Aus dem Gerichtssaal

Prinzipien kontra Spesen

Die Citibank hat einen bizarren Arbeitsgerichtsprozess gewonnen und sich wegen ein paar Dutzend Euro lieber von einem leitenden Mitarbeiter getrennt. Letztlich ging es der Bank nämlich gar nicht um das Geld.
17. Oktober 2023 17:00

Den Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht strengte der vormalige Mitarbeiter an, den sein Arbeitgeber nach einer internen Untersuchung entließ. Der Mann wird in den ungarischen Medien mit vollem Namen genannt. Seit 2015 war Szabolcs F. für die ungarische Citibank tätig, zuletzt in einer leitenden Position als Chefanalyst.

Eine Dienstreise nach Amsterdam

Im vergangenen Jahr reichte er im Anschluss an eine dreitägige Dienstreise nach Amsterdam Restaurantrechnungen ein, die weit unter dem Tageslimit für Spesen von 100 Euro lagen. Die Bank dachte jedoch im Traum nicht daran, die niedrigen Beträge zu erstatten. Vielmehr wurde eine interne Untersuchung eingeleitet, die aufdeckte, dass der Mitarbeiter in die Abrechnung eine zweite Person einbezogen hatte. Wie sich herausstellte, begleitete Szabolcs F. auf besagter Reise seine Lebenspartnerin, die jedoch nicht für die Citibank arbeitet und somit zu keinerlei Spesen berechtigt ist.

Zweites Sandwich war zu viel

In einem bankinternen E-Mail-Verkehr behauptete der letztlich gefeuerte Bankier, er habe die Spesenrechnung alleine verursacht. Die Kontrolleure nahmen ihm noch ab, dass er zwei Kaffees trinkt, weil die konsumierte Menge zu klein war, dass er zum zweiten Kaffee aber auch ein zweites Sandwich verspeiste, sprengte bei der Citibank die Norm. Dabei hatte Szabolcs F. für den ganzen Reisetag keine weiteren Spesen für Mittag oder Abendessen eingefordert. Wie sich im Prozess vor dem Arbeitsgericht herausstellte, nahm ihm sein Arbeitgeber übel, dass er gelogen habe, indem er die mitreisende Lebenspartnerin bei der Spesenabrechnung verschwieg. Es gehe also nicht um ein paar Euro, sondern ums Prinzip.

Die Pfennigfuchser

So trennte sich die Citibank in Ungarn lieber von einem leitenden Angestellten. Wie streng man es bei diesem Geldinstitut mit der Etikette nimmt, hatte der Fall eines hoch positionierten Händlers in London gezeigt. Der wurde 2020 fristlos entlassen, weil er Essen aus der Kantine gestohlen hatte! Ob Szabolcs F. nun ein Lügner ist oder es sich mit der Rechnung in Amsterdam nur einfach machen wollte, sei dahingestellt. Es stimmt aber nachdenklich, dass sich Leute in diesen Positionen, mit entsprechenden Bezügen, als Pfennigfuchser entpuppen.

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