Meine Wiedergeburtsklinik: Das Dorottya-Krankenhaus in Nagykanizsa. Foto: Dorottya-Krankenhaus Nagykanizsa

Ungarn für Neu-Ungarn, Teil 17

Von der Schippe gehüpft

Szép napot mindenkinek! Endlich wieder unter den Lebenden! Egal, wie man zu Covid steht, ob geimpft oder nicht, es kann einen immer treffen – den einen leicht, den anderen schwer. So wie mich im letzten Dezember.

Allein acht Wochen im Koma… – auf der Covid-Intensiv-Station – begleitet von drei Lungenentzündungen. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Besonders traumatisch während eines solchen Komas sind die wirren Albträume und Horrorvisionen… die verunsichern und machen Panik.

Von Außerirdischen entführt?

Zwischendurch wird man auch mal wach und sieht die Pfleger bis zum Scheitel antiseptisch vermummt mit speziellen Schutzmasken und Atemfiltern… Da fürchtet man schon mal, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Das Sprachengewirr aus Ungarisch, Deutsch, Englisch, Französisch trägt das Seine dazu bei.

Aber gut, das Ergebnis ist entscheidend: mir wurde immerhin das Leben gerettet… Ich bin, den Ärzten sei Dank, dem Tod gerade noch mal von der Schippe gehüpft. Und irgendwann habe auch ich erkannt: trotz Plastikmasken und Luftfiltern, Schläuchen und piepsenden Überwachungsgeräten – ich bin nicht in einem futuristischen UFO.

Das konnte ich auch an der Krankenhaus-Umgebung erkennen, im Flair deutscher Krankenhäuser aus den 60er Jahren. Aber das ist unwichtig, es kommt auf die medizinische Versorgung an. Und die ist in Ungarn wesentlich besser, als man gemeinhin glaubt…

Gut, an manches muss man sich gewöhnen: so sollte man sein eigenes Besteck mitbringen, auch Klopapier und Handtücher. Zur Qualität des Essens sage ich besser nix… Da unterscheiden sich die ungarischen Krankenhäuser kaum von anderen. Daher ist es hier üblich, dass die Verwandtschaft regelmäßig zu Besuch kommt und die karge Krankenhausverpflegung etwas aufstockt. Was leider in meinem Fall zunächst nicht möglich war, da meine Frau – covidbedingt – die Covid-Station nicht betreten durfte.

Wieder zu Hause!

Nun bin ich endlich, nach dreieinhalb Monaten, wieder zu Hause und lasse mich von meiner Frau kulinarisch verwöhnen. Auch hat sie meine Pflege fachmännisch übernommen und traktiert mich den ganzen Tag mit Lauf- und Gleichgewichtsübungen. Aber, auch da muss man durch. Wichtig ist die richtige Motivation. Ich lerne wieder laufen, Treppen steigen, trainiere meine Lungen und aktualisiere mein Wissen. Denn in zwei Monaten Koma verliert man nicht nur viel von seiner Substanz, knapp 30 kg, man verpasst auch vieles: Weihnachten, Silvester, ja den ganzen Winter.

Wenngleich es im Krankenhaus eine sehr schwere Zeit war, möchte ich nicht verabsäumen, mich bei allen Ärzten, Pflegern, Schwestern und Helfern für ihren Einsatz zu bedanken. Ebenso haben mich die vielen Zuschriften aus Deutschland und Ungarn riesig gefreut. Verblüffend und schön zu sehen, wie viele Menschen an mich gedacht, für mich gebetet und mir alles Gute gewünscht haben. Es hat gewirkt! Danke dafür.

Der Autor ist gelernter Diplom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

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