Magyar
Von Interview zu Interview und von Großdemo zu Großdemo blüht der bisher unbekannte und erfolglose Ex-Ehemann einer bekannten und erfolgreichen Politikerin immer mehr auf. Foto: MTI/ Péter Lakatos

Glosse: Eindrücke eines Neu-Ungarn

Magyar greift nach Magyarország

Wie lange hält sich Orbán noch? Brechen die Wellen der Empörung der Regierung das Genick? Wann weht der Sturm der Entrüstung den Fidesz hinweg? 

Freunde in Deutschland haben mich dieser Tage mehrfach gefragt, was denn da in Ungarn los sei. Die deutschen Zeitungen sind voll von beunruhigenden Berichten über eine regierungskritische Großdemo nach der anderen. Die Mainstream-Presse jubelt schon über das bevorstehende Ende von Orbán …

Lauschangriff auf Ehefrau

Eingeleitet wurde all das durch einen eher unbedeutenden Herrn: Péter Ma­gyar, der Ex-Ehemann von Justizministerin a.D. Judit Varga. Die Ehe sei für sie nach eigenen Angaben über weite Strecken und erst recht gegen Ende hin nur noch schwer zu ertragen gewesen. Ständige Demütigungen und Erniedrigungen seien an der Tagesordnung gewesen, bis hin zu Drohungen und körperlicher Gewalt. Schließlich versuchte Magyar sogar, sie mit einem heimlich aufgenommenen Mitschnitt eines privaten Gesprächs zu erpressen.

Nachdem er dann im Zuge der Scheidung seine sämtlichen lukrativen Posten in staatlichen Unternehmen verlor, die er zuvor nicht zuletzt durch den Einfluss seiner Frau bekommen hatte, suchte er sich ein neues Betätigungsfeld. Er fand es als Verräter seines bisherigen Lagers und daher als begehrter Interview­partner linksliberaler Medien. Sodann blühte er als Redner bei Großdemos auf.

Auf einer Woge von Klicks …

Durch beachtliche Klick- und Teilnehmerzahlen in seinem Selbstbewusstsein gestärkt, das durch das jahrelange Dasein im Schatten seiner überaus erfolgreichen Ehefrau doch etwas gelitten hatte, wuchs in ihm bald der Wunsch nach noch Höherem. So entstand die Idee einer politischen Bewegung und sodann einer Partei. Diese wurde mit keinem geringeren Ziel aus der Taufe gehoben, als Orbán zu stürzen.

In diesem Fall würde Magyar natürlich Ministerpräsident von Magyar­ország werden. Was für eine Karriere! Vom unbekannten Ehemann und Postenjäger zum allseits respektierten Ministerpräsidenten des Landes. Zumindest in den Träumen des plötzlich zu schier unstillbarem Ehrgeiz erwachten Magyar.

Magyar muss noch viele Hürden nehmen

Doch bis es soweit ist, fließt noch viel Wasser die Donau hinunter. So müsste dem eher „rechten“ Magyar das Kunststück gelingen, ein eher linkes Lager nachhaltig an sich zu binden, ohne sich inhaltlich allzu sehr zu verbiegen. Dann müsste der frischgebackene Parteichef, dessen aufbrausenden und narzisstischen Charakter Judit Varga in einem ebenfalls vielbeachteten Interview recht anschaulich beschrieben hat, die Ruhe und Geduld aufbringen, eine landesweit aufgestellte Partei aufzubauen.

Er müsste fähiges Personal rekrutieren und ein Programm mit eigenem Profil entwerfen. Dann müsste er es auch noch schaffen, die vielen linken und liberalen Parteien ruhig zu stellen, während er sie derweil hinsichtlich Wählern und Geldquellen genüsslich ausweidet. Und noch ein paar Hürden mehr…

Und dann?

Solange Magyar all diese Hürden nicht erfolgreich genommen hat, sollten sich meine deutschen Freunde keine allzu großen Sorgen um die politische Stabilität in Ungarn machen, riet ich ihnen. Und ja, der ungarischen Demokratie geht es gut!

Der Autor ist Dip­lom-­Physiker, machte dann aber die Musik und die Liebe zur Sprache zu seinem Beruf und wurde Kabarettist. In den vergangenen 40 Jahren stand er mehr als 6.000 Mal auf der Bühne und war in zahlreichen Fernsehsendungen zu Gast. Nebenbei schrieb er sechs Bücher. Seit 2020 lebt er mit seiner Frau in der Nähe des Balaton. Mehr zu Detlev Schönauer finden Sie in diesem BZ-Interview.

