen, könnten in seiner Vision Unternehmen künftig z.B. Rechnungsdaten von Lieferanten direkt von der Steuerbehörde abrufen. Damit würde aber auch die Notwendigkeit entfallen, Rechnungen im Unternehmen für viele Jahre zu archivieren. Doch ob und wann eine solche Möglichkeit Realität wird, mag derzeit noch niemand vorhersagen.

21. DUIHK-Vergütungsreport

Lohndruck lässt nur geringfügig nach

Personalleiter in Ungarn stehen zum Jahreswechsel erneut vor enormen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel lässt kaum nach, während die Arbeitnehmer kräftige Lohnsteigerungen erwarten. Der jüngste Vergütungsreport der DUIHK liefert nun aktuelle Daten über die Gehaltsstrukturen und -trends am Markt.

Aus Arbeitgebersicht haben die Spannungen am Arbeitsmarkt 2019 kaum nachgelassen. Bei steigender Beschäftigung liegt die Arbeitslosenrate auf einem Rekord-Tief, während die Löhne weiterhin unter hohem Druck stehen. 2020 könnte es angesichts der sich abzeichnenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu einer gewissen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt kommen. Das bestätigen auch die Unternehmen, die an der 21. Vergütungsumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer und der Beratungsfirma Kienbaum teilgenommen haben.

Grundgehälter um durchschnittlich 7,5 Prozent gestiegen

Danach haben die Firmen 2019 ihre Grundgehälter um durchschnittlich 7,5 Prozent angehoben, im produzierenden Gewerbe sogar um über 8 Prozent. In allen Branchen lagen die Gehaltssteigerungen in den unteren Gehaltsgruppen höher als im Durchschnitt, bei angelernten und Facharbeitern etwa bei rund 9 Prozent. Die Daten des ungarischen Statistikamtes weisen für die ersten neun Monate einen leicht höheren Lohnzuwachs von gut 11 Prozent in der Privatwirtschaft aus, und auch in der vor kurzem veröffentlichten Konjunkturumfrage der DUIHK hatten die Unternehmen von durchschnittlich 10 Prozent berichtet. Laut Dirk Wölfer, einem der Mitautoren der Vergütungsstudie, liegt das vor allem an der Zusammensetzung des Teilnehmerkreises. In der Vergütungsumfrage waren vor allem größere, zum überwiegenden Teil in der Produktion tätige Unternehmen vertreten, die ohnehin über ein etwas überdurchschnittliches Gehaltsniveau verfügen, dementsprechend fallen dort die Zuwächse etwas geringer aus.

Für 2020 erwarten die Unternehmen eine nur leichte Entspannung bei den Gehältern. In der Vergütungsumfrage lag der Durchschnitt bei sechs Prozent – fast exakt der Wert, den kurz zuvor auch die Konjunkturumfrage ergeben hatte. Erneut werden aber die unteren Lohngruppen stärker profitieren: bei Arbeitern dürfte der Anstieg auch im kommenden Jahr 7-8 Prozent erreichen.

Einstiegsgehälter bedeutend gestiegen

Angesichts des Fachkräftemangels können sich die Unternehmen diesem Lohndruck meist kaum entziehen, immerhin berichtet fast jedes zweite Unternehmen von ansteigenden Fluktuationsraten. Auch wenn dringend Stellen besetzt werden sollen, müssen die Unternehmen immer tiefer in die Tasche greifen. Die Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen liegen laut Umfrage inzwischen bei 4 – 4,5 Millionen Forint pro Jahr, bei Juristen und Ingenieuren sogar bei bis zu 5,3 Millionen – das sind im Durchschnitt rund 500.000 Forint mehr als noch vor einem Jahr.

András Sághy von Kienbaum Consultants wies bei der Vorstellung des Vergütungsreports darauf hin, dass die kräftigen Gehaltssteigerungen natürlich die Rentabilität des Unternehmens belasten können. Längerfristig müsse daher sichergestellt werden, dass die Produktivität der Unternehmen annähernd im selben Tempo steigt, wie die Löhne. Allerdings, so ergänzte Wölfer, sind ähnliche Lohnsteigerungen auch in anderen Ländern der Region zu beobachten, so dass sich zumindest die relative Wettbewerbsposition Ungarns nicht dramatisch verschlechtert habe. Zudem sei der Abstand der Lohnkosten insbesondere gegenüber Westeuropa noch immer enorm: in der gewerblichen Wirtschaft kostet eine Arbeitsstunde einen deutschen Arbeitgeber 35 Euro, einen Arbeitgeber in Ungarn aber nur knapp 10 Euro. Selbst bei der aktuellen hohen Lohndynamik wird also der Kostenvorteil noch sehr lange beträchtlich sein.

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