Biatorbágy erlebt den stärksten Zuzug aus der Hauptstadt. Foto: Sozialmedien/ Biatorbágyért Egyesület

Lebensqualität

Reich sein ist nicht alles

Wo lebt es sich am besten in Ungarn? Das Gleichgewichtsinstitut (ESI) gab die Antwort: Im 5. Stadtbezirk von Budapest oder aber in Székesfehérvár, Budaörs, Balatonfüred bzw. in Hévíz.
16. Februar 2024 9:20

Das sind die Gewinner der einzelnen Kategorien von der Komitatsstadt bis zur Gemeinde beim überaus komplex zusammengestellten „Siedlungsindex“ des Forschungsinstituts ESI. Die mit Daten bis 2021 gefütterte Forschung sieht in Budapest praktisch in allen Stadtbezirken eine spürbare Entwicklung seit 2014, etwa bei der sinkenden Anzahl an Straftaten oder dem verfügbaren Einkommen der Bewohner. Der 5. Bezirk gewinnt vor den Stadtbezirken 1 und 6, besonders dynamisch entwickeln sich daneben aber auch die Bezirke 13 und 9. Probleme der Hauptstadt sind die anhaltende Abwanderung und damit in Verbindung die Überalterung der Bevölkerung.

Zuzug aus der Hauptstadt als Plus

In der Kategorie der 18 Komitatshauptstädte ließ Székesfehérvár ganz eindeutig Győr und Eger hinter sich, besonders dynamisch entwickelten sich neben dem aktuellen Spitzenreiter aber auch Zalaegerszeg und Kecskemét. Székesfehérvár triumphierte mit der in seiner Kategorie höchsten Gewerbesteuer pro Kopf der Bevölkerung (gut 200.000 Forint), aber auch den meisten Gaststätten und (Lebensmittel-) Geschäften. Beim Nettoeinkommen pro Kopf steht Győr noch minimal besser da (knapp 2,05 Mio. Forint im Jahr), das zudem mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit (von nur 1%) brilliert. Eger hat dafür die meisten Gymnasiasten (83 auf 1.000 Einwohner) und – nach Szeged – den zweithöchsten Anteil von Akademikern (mit 27%).

In der Kategorie der Städte mit wenigstens 15.000 Einwohnern (von denen es in Ungarn abgesehen von den Komitatsstädten 68 gibt) wird der langjährige Favorit Budaörs nun von Biatorbágy bedrängt, das Gödöllő bereits hinter sich gelassen hat. Als vielversprechend erkennen die ESI-Experten zudem die Entwicklung von Komárom und Monor an. Budaörs bleibt zwar eine reiche Stadt (mit Nettoeinkommen von 2,7 Mio. Forint pro Kopf), aber seine Entwicklung stagniert, während Biatorbágy den stärksten Zuzug aus der Hauptstadt verzeichnet. Gödöllő punktet mit einem gut ausgebauten Straßen- und Nahverkehrsnetz.

Kaum Kriminalität, viele Ärzte, viel Kultur

Unter 185 Kleinstädten bleibt Balatonfüred unerreicht, mit Üllő schob sich ein weiterer Ort aus der Agglomeration der Hauptstadt vor Diósd auf den 2. Platz. Zukunftsstädte gibt es aber nicht nur im Speckgürtel von Budapest, auch Szikszó im Komitat Borsod im Nordosten des Landes verdient Beachtung. Balatonfüred überzeugt bei Indikatoren wie Gastgewerbe, sprudelnder Arbeitsmarkt, Immobilienpreisen und Internetanschlüssen. Üllő kennt kaum Kriminalität, hat dafür aber umso mehr niedergelassene Haus- und Kinderärzte. Szikszó beeindruckt mit Kulturangeboten, dynamisch steigenden Steuereinnahmen und mit einer hohen Rate selektierter Abfälle.

Die Kleinstadt Szikszó bietet ihren Einwohnern und den Gästen immer mehr Kultur, wobei auch Traditionen gepflegt werden. Foto: Sozialmedien/ Stadt Szikszó

Lebenswerter Balaton

Das Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén sorgt schließlich auch in der Kategorie der Gemeinden für Schlagzeilen, mit aufstrebenden Orten wie Tornakápolna am Rande des Nationalparks Aggtelek und Hejőkürt an der Theiß. Dabei ist diese Kategorie am breitesten aufgestellt, denn es gibt in Ungarn annähernd 2.900 Ortschaften mit weniger als 5.000 Einwohnern. Die lebenswertesten Gemeinden finden sich heute freilich noch rund um den Balaton, angeführt von Hévíz, Fonyód und Alsóörs.

Der für seinen Thermalsee bekannte Kurort Hévíz gewann den Wettstreit neben den „üblichen“ Kriterien auch mit der Länge der angelegten Bürgersteige. Fonyód ist in Sachen Gastronomie unschlagbar, seine Bürger sind aber auch bei Aus- und Weiterbildung beispielgebend. Alsóörs punktet mit einer supermodernen Infrastruktur und besonders vielen zugelassenen Pkw. Der Entwicklungssprung von Tornakápolna erklärt sich aus dem gestoppten Bevölkerungsschwund – bei nur noch 18 Einwohnern wurde es dafür aber auch höchste Zeit. In Hejőkürt sorgte der Ausbau einer modernen Trinkwasserversorgung für die entsprechenden Impulse.

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