Der Schilfgürtel trägt zum ökologischen Gleichgewicht des Plattensees bei. Foto: MTI/ György Varga

Balaton

Sorge um das Schilf

Der Schilfgürtel am Balaton wird immer mehr in Mitleidenschaft gezogen.

Die Biologen erfassen den Zustand alle fünf Jahre umfassend mit Hilfe von Luftbildern.

Waren 2015 noch 72 Eingriffe verzeichnet worden, die das Schilf auf ca. 4 ha Flächen vollständig zerstörten, zeigten die Aufnahmen von 2020 bereits 826 Stellen, die das Schilf um weitere 28,2 ha zurückdrängten. Beim Bau von Stegen oder anderen Zugängen zum freien Wasser bis hin zu Strandauffüllungen handelt es sich um Eingriffe, mit denen der Mensch den Balaton als Badesee oder für andere Hobbys wie Angeln und Wassersportaktivitäten nutzen will, ohne dabei Rücksicht auf das ökologische Gleichgewicht des Biotops zu nehmen. Bauten in „Symbiose“ mit dem Schilfgürtel wurden bis 2015 an insgesamt 2.000 Stellen rund um den Plattensee verzeichnet, 2020 waren es bereits 3.400 Bauten. Dies sind überwiegend Stege, die Biotope auf Gesamtflächen von 62 ha berühren.

Eigentlich spricht das Gesetz Nr. CXII von 2000 ein generelles Verbot der Schädigung von Schilfgebieten aus. Das sog. Balaton-Gesetz wurde 2019 noch strenger gefasst, doch schert sich niemand um die Einhaltung der Rechtsnormen. Die Wasserwirtschaft ist nämlich machtlos gegen den anhaltenden Trend, wonach die Balatonorte Jahr für Jahr mehr Genehmigungen zur Anlage von Stegen und ähnlichen Objekten erteilen. Diese Genehmigungen garantieren noch keinen ordnungsgemäßen Umgang mit dem Schilf. Schlimmer ist aber, dass es mindestens doppelt so viele Stege wie Genehmigungen gibt, die Mehrheit also illegal angelegt wurde.

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