Verlockend … Aber das Tempolimit von 130 km/h lässt nun einmal keine Ausnahmen zu. Foto: BZ / Jan Mainka

Ungarn für Neu-Ungarn, Teil 18

Verkehrsverstöße

Endlich ist der Frühling da und es ist so schön, mit dem Auto entspannt durch die ungarische Landschaft zu fahren und die herrliche Umgebung zu genießen. Das war ja auch mal unser Ziel als deutsche Auswanderer: dort leben, wo andere Urlaub machen.

Diese anderen gibt es natürlich auch. Die erkennt man an ihrem Fahrstil: Touristen fahren meist ziemlich langsam, defensiv und entspannt.

Dafür sorgt vor allem das ungarische Verkehrssystem. Nix „Freie Fahrt für freie Bürger“. Hier gilt Tempo 130 auf der Autobahn, auf Landstraßen darf man bis 90 km/h aufdrehen. Zudem gilt auf der Autobahn eine Vignettenpflicht, die man beherzigen sollte. Fahren ohne kostet schnell über 200 Euro.

Deutlich höhere Bußgelder

Überhaupt sind die Bußgelder in Ungarn deutlich höher als in Deutschland. Auch daher fährt man angepasster. So schlägt eine Geschwindigkeitsübertretung von 15 Stundenkilometern mit 90 Euro zu Buche, bei 50 zahlt man schon 270 Euro (innerorts) oder 180 Euro (außerorts).

Natürlich gibt es auch in Ungarn Raser. Die findet man meist auf den Landstraßen, wo gerne auch mal sehr übermütig und suizidal überholt wird. Viele schwere Unfälle sind die Folge. Dagegen geht es auf der Autobahn viel ruhiger zu. Das ist der Vorteil von Tempo 130. Kommt einem einer von hinten mit aggressiv blinkender Lichthupe angeprescht, kann man fast sicher sein: ist ein Deutscher.

Übrigens ist eine Besonderheit im ungarischen Verkehrsrecht die Fahrzeugbeleuchtung: auch tagsüber muss man mit Abblendlicht fahren, zumindest außerhalb geschlossener Ortschaften. Ein weiterer Tipp betrifft das Parken. Gerade in Städten wie Budapest sollte man sich mit der Kennzeichnung von Parkmöglichkeiten auskennen.

Wo das Parken eingeschränkt ist, erkennt man an den gelben Markierungen auf der Fahrbahn. Eine gestrichelte gelbe Linie heißt: Parkverbot. Ist sie durchgezogen, Halteverbot. Zudem ist auf Radfahrspuren, Nebenfahrspuren und Busspuren zu achten, die sind fürs Auto tabu. An Bushaltestellen ist selbst das kurze Halten strikt untersagt. Und, man sollte sich wirklich an die Vorgaben halten, in Ungarn können Parkverstöße schon mal bis zu 300 Euro kosten.

0,0 Promille!

Etwas, das für ein kulinarisches Paradies wie Ungarn etwas unpassend anmutet, ist das strikte Alkoholverbot: 0,0 Promille. Ohne Wenn und Aber. Ungarn sind nach einem Glas Bier oder Wein zwar noch genauso fahrtüchtig wie Deutsche. Wahrscheinlich bestand einfach nur die Sorge, dass viele ein Entgegenkommen mit 0,5 Promille möglicherweise als Einladung für ein weiteres Glas oder gar Gläser interpretieren könnten. Und natürlich wollte man die Kraftfahrer sicher auch von der Sorge entbinden, sich bei den Gläsern oder Promillen aus Versehen zu verzählen. Deswegen hat der Gesetzgeber lieber auf glasklare Verhältnisse gesetzt.

Das strikte Alkoholverbot gilt übrigens auch für die Oberschlauen, die mit dem Fahrrad zum Restaurant fahren und sich dort die Kanne geben. Auch das sollte man in Ungarn lassen. Das absolute Alkoholverbot gilt bei jedem Fahrzeug: ob Auto, Mofa, Fahrrad, Pferdekutsche… egal. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Kapitän der ungarischen Nationalmannschaft, Ádám Szalai. Er musste 100 Euro hinlegen, für 0,1 Promille… auf dem E-Scooter.

Der Autor ist gelernter Diplom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

6 Antworten auf “Verkehrsverstöße

  1. Man kann wohl eher sicher sein, dass da ein PS-starkes Auto hinter einem auf der Autobahn die Lichthupe gibt – und nach meiner Erfahrung haben diese dann oft einheimische Kennzeichen. Dasselbe erlebe ich oft in Österreich und denke mir dann: Es sind doch eure nationalen Verkehrsregeln an die man sich halten soll. Warum haltet ihr euch nicht daran?

    Übrigens ist´s in Ungarn nicht “deutlich höher”.
    Innerorts mit 50 zu schnell kostet in Deustchland 400€, bringt 2 Punkte und zudem einen Monat fahrverbot.
    Über die ungarische Autobahn mit 180 kostet also nur 180€. Für jemandem mit gefülltem Girokonto ein überschaubares finanzielles Risiko.
    In Deutschland sind nicht nur 320€ fällig, wenn man außerorts 50km/h zu schnell ist, sondern eben wiederum ein Fahrverbot von 1 Monat.

  2. Auf der Autobahn zwischen Wien und Budapest ist manchmal die Sau raus. Aber dann sind es sowohl Ungarn als auch Fahrer mit Kennzeichen aus D und A, besonders häufig dicke Kisten aus Wien, die das Fahren unangenehm oder sogar gefährlicher machen. Es wird dann bis Tempo 150 Km/h gefahren, manchmal mehr. Kontrolliert wird sehr wenig. 140 sind so oder so mit 10% Überschreitung der Normalfall auf den Autobahnen. Es fällt auf, dass in H wenig Polizisten unterwegs sind.

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