7 Antworten auf “Magyar greift nach Magyarország

  1. Mein lieber Mann, das ist ja mal ein Kommentar. Der trifft das haargenau ! Alles was ein “Verräter”, der absolutes Insiderwissen hat sagt, Ist gelogen ! Und das Interview seiner Ex-Frau ? Ohne wenn und aber zum richtigen Zeitpunkt, reiner Zufall.

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    1. Alles Seifenoper vom Feinsten? Nur, dass hier einer offenbar sich selber nicht unter Kontrolle hatte. und der Heißt Magyar. Das weiße Hemd ist nur symbolisch.
      Dass Orbán zu dem ganzen Quark fast nicht reagiert, beweist seine Intelligenz.

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    2. Die Karriere des Herrn Magyar ist zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat! Als konservativer im linken Lager zu fischen ist genauso hoffnungslos wie als Nestbeschmutzer im eigenen konservativen Lager der FIDESZ Anhang zu finden. Vég Peter!

      Traurig ist nur, solche Leute schaden dem Ruf eines (langsam) aufstrebenden Landes, denn auch ich wurde schon zweimal gefragt, was bei uns in Ungarn los sei. Dass 2/3 des Volkes Viktor Orban gewählt haben, der also nicht schlecht sein kann, so viele Ungarn können sich nicht irren, wissen die wenigsten Deutschen. Schon gar nicht, dass Brüssel und Washington alles finanziell tun, um einen unbequemen Politiker zu beseitigen, um Gleichschritt der EU-Vasallen zu erreichen. Dafür unterstützt(e) man schließlich die Opposition, auch wenn dies nun gesetzlich verboten ist. Aber Mittel und Wege wird es immer geben…

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  2. Die ganze Show geht irgendwann zu Ende. Wer sich mit den Demonstranten unterhält, erfährt, dass der Großteil frustriere ehemalige Wähler der linksgrünen Splitterparteien sind, die langsam schnallen, dass die Linksgrünen in Ungarn und der EU nur in den Abgrund führen. Magyar muss sich von dieser Truppe abgrenzen, genauso wie vom Fidesz, damit er was besonderes ist. Der Westen mit seiner lächerlichen Deutungshoheit produziert erst mal nur Gelaber. Was die Stichhaltigkeit der Vorwürfe gegen Fidesz betrifft, so ist noch alles nebulös. Magyars Alleinstellungsmerkmal ist dann keines mehr, wenn die Blase platzt.

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  3. Magyar Lebensgefahrtin hat stolz gesagt, zu Hälfte von Innland zu Hälfte von Azsland die Demos finanziert wurden. Also klare ausländische Einmischung. Nur nebenbei.
    In Magyar Umkleis kamen Linksliberalen zum Wort. Ging er als Ehemann abends als Fidesz Anhänger ins Bett und morgens stand auf als Ex Eheman u d Linksliberal. Super Persönlichkeit.

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  4. Diese lachhafte Figur ohne Charakter und Format hat doch nicht das geringste an Programmatik und Zukunftsvisionen! Das weiss doch die Brüsseler Korruptionsoligarchie genau und fährt lächerliche, blamable Attacken gen den allseitig international geachteten ungarischen Ministerpräsidenten! Siehe dazu nur die unsägliche und unwirksam Behinderung am Dienstag in Brüssel! Ohnmächtig und völlig unangebracht!! Sie dient eher dazu MP V. Orbans großes Ansehehen noch zu erhöhen! Brüssel braucht eine neue Führung!! Das dürfte inzwischen weltweit bekannt sein!
    Die Vasallen Amerikas sind wie die in Deutschland sind am Ende! Das gefährliche daran ist nur, dass sie mit allen Mitteln ohne Achtung von Recht, Gesetz und Menschenleben führ Ihren Machterhalt kämpfen werden!!

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    1. Da sieht es heute ähnlich aus in der EU wie damals unter dem Premier Gyurcsány in Ungarn. Nach seinem Wahlbetrug und der Lügenrede war auch der nur noch damit beschäftigt, seine Macht zu erhalten – bis am Ende in 2009 erst mal Bajnai Gordon die Geschäfte übernahm – und dann Orbán trotz aller Widerstände aus Brüssel und Berlin die Macht übernahm. Am Ende ist dann die Wirtschaft im Arsch und das Vertrauen in die Politik dahin. Dies ist der Moment für einen radikalen Wechsel.

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